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100.000 Schwarzfahrer pro Jahr

Göttinger Verkehrsbetriebe 100.000 Schwarzfahrer pro Jahr

Wer im Stadtbus in Göttingen ohne gültigen Fahrschein erwischt wird, muss seit einem Jahr 60 statt 40 Euro bezahlen. Auf die Zahl der Schwarzfahrer hat das aber offenbar kaum Einfluss. Auch 2015 Jahr fuhren mehr als 100.000 Busnutzer ohne gültigen Fahrausweis.

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Seit einem Jahr kostet Schwarzfahren 60 statt 40 Euro. Auf die Zahl der Fahrgäste ohne Ticket hat das in Göttingen aber noch keinen Einfluss.

Quelle: Swen Pförtner

Göttingen. Diese Quote sei in den vergangenen Jahren relativ stabil, sagt Stephanie Gallinat-Mecke, Sprecherin der Göttinger Verkehrsbetriebe (GöVB). Für die GöVB bedeute dies einen wirtschaftlichen Schaden von rund 100.000 Euro pro Jahr. Daran habe auch das zum 1. August 2015 erhöhte sogenannte Beförderungsentgelt von 60 Euro nichts geändert. Gegen Schwarzfahrer gehen die GöVB mit Fahrausweiskontrollen vor. Es werde fast täglich kontrolliert, und zwar immer in Zweierteams, sagt Gallinat-Mecke. Außerdem sei 2006 der Vorn-Einstieg in den Bussen eingeführt worden. Dadurch habe sich die damalige Schwarzfahrerquote fast halbiert.

„Die Kontrollen führen bei den Fahrgästen in der Regel zu keinerlei Problemen“, sagt Gallinat-Mecke. Wird dabei jemand ohne gültigen Fahrschein angetroffen, muss er das erhöhte Beförderungsentgelt von 60 Euro bezahlen. Anzeigen erfolgen bei Wiederholungstätern und bei gefälschten Fahrscheinen. Typische Ausreden von Fahrgästen, die von den Kontrolleuren ohne gültigen Fahrausweis angetroffen werden, gibt es Gallinat-Mecke zufolge nicht. Einige Fahrgäste beziehungsweise Abonnenten würden allerdings zum Monatswechsel schon mal vergessen, die neue Karte mitzunehmen.

„Die Erhöhung der Buße von 40 auf 60 Euro beurteilen wir eher kritisch“, sagt Gerd Aschoff, Sprecher des niedersächsischen Landesverbandes Pro Bahn. „Der Verband der Verkehrsunternehmen VDV wollte die Erhöhung unbedingt, Bundesverkehrsminister Dobrindt hat dazu die entsprechende Verordnung erlassen. Insofern sind die Fakten geschaffen.“ Es dürfe aber nicht der Eindruck entstehen, „dass das Verkehrsunternehmen nur abkassieren will - zum Beispiel bei ‚Graufahrern‘, die den komplizierten Tarif nicht verstanden haben“. In solchen Fällen sollte man auch mal kulant sein.

Ohnehin gebe es auch im Göttinger Stadtbusverkehr den Vorn-Einstieg. „Da kann jeder den Fahrer fragen“, betont Aschoff. „Wir haben uns deshalb im Interesse der ordentlich zahlenden Fahrgäste dafür ausgesprochen, diese Einstiegsregel beizubehalten, auch wenn es daran ab und an mal Kritik gibt.“ So werde im Übrigen auch klargestellt, dass derjenige, der sich ohne gültigen Fahrschein am Fahrer vorbeimogelt, „kein versehentlicher Schwarzfahrer ist“. Denn, so Aschoff: „Vorsätzliches Schwarzfahren gehört konsequent bestraft.“

Schwarzfahrer-Hochburgen

Ohne gültigen Fahrschein erwischt zu werden, ist teuer: 60 Euro kostet die Beförderungserschleichung mittlerweile, doch dies scheint Schwarzfahrer in Deutschland nicht zu beeindrucken. Ganz im Gegenteil: Vor allem die Städte Essen, Freiburg im Breisgau, Hannover und Mannheim zählen zu den „Schwarzfahrerhochburgen“ Deutschlands 2015, wie das Internetportal preisvergleich.de ermittelt hat. Die Göttinger gehören den Angaben nach übrigens zu den ehrlicheren Fahrgästen. Kassel landet im Mittelfeld des Schwarzfahrer-Rankings.

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