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"Schön, dass es die Tafel gibt"

Göttinger Tafel: Weihnachtspäckchen für Bedürftige "Schön, dass es die Tafel gibt"

Weihnachtszeit ist Geschenkezeit. Auch in der Göttinger Tafel. Mehr als 700 Spendenpakete haben die Tafel-Mitarbeiter in diesem Jahr von Spendern für die Tafel-Kunden eingesammelt.

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Mehr als 700 Spendenpakete haben die Tafel-Mitarbeiter in diesem Jahr von Spendern für die Tafel-Kunden eingesammelt.

Quelle: Mischke

Göttingen. In einem Raum neben der Lebensmittelausgabe stapeln sich die bunten Päckchen und Pakete. Dankbar nehmen die Tafel-Kunden, darunter Rentner, junge Männer, Flüchtlingsfamilien, die kleine Aufmerksamkeit zum Fest entgegen. "Schön, dass es die Tafel gibt", sagt Ulrich Höpfinger. Der 74-Jährige hat sich mit Obst, Gemüse und Brot eingedeckt. Früher habe er Scheu gehabt, die Hilfe der Tafel anzunehmen. Mit 120 Euro, die ihm monatlich zum Leben bleiben ginge es nun aber nicht mehr anders. Das zusätzliche Weihnachtsgeschenk nimmt er dankbar an.

Göttinger Tafel: Weihnachtspäckchen für Bedürftige

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Von den insgesamt 700 Weihnachtspäckchen für die Tafelkunden haben nach Angaben von Schulleiter Michael Brüggemann Schüler des Göttinger Felix-Klein-Gymnasiums allein 300 gepackt. Die übrigen Pakete stammen von der Pro-Seniore-Residenz, dem Max-Planck-Gymnasium, der Eibenwaldschule in Eddigehausen, der Sonnenbergschule Bovenden, der Grundschule Rhumspringe und der St.-Paulus-Kindertagesstätte.

Die Zahl der Kunden, die bei der Tafel registriert sind, ist nach Angaben von Geschäftsführerin Martin May in diesem Jahr stabil geblieben. Sie habe sich in der Vergangenheit bei 1200 bis 1400 eingependelt. Etwa 40 Prozent davon seien Geflüchtete. Für die Tafel bringt das neue Herausforderungen: Verständigungsschwierigkeiten durch mangelnde Sprachkenntniss und kulturelle Unterschiede etwa. Abhilfe soll hier das neue Projekt „Freiwilligenarbeit als Hilfe für Flüchtlinge bei den Tafeln“ bringen (siehe Text oben). Derzeit helfen zwischen 80 und 100 Ehrenamtliche bei der Tafel. Darunter etwa 20 Studenten, sagt May.

Das zurückliegende Jahr sei für die Tafel gut verlaufen. "Wir bekommen richtig, richtig viele Lebensmittel", sagt May. Spender seien keine abgesprungen. Und diese kommen nicht nur aus Göttingen. So hat etwa die Northeimer Niederlassung der Unternehmensgruppe Hoyer erst in dieser Woche 1000 Euro an die Tafel gespendet.

Zum Tag des Ehrenamtes Anfang Dezember hat der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutsche Tafel,  Jochen Brühl, das Engagement der 60000 Freiwilligen in mehr als 900 Tafeln bundesweit gelobt. Sie leisteten einen "unfassbaren Beitrag für die Gesellschaft". Doch gerade die Freiwilligkeit werde oft übersehen. „Die Politik schätzt ehrenamtliches Engagement, nimmt es aber schnell als gegeben hin. Hier wird Verantwortung abgewälzt“, sagte Brühl weiter. Deswegen fordert der Bundesverband von den Entscheidern, die staatliche Verantwortung zur Vollversorgung Bedürftiger stärker wahrzunehmen. Vor allem muss die Armutsentwicklung in Deutschland aufgehalten werden. „Tafeln können unmittelbar helfen. Langfristige Lösungen bleiben aber Aufgabe der Politik“. 

Projekte der Tafel 2016

Die Göttinger Tafel nimmt seit diesem Jahr als eine von bundesweit drei Tafeln an dem Pilotprojekt „Freiwilligenarbeit als Hilfe für Flüchtlinge bei den Tafeln“ der Tafel-Akademie teil. Die Aktion Mensch fördert dieses dreijährige Pilotprojekt mit insgesamt 220 000 Euro. Ziel des Projekts ist die Qualifizierung von Ehrenamtlichen für „besondere Herausforderungen“ in der Arbeit mit Flüchtlingen. Zusätzlich soll die Integration der Flüchtlinge in den Tafelbetrieb und somit in die Gesellschaft gestärkt werden. Das Programm besteht aus drei Phasen: Zuerst sollen die Tafel-Aktiven in Fragen der Flüchtlingszusammenarbeit weitergebildet werden, um das interkulturelle Verständnis zu fördern und Knowhow über Fluchtursachen und die Herkunftsländer zu vermitteln. Anschließend liege der Schwerpunkt auf der Integration von Flüchtlingen in den Tafelbetrieb. Ziel sei schließlich, dass Flüchtlinge in der Lage sind, selbst integrative Kurse bei der Tafel anzubieten und Neuankömmlingen zu helfen. Außer in Göttingen, wo das Projekt am Montag gestartet ist, läuft das Pilotprojekt in Marburg und Bremerhaven.

Schon länger im Angebot der Tafel ist das Projekt „Rechtsberatung für bedürftige Personen“. Im November ist es mit dem „Niedersachsenpreis für Bürgerengagement 2016“ in der Kategorie Soziales ausgezeichnet worden. Die an der Tafel angesiedelte Beratungsstelle ist einer von zehn Preisträgern. Immer mittwochs nimmt die Rechtsberatung in den Räumen der Tafel ihre Arbeit auf. Viele Kunden der Tafel seien auch Kunden der Rechtsberatung, sagt Hannes Brost. 2011 hat er mit Simon Steinhof das Projekt ins Leben gerufen. Das Prinzip: Jura-Studenten ab dem vierten Semester beantworten im Beisein von Anwälten rechtliche Fragen und suchen Lösungen für Rechtsstreitigkeiten. Vor allem „niederschwellig“ soll das Angebot sein. Fragen etwa zum Mietrecht, zu Hartz-IV- und Sozialhilfebescheiden, zu Handy-Verträgen oder zum Unterhaltsrecht seien typische Fälle, sagt Anwalt Uwe Betjen.

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