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Scharfe Schusswaffe im Kinderzimmer

Aus dem Amtsgericht Scharfe Schusswaffe im Kinderzimmer

Weil er das Erbstück der Familie, eine serbische Neun-Millimeter-Pistole, im Zimmer seiner Töchter aufbewahrt hat, obwohl er keine Waffe besitzen darf, ist ein 47 Jahre alter Serbe zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden. Eine Schusswaffe im Kinderzimmer - das war für den Richter ein Grund zur Strafverschärfung.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Die Sache war bei Ermittlungen in ganz anderem Zusammenhang aufgefallen. Ein weibliches Familienmitglied hatte erwähnt, in der Familie des 47-Jährigen gebe es eine Pistole. Die Polizei beantragte eine Hausdurchsuchung und rückte mit Bereitschaftspolizei an.

Gefülltes Magazin und Munition

Der Angeklagte, ein Autohändler, war nicht zu Hause, die Söhne erwiesen sich als "respektlos", wie ein Polizist als Zeuge sagt - bis in ihren Zimmern eine Schreckschusspistole und ein Teleskopschlagstock gefunden wurden. Dann aber fand sich in einem Kleiderschrank im Mädchenzimmer auch noch eine scharfe halbautomatische Schusswaffe. Daneben ein gefülltes Magazin, schließlich noch eine angebrochene Packung Munition. Diese hatte deutsche Zulassungszeichen und den Aufkleber eines deutschen Waffenhändlers.

Die Söhne, so der Polizeibeamte, hätten gesagt, "die gehört Opa". Die Ehefrau sagte aus, ihr Mann habe sie von seinem alten und kranken Vater erhalten, die dieser wiederum von seinem Vater habe. Auch bei der Vernehmung des Angeklagten soll dieser bestätigt haben, Opa habe sie ihm übergeben - quasi wie ein Familienerbstück.

Freispruch beantragt

Der Verteidiger freilich will diese Aussage nicht gelten lassen. Er bezweifelt, dass der Angeklagte korrekt über seine Rechte belehrt wurde. Auch seien die Familienangehörigen nicht belehrt worden, dass sie niemanden aus der Familie belasten müssen. Später wird er deshalb Freispruch beantragen. Der Polizist wiederum überzeugt den Richter, alle Beteiligten korrekt belehrt zu haben. Dem Antrag des Anwalts, die Aussage des Polizisten nicht zu verwerten, weist der Richter zurück.

Die Staatsanwältin bleibt mit ihrem Antrag von acht Monaten am unteren Rand des Strafmaßes (sechs Monaten bis fünf Jahre) für unerlaubten Waffenbesitz. Amtsrichter Oliver Jitschin jedoch sagt: "Was ich beängstigend finde ist, dass eine Waffe im Kinderzimmer aufbewahrt wird, durch das eine Vielzahl von Kindern springt.

Das ist völlig unverantwortlich." Er verhängt ein Jahr und setzt sie gegen Zahlung von 1500 Euro zur Bewährung aus. Die Pistole möge zwar ein Erbstück gewesen sein, aber keines, das man sich über den Kamin hängt. Stattdessen eines, von dem wohl geglaubt wurde, es noch einmal brauchen zu können. Jetzt wird sie verschrottet.

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