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Schönes Ortsbild oder MPI-Neubau

Diskussion um Landschaftsschutz Schönes Ortsbild oder MPI-Neubau

Wie schützenswert ist die mögliche, derzeit unter Landschaftsschutz stehende Erweiterungsfläche für die Max-Planck-Institute (Tageblatt berichtete) am Faßberg? Der Heimatverein Nikolausberg und das Göttinger Planungsbüro Wette und Göddecke, das im Auftrag der Stadt eine naturschutzfachliche Bewertung erstellt hat, kommen zu gegensätzlichen Bewertungen.

Nikolausberg. Auch innerhalb des Ortsrates gehen die Meinungen über die strittige Fläche entlang der Ulrideshuser Straße östlich des MPI in Richtung Nikolausberg auseinander. Der Biologe Henning Göddecke kommt in seiner Bewertung grundsätzlich zu dem Schluss, dass der Schutzzweck gemäß der Schutzgebietsverordnung der Entlassung aus dem Landschaftsschutzgebiet Leinetal nicht entgegen steht. Dadurch werde das Landschaftsbild als Grundlage für die Erholung des Menschen nicht wesentlich verändert. „Insbesondere auch aufgrund der eingeschränkten Bedeutung des Bereiches für das Landschaftsbild des Landschaftsraumes“, so Göddecke. Wohl aber sollten die Gehölzgürtel östlich und nördlich der Fläche erhalten bleiben.

Durch den Bau neuer Institutsgebäude sieht der Heimatverein indes das Ortsbild gefährdet: „Das Landschaftsschutzgebiet muss als wichtiger Bestandteil unseres Ortsbildes bestehen bleiben“, fordert Uwe Scheibler, Vorsitzender des Vereins, der selbst mit seinem Grundstück an die mögliche Erweiterungsfläche angrenzt. Die Landschaft oberhalb der Erschließungsstraße zwischen dem Fassberg und dem Feldweg, der zur Klosterkirche führt, sowie der Bereich Billingshäuser Schlucht zwischen MPI und Freibad seien „unersetzliche Bestandteile der landschaftlichen Identität von Nikolausberg und dürften deshalb nicht bebaut werden. „Insbesondere der Blick auf den Ortseingang mit der Kirche, der schon immer ein beliebtes Motiv von Künstlern und Fotografen darstellte, sollte nicht durch mehrgeschossige Betonbauten verstellt werden“, heißt es in einer Stellungnahme des Vereinsvorstandes. Zwar stehe der Heimatverein den Instituten „sehr positiv“ gegenüber: „Wir sehen aber auch unser heimatliches Landschaftsbild, das schon über Jahrhunderte prägend war, als wertvolles Kapital an, das nicht leichtfertig – und unwiederbringlich – verspielt werden darf.

Gerade das Landschaftsbild war 1992 einer der Gründe, die Fläche unter Landschaftsschutz zu stellen. „Hinsichtlich der Schutzwürdigkeit der Landschaft, auch in Bezug auf das Landschaftsbild, wurde ein landschaftsökologisches Gutachten erstellt, welches Flächen nördlich und südlich der Ulrideshuser Straße eine hohe Wertigkeit zuweist“, schreibt die Stadtverwaltung als Antwort auf eine Anfrage der CDU-Ratsfraktion. Trotzdem seien damals dem MPI Erweiterungsflächen im Norden und Westen zugestanden worden, die nicht in den Landschaftsschutz aufgenommen worden sind. Aus heutiger Sicht, so die Verwaltung, seien diese Flächen aus naturschutzfachlicher Sicht höher zu bewerten als die geplante Entlassungsfläche, deren Wertigkeit für den Naturhaushalt als geringer anzusehen sei.
Auch Göddecke schließt „Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes“ nicht aus, wenn die Fläche bebaut wird. Diese ließen sich aber vermeiden und „deutlich abmildern“. Er schlägt eine maximale Gebäudehöhe von drei Stockwerken vor, Einsatz von Grünstreifen unter eine Untergliederung der Fläche. Dann wären für die Ortslage Nikolausberg, für die Ulrideshuser Straße und für Blickpunkte oberhalb von Herberhausen und von der Herzberger Landstraße „keine gravierenden Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes“ zu erwarten.

Auch der Ortsrat ist geteilter Meinung: Während das beratende Mitglied und Vorsitzender des Umweltausschusses des Rates Hans-Georg Scherer (CDU) eine Erweiterung aus genannten Gründen ablehnt, meint der „Pseudo-Grüne“ (Zitat Scherer) Bernd Michael Weide, dass man sich dem Vorschlag nicht verschließen dürfe. Die SPD indes schlug vor, zu prüfen, ob sich nicht ein Konzept entwickeln ließe, bei dem das MPI vor allem auch nach Westen erweitert werden könnte. Das soll nun geprüft werden.

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Tageblatt-Interview

Für eine mögliche Erweiterung des Geländes der Max-Planck-Institute am Fassberg will die Stadt Göttingen den Flächennutzungsplan ändern. Im Tageblatt-Gespräch mit Michael Brakemeier hat Göttingens Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) die Pläne aus Sicht der Stadt dargestellt.

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