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Gedenken an Opfer der Pogromnacht

Erinnerung an jüdische Mitschüler und Lehrer Gedenken an Opfer der Pogromnacht

Um an die Schändung der Göttinger Synagoge während der Reichspogromnacht 1938 zu erinnern, haben sich am Mittwochabend mehrere Hundert Menschen am Mahnmal versammelt. Schüler des Max-Planck-Gymnasiums gestalteten die Gedenkstunde.

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Mehrere Hundert Menschen versammelten sich am Mittwochabend am Göttinger Platz der Synagoge: Nazis zerstörten das Gebäude während der Pogromnacht.

Quelle: CH

Göttingen. Sie wurden ausgegrenzt, gedemütigt und erhielten Schulverbot: Am Beispiel von vier Schülern zeichneten die Jugendlichen, die am MPG Geschichtsleistungskurse besuchen, den Leidensweg jüdischer Altersgenossen im Dritten Reich nach. Was mag es für sie bedeutet haben, den Unterricht mit dem Hitlergruß zu beginnen? Wie konnten sie Aufsätze zu Themen wie „Der Jude in Volk und Staat“ schreiben?

Auch von zwei jüdischen Lehrern des ehemaligen Staatlichen Gymnasiums der Stadt berichteten die Schüler. Eduard Lisco war seit 1934 Schulleiter gewesen. Die Nazis degradierten ihn erst, dann „beurlaubten“ sie ihn. Heinz Junger verlor ebenfalls seine Stelle und verarmte. Von 1939 bis 1941 unterrichtete er zehn jüdische Kinder, die Schulverbot erhalten hatten. Am Ende wurde er mit den anderen Juden der Stadt nach Osteuropa deportiert. Er ist im Warschauer Ghetto verschollen, fanden die Schüler heraus. „Aus der Geschichte folgt Verantwortung“, wurde Johannes Rau zitiert. Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit wollen die Schüler entgegentreten.

Dem schloss sich Heiner J. Willen von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit an. Er forderte die Teilnehmer auf, gemeinsam rechten Gruppen wie dem „Freundeskreis“ entgegenzutreten, gegen dessen Kundgebungen in Göttingen zu demonstrieren. Die Gesellschaft richtete die Gedenkstunde gemeinsam mit der Stadt aus.

Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) konnte nicht rechtzeitig kommen. Sein Zug hatte Verspätung. Ein israelisches Volkslied und einen Psalm trug der MPG-Schulchor unter Leitung von Frauke Simon vor. Instrumentalmusik erklang.

Die Veranstaltung, die bei kaltem Regenwetter stattfand, endete mit dem jüdischen Totengebet, das Michael Shelliem und Jacqueline Jürgenliemk von der liberalen Jüdischen Gemeinde sangen. Namen von Orten, an denen die Nazis Juden ermordet hatten, wurden verlesen. Schweigend gingen die Teilnehmer danach auseinander.

Dransfelder erinnern an Viehhändler Haas

Legten Kränze vor der ehemaligen Synagoge in Dransfeld nieder: Horst Pinne (links) und Wilhelm Behrendt.

Quelle: CH

An den jüdischen Viehhändler Samuel Haas und seine Familie erinnerte am Mittwochabend das Dransfelder Bürgerforum 9. November. 50 Menschen nahmen an der Gedenkstunde vor der ehemaligen Synagoge teil.
Nachdem eine SA-Truppe die Wohnung der Familie an der Langen Straße 49 verwüstet hatte, wanderte der Unternehmer mit seiner Frau und den beiden Söhnen noch 1933 in die Niederlande aus. Doch 1940 marschierte die Wehrmacht dort ein.

Haas und Ehefrau Rosa tauchten unter. Bis zur Befreiung des Landes durch die Allierten konnten sie sich mit Hilfe vieler Niederländer dem Zugriff der Nazis entziehen.
Ihr Sohn, der Zahnarzt Carl Haas und dessen Frau Lotte, versteckten sich ebenfalls, wurden aber gefasst und ins Konzentrationslager Bergen-Belsen deportiert. Während viele andere dort verhungerten, überlebte Haas. Bei seiner Befreiung wog er noch 45 Kilogramm. Auch seine Frau überstand die Zeit. Gemeinsam kehrten sie in die Niederlande zurück. Der zweite Sohn der Familie, Heinz Haas, wanderte 1936 nach Argentinien aus.

„Wir haben Kontakt zur Tochter von Carl Haas aufgenommen“, berichtete Wilhelm Behrendt vom Bürgerforum. Im Frühjahr war Evelyn Haas mit ihrem Mann in Dransfeld. Sie sprachen vor dem Haus des Großvaters das jüdischen Totengebet. Dort erinnern vier Stolpersteine an die Familie. Das Forum legte dort Mittwoch Rosen nieder.

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