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Schutz für Schillerfalter, Gartenrotschwanz & Co

Natur des Jahres 2011 Schutz für Schillerfalter, Gartenrotschwanz & Co

Der Naturschutzbund (Nabu) Deutschland machte vor 30 Jahren den Anfang. Es folgten andere Organisationen. Eine Auswahl der Jahrestiere und -pflanzen.

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Höhlentier des Jahres: Großes Mausohr.

Quelle: hfc/Bogon

Der Nabu kürte 1971 den Wanderfalken zum „Vogel des Jahres“, um auf die Gefährdung der Art und ihrer Lebensräume aufmerksam zu machen.

Nach und nach folgten andere Umwelt- und Naturschutzorganisationen dem Beispiel des Nabu und riefen ihrerseits Jahrestiere und -pflanzen aus. Seitdem gibt es alljährlich mehr als rund 25 Arten, denen jeweils über einen Zeitraum von zwölf Monaten besondere Aufmerksamkeit zuteil wird. Viele davon sind auch in der Region Südniedersachsen heimisch. Hier eine kleine Auswahl der Natur des Jahres 2011:

Vogel des Jahres
Der Gartenrotschwanz ist nach Erkenntnissen des Nabu selten geworden in Deutschland. Deshalb wurde er zum Vogel des Jahre 2011 gekürt. Der Singvogel mit dem lateinischen Namen Phoenicurus phoenicurus lebt in Europa, verbringt aber den Winter südlich der Sahara in Afrika. Als Höhlen- und Halbhöhlenbrüter ist er stark an alten Baumbestand gebunden und wohnt überwiegend in lichten und trockenen Laubwäldern. Ihn locken auch stark begrünte Villenviertel, Gartenstädte oder Dorfränder. Der Insektenfresser baut sein Nest ab Ende April in Baumhöhlen oder Mauerlöchern sowie Nistkästen und Schwalbennestern. Seit Beginn der 1980er Jahre sind seine Bestände rückläufig. Auch in Göttingen soll es nur noch 25 Brutpaare geben, die vor allem in Kleingartenkolonien am Stadtrand leben.

Flechte des Jahres
Die Gewöhnliche Feuerflechte (Fulgensia fulgens) wächst in Trockenrasen auf extrem nährstoffarmen und flachgründigen Böden über Kalk- und Gipsgestein. Die Art ist leicht erkennbar durch ihr rosettenförmiges, leuchtend gelbes Lager und die tellerförmigen, orangebraunen Fruchtkörper mit hellerem Rand. Zur Flechte des Jahres wurde sie von der Bryologisch-lichenologischen Arbeitsgemeinschaft für Mitteleuropa (BLAM) gewählt.

Schmetterling des Jahres
Der Große Schillerfalter (Apathura iris L.) ist aus Sicht des Bundes für Umwelt und Naturschutz (Bund) der Schmetterling des Jahres. Der große Falter gehört mit sieben Zentimetern Flügelspannweite bei den Weibchen zu den größten Schmetterlingen Europas. Sie leben in Mischwäldern, in denen die Saalweide vorkommt – die Futterpflanze der Raupen. Bei einem bestimmten Lichteinfall sind die Flügel des Männchens leuchtend blau. Die weiblichen Falter haben eine dunkelbraune Färbung. Beide Geschlechter kennzeichnen weiße Flecken auf den vorderen Flügeln sowie eine weiße Binde und ein kleiner Augenfleck auf den hinteren Flügeln. Im Sommer paaren sich die Schillerfalter in den Wipfeln hochstehender Buchen oder Eichen.

Blume des Jahres
Die Moorlilie (Narthecium ossifragum) ist bundesweit bedroht. Mit ihrer Wahl zur Blume des Jahres 2011 will die Loki-Schmidt-Stiftung nicht nur auf die selten gewordene Pflanze aufmerksam machen, sondern insbesondere ihren Lebensraum, das Moor, ins öffentliche Bewusstsein rücken. Moorlilie ist ein poetischer Name für die sonst auch Beinbrech genannte Pflanze, die eigentlich gar nicht zu den Liliengewächsen zählt, sondern zu den Germergewächsen.

Höhlentier des Jahres
Das Große Mausohr (Myotis myotis), vom Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher ausgerufenes Höhlentier des Jahres, hat im vergangenen Jahr in der Stadt Göttingen für Furore gesorgt. Die als „Kirchenfledermäuse“ bekannten Tiere lebten unter anderem in den sogenannten Treppchenhäusern am Maschmühlenweg und wurden vor deren Abriss umgesiedelt (Tageblatt berichtete). Das Große Mausohr ist mit gut 40 Zentimeter Flügelspannweite unsere größte heimische Fledermausart. Die Jagdgebiete des Großen Mausohres sind vorzugsweise alte Laubwaldbestände, in denen sie dicht über dem Erdboden nach flugunfähigen Laufkäfern jagen.

Insekt des Jahres
Zum Insekt des Jahres erklärte das gleichnamige Kuratorium die Große Kerbameise (Formica exsecta) – als seltenen Waldbewohner, der in riesigen Staaten mit mehreren hunderttausend Individuen lebt. Kopf und Hinterleib der Großen Kerbameise sind braun-schwarz gefärbt. Ihre Taille ist auffallend rot und besonders lang. Auf dem ersten, stielartigen Segment befindet sich eine aufrechte,  gekerbte Schuppe – deshalb ihr Name. Um die seltene Ameise macht sich in der Region Göttingen auch die Kreisgruppe Northeim der Deutschen Ameisenschutzwarte verdient. Die „Überlebensstrategien, der duftgelenkte Sozialstaat, ihre hoch entwickelte Fähigkeit der Kommunikation und Kooperation“ machten die besondere Stellung der Ameisen im Insektenreich aus, sagt Hans-Martin Wittmann, Vorsitzender der Ameisenschutzwarte. Der von ihnen bevorzugte Lebensraum ist der Magerrasen – ein gefährdeter Lebensraum.

Staude des Jahres: Fetthenne.

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Staude des Jahres
In fast jedem Garten rund um Göttingen wächst die Staude des Jahres – die Fetthenne (Sedum). Ihre Familienmitglieder gehören zu den Dickblattgewächsen. Sie können Wasser für Dürrezeiten in Trieben und Blättern speichern und sind auch an kargen Standorten zu Hause. Als Jahrespflanze ausgewählt wurde sie vom Bund Deutscher Staudengärtner. Es gibt viele verschiedene Sedum-Arten, die teils in Polstern, teils buschig oder borstig vor allem in Steingärten gedeihen. Die skurrilen Spätblüher sind beliebt bei vielen Insekten: In der Blütezeit werden die Pflanzen umschwärmt von Bienen, Hummeln und Schmetterlingen.

Spinne des Jahres
Gekürt von der Arachnologischen Gesellschaft ist die Gemeine Labyrinthspinne (Agelena labyrinthica, ohne Bild) eine von weltweit knapp 500 bekannten Trichterspinnen. Sie bewohnt sonnige trockene Orte mit niedriger Vegetation und lockerem Gebüsch, kommt an Wald- und Wegrändern sowie Trockenrasen vor. Sie bauen charakterische Netze zwischen Gräsern oder Sträuchern, die trichterförmig in eine offene Wohn- oder Fluchtröhre münden.

Pilz des Jahres
Der Rote Gitterling (Clathrus ruber), von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie zum Pilz des Jahres ernannt, ist ungenießbar. Mit seiner fleischroten Gitterkugel ist er an seinen bevorzugten Standorten auf Friedhöfen, in Gärten oder Parkanlagen, kaum zu übersehen. Er ist in jedem Bundesland zu Hause, ist aber sehr selten. Bislang wurden nur 90 Funde gemeldet.

Moos des Jahres
Das von der BLAM gekürte Tännchenmoos oder Tannenmoos (Thuidium abietinum) ist eine Art kalk- oder basenreicher Trocken- und Halbtrockenrasen. Wie andere Arten der Trocken- und Halbtrockenrasen ist es durch Lebensraumverluste seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts deutlich zurückgegangen. In der Roten Liste Deutschlands wird die Art auf der Vorwarnliste geführt, in den Roten Listen vor allem der nördlichen Bundesländer auch als „gefährdet“ oder „stark gefährdet“.

Fisch des Jahres
Die Äsche (Thymallus thymallus, ohne Bild), vom Verband Deutscher Sportfischer zum Fisch des Jahres deklariert, reagiert von allen einheimischen Fischen am empfindlichsten auf Wasserverschmutzungen. Mit seiner Wahl wollen die Sportfischer auf die Gefährdung der Fischbestände und Beseitigung der Ursachen dafür hingewiesen werden. Die Äsche schwimmt in kühlen, schnellfließenden Gewässern. Auch in einigen Abschnitten der Leine bei Göttingen kommt sie vor.

Wildtier des Jahres
Der Luchs (Lynx lynx), von der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild zum Wildtier des Jahres ernannte Großkatze, ist zurück in den südniedersächsischen Wäldern. Im Solling leben Luchse im Wildpark Neuhaus, im Harz werden die schönen Tiere ausgewildert. Im Landkreis Göttingen, unter anderem im Eichsfeld, wurde offenbar einer der Harz-Luchse auf Wanderschaft gesichtet. Beim Luchsprojekt Harz freut man sich über solche Nachrichten aus der Region. Gefährlich seien Begegnungen nicht: Die Katzen sind scheue Einzelgänger, die dem Menschen am liebsten aus dem Weg gehen.

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