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Scharfer Gegenwind für Drachenboote auf Göttinger Kiessee

Kiesseeordnung und Brutvögel Scharfer Gegenwind für Drachenboote auf Göttinger Kiessee

Platzt der Traum von Drachenbooten auf dem Göttinger Kiessee noch bevor das erste Boot bestellt ist? Kaum haben die Initiatoren ihre Idee präsentiert, droht der Göttinger Ornithologe Hans Heinrich Dörrie mit Strafanzeige: Zum einen sei der Betrieb so großer Boote ein Verstoß gegen die Kiesseeordnung, sagt der Vogelkundler.

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Testlauf vergangene Woche: Bleibt der Anblick eines Drachenbootes auf dem Kiessee eine Ausnahme?

Quelle: Vetter

Göttingen. Zum anderen sei es ein Vergehen gegen das Naturschutzgesetz, wenn Drachenboote mit ihren Wellen die Brut von Haubentauchern und anderen seltenen Vögeln stören. Auch die Untere Naturschutzbehörde hat Bedenken. Die Drachenbootfreunde zeigten sich am Montag völlig überrascht.

Gut gelaunt hatten der Stadtsportbund, Uni-Vertreter und die Sparkasse Göttingen vergangene Woche ihr Projekt präsentiert: Die Sparkasse will zwei Drachenboote stiften. Stadtsportbund und Uni sollen den Trendsport für Studenten, Schülergruppen und weitere Interessierte auf Göttingens größtem See etablieren.

Für Dörrie aber wird damit eine Grenze überschritten: Der Kiessee sei mit 13 Hektar Fläche nicht mit dem Maschsee in Hannover zu vergleichen: „Er ist für Drachenboote zu klein“. Außerdem sei der Kiessee Lebensraum von etwa 70 Brutvogelarten und 30 Rastvogelarten – darunter etliche gefährdete.

Kiesseeordnung von 1974

Dörrie verweist auch auf die gültige Kiesseeordnung von 1974: Danach darf der See nur mit Paddel- und Ruderbooten befahren werden, „die nicht mehr als die übliche Größe eines Vierer-Bootes aufweisen“. Dabei geht er von Booten mit vier Paddlern oder Ruderern aus, große Drachenboote sind mit 20 Paddlern besetzt.

An diesem Punkt aber scheiden sich die Geister: Für Sportreferent Klaus Brüggemeyer vom Stadtsportbund und Alexander Frey als Chef der Göttinger Sport- und Freizeit GmbH ist die Länge entscheidend. Für sie sind „übliche Vierer-Boote“ zum Beispiel wettkampftaugliche Ruderboote wie ein „Gig-Vierer mit Steuermann“.

Sie sind 12,50 Meter lang, Vierer-Paddelboote der Waspo elf Meter – einen Zentimeter länger als die ausgewählten Drachenboote. Frey räumt ein: „Das haben wir bisher gar nicht so stark hinterfragt, nehmen den Hinweis aber ernst.“ Jetzt hoffe er in Gesprächen mit allen Beteiligten auf eine Lösung, die den Freizeitaspekt ebenso berücksichtige wie den Naturschutz.

Konflikt mit dem Artenschutz

Ähnlich äußert sich Sparkassen-Sprecher Frank Sickora und fügt an: „Wir haben die Finanzierung gerne übernommen, weil wir glauben, dass wir damit etwas Gutes für die Bürger tun.“ Über Details müssten andere entscheiden.

Und die könnten das Projekt tatsächlich scheitern lassen. Denn auch die Untere Wasser- und Naturschutzbehörde bei der Stadt sieht „in der Tat einen Konflikt mit dem Artenschutz – vor allem mit dem Schutz von Brutvögeln“. Drachenboote seien zwar nicht länger als sportliche Vierer-Boote.

Von ihnen könne durch „deutlich mehr Insassen, trommeln und gegenseitigen Anfeuerungen“ aber mehr Lärm ausgehen, sagt Stadtsprecher Detlef Johannson. „Und welcher Wellengang bis in die Uferbereiche entsteht, das müssen wir uns noch genauer ansehen.“ Nach derzeitigem Kenntnisstand sei er skeptisch.

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