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„Schwerwiegender Verstoß“

Raubserie „Schwerwiegender Verstoß“

Weil das Göttinger Landgericht in einer ersten Verhandlung im März 2015 schwere Fehler begangen hat, steht ein 25-jähriger Mann seit Mittwoch erneut vor einem Göttinger Richter. Dem Mann wird eine Serie von Raubtaten vorgeworfen.

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Das Landgericht Göttingen muss nach einer BGH-Rüge erneut verhandeln.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. In der ersten Runde war der 25-Jährige zu zwei Jahren und sieben Monaten Haft verurteilt worden. Das Urteil kam nach einem Gespräch zwischen Staatsanwaltschaft, Gericht und Verteidigung zustande, in dem sich die Beteiligten auf ein solches Strafmaß für den Fall einigten, dass der Angeklagte ein Geständnis ablegt – ein sogenannter Deal, der dann auch umgesetzt wurde.

Dennoch legte der Verurteilte Revision gegen das dann gesprochene Urteil ein: Er habe vom Inhalt des Gesprächs praktisch nichts erfahren und deshalb weder gewusst, welche Strafe er nach einem Geständnis zu erwarten habe. Außerdem sei der gesamte Deal weder öffentlich gemacht noch protokolliert worden.

Die Revision nahm ihren Weg bis zum Bundesgerichtshof (BGH). Der entschied, das Göttinger Landgericht habe es entgegen eindeutiger Vorschriften unterlassen, den wesentlichen Inhalt nicht öffentlicher Verständigungsgespräche in der Hauptverhandlung mitzuteilen und in das Protokoll aufzunehmen – laut BGH ein „schwerwiegender Verstoß“.

Die Folge: Der 25-Jährige steht nun erneut vor dem Landgericht – allerdings nach einem entsprechenden Beschluss des BGH vor einer anderen Kammer. Dort wurde am Mittwoch die ursprüngliche Anklage verlesen. Danach hat er sich in der ersten Jahreshälfte 2014 mehrfach des schweren Raubes, gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und Freiheitsberaubung schuldig gemacht. Dem aus dem Kosovo stammenden 25-Jährigen wird vorgeworfen, mit einem oder zwei Kumpanen bandenmäßig junge Leute überfallen und ihnen mit Gewalt Geld und Wertsachen abgenommen zu haben. Außerdem soll er mit Drohungen versucht haben, Opfer zu bewegen, ihre Anzeige zurückzuziehen.

Zu den Vorwürfen schwieg der Angeklagte, der zurzeit bei einem Sicherheitsdienst, der auch für die Universität arbeitet, unter Vertrag steht. In der Verhandlung am Mittwochvormittag erlitt zudem eines der als Zeugen geladenen Opfer eine Teilamnesie: Im Gegensatz zu den sehr detaillierten Schilderungen in der Vernehmung durch die Polizei nach der Tat blieben die Erinnerungen des Jugendlichen merkwürdig blass.

Dass das persönliche Umfeld des Angeklagten einer öffentlichen Erörterung der Vorwürfe eher reserviert gegenübersteht, blieb auch dem anwesenden Tageblatt-Berichterstatter nicht verborgen. Ihm wurde aus der Reihen der Zuhörer eindeutig klargemacht, dass eine Berichterstattung über die Gerichtsverhandlung nicht erwünscht sei.

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