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Schwangerenberatung: Vertrauliche Geburt in Göttingen

Neue Möglichkeit soll Zahl der Tötungen von Neugeborenen reduzieren Schwangerenberatung: Vertrauliche Geburt in Göttingen

Wenn Frauen ihr Baby nicht annehmen wollen, haben sie seit einem Jahr die Möglichkeit zur vertraulichen Geburt. Wie gehen die beteiligten Stellen in der Region damit um? Das war Thema eines Treffens, das Caritasverband und Pro Familia organisiert haben.

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Seit einem Jahr besteht die Möglichkeit zur vertraulichen Geburt.

Quelle: dpa

Göttingen. Im Mittelpunkt hätten Absprachen gestanden, um einen reibungslosen Ablauf im Falle einer vertraulichen Geburt zu ermöglichen, heißt es in einer Mitteilung. „Wir haben eine neue Aufgabe bekommen“, erklärt Gabriele Becker von der Schwangerenberatung der Caritas in Göttingen.

Das neue Gesetz sieht vor, dass Frauen in Notlagen Babys vertraulich zur Welt bringen können. In umfassenden Beratungsgesprächen würden mit den Frauen alle Möglichkeiten besprochen, ein Leben mit dem Kind führen zu können, versichert Becker. Entscheide sich eine Frau dann für eine vertrauliche Geburt, liege der Vorteil in eine durchgehenden medizinischen Begleitung. Im Gegensatz zur anonymen Geburt und zur Babyklappe werden die Frauen bei einer vertraulichen Geburt unter einem Pseudonym medizinisch versorgt. Außerdem werden sie durch eine Fachkraft für vertrauliche Geburt unterstützt und begleitet.

„Außer der Beraterin erfährt niemand den wirklichen Namen der Frau, alle beteiligten Institutionen kennen nur ihr Pseudonym“, erklärt Lisa Kastner von Pro Familia. Die Beraterin hält den Namen der Frau in einem Herkunftsnachweis fest, der in einem versiegelten Umschlag sicher verwahrt wird. So kann ein vertraulich geborenes Kind nach 16 Jahren seine Herkunft erfahren. Allerdings darf die Mutter der Herausgabe widersprechen. Dann entscheidet ein Familiengericht, ob die Identität der Mutter weiterhin aus wichtigem Grund vertraulich bleiben muss.

Nach einer vertraulichen Geburt wird das Baby zunächst bei Adoptivpflegeeltern untergebracht. Etwa ein Jahr lang, bis eine Adoption vollzogen wird, kann die Mutter sich entscheiden, ihr Kind selbst groß zu ziehen. Ziel des neuen Verfahrens ist es laut Mitteilung, die Zahl der nach der Geburt ausgesetzten oder getöteten Kinder zu verringern.

In Deutschland würden nach einer Studie des Deutschen Jugendinstituts jährlich etwa 20 bis 35 Kinder nach der Geburt ausgesetzt oder getötet. Verbindliche Zahlen fehlten, da von einer erheblichen Dunkelziffer ausgegangen werden müsse. Die vertrauliche Geburt solle zudem eine Alternative zu den Babyklappen bieten. Zwischen 1999 und 2010 seien nahezu 1000 Kinder anonym geboren, in eine Babyklappe gelegt oder anderweitig anonym übergeben worden. Mit der vertraulichen Geburt werde das Grundrecht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft berücksichtigt. Seit Mai 2014 hätten sich in Deutschland rund 90 Frauen für eine vertrauliche Geburt entschieden.

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