Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -8 ° wolkig

Navigation:
"Schwerstmögliche Strafe" oder Freispruch?

Staatsanwalt hält Chinesin für schuldig des Mordes "Schwerstmögliche Strafe" oder Freispruch?

Die Strafanträge könnten nicht weiter auseinander liegen: Höchststrafe, also Lebenslänglich, fordert die Staatsanwaltschaft. Freispruch, weil die Indizienkette nicht hält, verlangt der Verteidiger. Die Plädoyers gegen die 28-jährige chinesische Studentin, die eine Nebenbuhlerin erstochen haben soll, waren spannend.

Voriger Artikel
Kirmeswochenende der Freiwilligen Feuerwehr
Nächster Artikel
Bodo-Wartke-Abend bei den Domfestspielen

Die Staatsanwaltschaft fordert lebenslänglich.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Schon am Freitag soll das Urteil ergehen.

Dass es keine Beweise, sondern lediglich Indizien sind, die die Angeklagte überführten, räumte auch der Staatsanwalt im Landgericht bei seinem Plädoyer ein. Es sei aber eine solche Vielzahl, dass das Gesamtbild klar sei. Zudem erfülle die Tat am 28. Oktober 2015 in einem Studentenapartment in der Annastraße in doppelter Hinsicht das Merkmal eines Mordes. Sie sei aus Heimtücke geschehen, weil das Opfer nicht habe damit rechnen müssen, dass die Angeklagte zur Aussprache in ihre Wohnung ein Messer mitbringen würde. Die Tat aus Eifersucht erfülle zudem den Tatbestand niederer Beweggründe. Deshalb wurde die einzig mögliche Strafe beantragt: lebenslängliche Haft.

Anwalt Dietrich Homann, der die Eltern des Opfers vertritt, bat in deren Namen gar um die "schwerstmögliche Strafe". Das Gericht solle also auf die besondere Schwere der Schuld erkennen. Homann untermauerte die vom Staatsanwalt vorgetragenen Indizien und verwies darauf, wie sehr die Eltern darunter litten, ihr einziges Kind verloren zu haben - das vor dem Hintergrund der Ein-Kind-Politik in China. Sie hätten die 22-Jährige nach Göttingen zum Studieren geschickt, weil Deutschland als sicher gelte.

Verteidiger Jürgen Ahrens aber nahm sich aus der angeblichen Vielzahl der Indizien etliche vor und versuchte, sie zu widerlegen. Zum Beispiel die Regenjacke, die die Angeklagte bei ihrem Opfer gestohlen haben soll, um darunter ihre blutbefleckte Kleidung zu verbergen, als sie mit einem Taxi vom Tatort in eine Autowerkstatt fuhr. Der Taxifahrer habe eine solche Jacke nicht bestätigt. Es gebe nur eine vage Aussage, dass das Opfer eine solche Jacke mal besessen habe. Der Taxifahrer habe im Gegenteil berichtet, wie die junge Chinesin ihm geholfen habe, eine Uhr, für die er nur eine chinesische Anleitung hatte, einzustellen. Diese Frau solle gerade jemanden ermordet haben?

Widerlegt sei auch die Behauptung des einzigen Belastungszeugen, des Ex-Lebensgefährten der Angeklagten, er habe am Tattag mittags die 28-Jährige im Schlafanzug angetroffen. Eine Zeugin will sie zur selben Zeit in normaler Kleidung im Haus gesehen haben. Überhaupt seien es einzig die sich mehrfach widersprechenden Angaben des jungen Mannes, um den Angeklagte und Opfer kämpften, die die 28-Jährige belasteten. Anfangs habe er zu ihren Gunsten gelogen. Er habe sie erst belastet, als er selbst im Verdacht stand. Später bei Gericht habe er sie durch Hinweise auf ihren Suizidversuch wieder zu entlasten versucht. Eine Polizistin als Zeugin habe es sogar für möglich gehalten, dass die Angeklagte in Wahrheit den Ex-Lebensgefährten decke. Die Beamtin hatte eine Bemerkung der damals Verdächtigen zur Akte gegeben: "Ich habe es nicht getan. Ich wollte nur wissen, ob es besser ist, wenn ich es zugebe." Die Beamtin dazu: "Ich hatte das Gefühl, sie würde alles dafür tun, dass er (der Freund) nicht festgenommen wird."

Trugspur gelegt

Eine offensichtliche Trugspur, also eine bewusst gelegte falsche Spur, beschäftigt das Gericht im Chinessinen-Mordfall. Auf einer der großen Blutlachen am Tatort war eine Zigarettenkippe mit unbekannter männlicher DNA gefunden worden. Im Umfeld von Opfer und Angeklagter raucht aber niemand. Die Polizei schloss, hier habe jemand - die Angeklagte - eine falsche Spur gelegt, um die Tat als Raubmord aussehen zu lassen.

Die Verteidigung jedoch weist auf weitere Spuren, die als starke Indizien für die Täterschaft gelten, die aber auch zweifelhaft seien: Fingerpur auf der Packung des verschwundenen mutmaßlichen Tatmessers, Internet-Recherche auf dem Handy der Angeklagten nach "how to rent a killer?". Was, wenn dies auch Trugspuren sind, mit denen der wahre Täter Verdacht auf das Opfer lenkt?     

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Das Tanz-Team des TSC-Schwarz-Gold Göttingen