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Schulen verbieten Sticker-Tausch

Göttingen Schulen verbieten Sticker-Tausch

Immer mehr Schulen in Deutschland verbieten das Mitbringen und Tauschen von Panini-Bildern. Auch einige Einrichtungen im Landkreis Göttingen stellen sich gegen die kleinen Aufkleber.

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Die Panini-Sammelbilder sind beliebt, auch zur Fußball-EM 2016. Doch an einigen Schulen im Kreis Göttingen ist das Tauschen bereits verboten.

Quelle: dpa

Göttingen. Panini-Sammelbilder gehören für Viele zu großen Fußballwettbewerben einfach dazu. Und natürlich wollen auch Kinder die Sticker sammeln und tauschen, um ihr Album zu füllen. Am einfachsten geht das in der Schule. Aufkleber wechseln zur Europa- oder Weltmeisterschaft auf dem Schulhof reihenweise den Besitzer. Damit ist nun in den ersten Schulen im Landkreis Schluss. Die Bilder sollten nicht mitgebracht werden, „weil sie mit Schule nichts zu tun haben“, begründet Hans-Joachim Reuter, Schulleiter der Lohbergschule in Göttingen, das Verbot an seiner Schule. Das Tauschen der Sticker führe oft zu Streitigkeiten unter den Kindern. „Die Karten haben ja eine gewisse Hierarchie“, erklärt er. Reuter findet es daher besser, die Karten eher außerhalb der Schule zu sammeln und zu tauschen. In Supermärkten gebe es genug Tauschbörsen, zu denen die Kinder auch am Nachmittag gehen könnten.

Schulleiterin Eva-Maria Hunold von der St.-Elisabeth-Schule in Duderstadt sieht das ähnlich. Noch sind die begehrten Bilder an ihrer Schule nicht verboten. „Sollte es doch zu Problemen kommen, greifen wir natürlich ein“, stellt die Rektorin klar. Bereits bei der vergangenen Weltmeisterschaft habe es Probleme gegeben, wegen denen man das Mitbringen und Tauschen habe verbieten müssen. Die begehrten Bildchen seien sogar verkauft worden. Doch bisher sei alles ruhig.

Ähnlich handhabt das die Janusz-Korczak-Schule Göttingen. Das Mitbringen und Tauschen ist hier noch erlaubt, wenn auch bis auf Weiteres. „Wir entscheiden das von Fall zu Fall“, erklärt Schulleiterin Susan Hörschelmann. Die Tendenz gehe aber eher zum Verbot. Auch die Sammelalben, die jede Schule bekommen hatte, um sie an die Schüler auszuteilen, habe die Schule einbehalten, erklärt sie weiter.

Nicht jede Schule im Kreis verbietet allerdings die Sammelaktivitäten. Zahlreiche Schulen dulden das, „solange das Tauschen in den Pausen passiert und den Unterricht nicht stört“, sagt beispielsweise Christiane Thiery, Rektorin der Grundschule Bremke.

„Offener Umgang wäre eher angebracht“

Matthias Völcker ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Erziehungswissenschaften der Universität Göttingen. Im Interview mit dem Tageblatt spricht er über die Auswirkungen des Sticker-Sammelns auf Kinder und Verbote an Schulen.

Tageblatt: Wie förderlich oder vielleicht sogar schädlich sind Sammelbilder für die Entwicklung eines Kindes und warum?

Völcker : Ob das Sammeln von Sammelbildern förderlich oder schädlich ist, kann pauschal nur schwer beantwortet werden. Das Sammeln von Fussballkarten, wie auch das Sammeln anderer Fan-Gegenstände, kann für Kinder wie für Erwachsene aber durchaus eine erhebliche Faszination haben und entfalten. Sammeln und das Füllen entsprechender Hefte sind Ausdruck einer Fan-Begeisterung, die sich hier in einem sehr spezifischen Feld – dem Sammeln – und der Suche nach einem möglichst vollständigen Album niederschlagen. Solange das Tauschen und das Miteinander bestimmten Spielregeln folgen, die Kinder damit auch interagieren und ihrer Leidenschaft nachgehen, kann das Sammeln durchaus auch förderlich sein.

Sollten Grundschulen das Tauschen während der Schulzeit erlauben oder verbieten?

Das Tauschen von Sammelbildern würden Kinder und Jugendliche sicherlich bei einem entsprechenden Verbot auf andere Orte, außerhalb der Schulen, verlagern. Ich denke ein offener Umgang damit und das Diskutieren mit den Kindern darüber, was sie da eigentlich machen, wäre hier eher angebracht. Problematisch wird es dann, wenn die Kinder solche Sammelbilder nicht einfach mehr nur tauschen, sondern selbst hierfür Geld verlangen und zum Teil erhebliche Geldbeträge den Besitzer wechseln. Dann sollten Schulen, aber auch Eltern eingreifen.

Interview: Darline Kerl

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