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Schwere Vorwürfe gegen Ermittler

Nach Mord an israelischer Medizinstudentin Schwere Vorwürfe gegen Ermittler

Die Eltern der im Dezember 2011 in Göttingen ermordeten israelischen Medizinstudentin Oshrit Hamza erheben schwere Vorwürfe gegen deutsche Behörden. Die Polizei habe den Täter entkommen lassen, und Ermittler hätten nichts unternommen, um den Aufenthalt des gesuchten Farhan Albakkari zu ermitteln.

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Der Tatort im Studentenwohnheim am Christophorusweg, von der Polizei versiegelt.

Quelle: Peter Heller

Göttingen. Derzeit besuchen Miryam und Mohamad Hamza Göttingen, um mehr über das Umfeld der Tat und die Vorgeschichte zu erfahren. Sie befragten ehemalige Freunde und Bekannte ihrer Tochter, Vertreter der Universität und Journalisten, die damals über die Mordtat und die Fahndung nach dem mutmaßlichen Täter berichtet hatten. Der gewaltsame Tod von Oshrit lasse ihm und seiner Ehefrau bis heute keine Ruhe, erklärt Mohamad Hamza, der im Gegensatz zu den Ermittlern auch politische oder religiöse Motive der Mordtat nicht ausschließen will. Die Eltern glauben, dass die jesidische Religionszugehörigkeit Albakkaris bei dem Mord eine Rolle gespielt haben könnte. Das könne ein Grund für tiefen Hass gegen seine Tochter gewesen sein. Den Besuch in Göttingen mit der Suche nach weiteren Informationen „sind wir unserer Tochter schuldig“, meint der Vater. Sie als Eltern würden nicht aufgeben, bis der Täter gefasst sei.

Begleitet werden die Hamzas von einem Fernsehteam des israelischen Senders Keshet International. Der Sender bereitet eine halbstündige Dokumentation über den Mordfall Oshrit Hamza und die Spurensuche ihrer Eltern in Göttingen vor. Ein Versuch, die Göttinger Polizei zu den damaligen Vorgängen zu befragen, sei fehlgeschlagen, berichtet Keshet-Produzent Yael Shany. Allerdings gelang es Oshrits Eltern, den Niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) bei seinem Besuch in Göttingen am Dienstag zu sprechen und um Hilfe zu bitten. Sie hoffen nun, dass Weil ihnen über den Kontakt zu Landes- und Bundeskriminalamt weitere Informationen zu dem Mordfall liefern kann.

Die Vorwürfe des Ehepaars, Polizei und Staatsanwaltschaft hätten nichts getan oder sogar die Flucht des Beschuldigten erst ermöglicht, seien „absurd“, erklärt Andreas Buick, Sprecher der Göttinger Staatsanwaltschaft. Seit dem Bekanntwerden der Tat fahnde die Staatsanwaltschaft „international nach dem Beschuldigten und steht in diesem Zusammenhang auch im Kontakt mit anderen Staaten“. Zudem gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass die Religion des Beschuldigten eine Rolle gespielt habe. Es liege „in der Natur der Sache“, dass der Stand der Fahndungsmaßnahmen nicht öffentlich gemacht werden könne. Das bedeute jedoch nicht, dass die Staatsanwaltschaft in dieser Angelegenheit untätig sei.

Nach wie vor wird der tatverdächtige Farhan Albakkari, ein heute 29-jähriger Syrer, mit internationalem Haftbefehl von Interpol gesucht. Er soll die damals 26-jährige Oshrit Hamza am 18. Dezember 2011 getötet haben, weil sie ihre Liebesbeziehung zu ihm beendet hatte. Zuvor hatte er zudem erfahren, dass die junge Frau eine Verbindung mit einem anderen Mann eingegangen war. Nach Erkenntnis der Ermittler war Albakkari kurze Zeit nach der Tat nach Berlin gefahren und von dort aus in die Türkei geflogen. Bis dahin täuschte er Bekannte der Toten, weil er mit ihrem Mobiltelefon angebliche Lebenszeichen verbreitete. Später verlor sich seine Spur im türkisch-syrischen Grenzgebiet, wo schon damals wegen des Bürgerkriegs in Syrien Chaos herrschte.

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