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Schwimmen in der Leine

Göttingen / Badetag Schwimmen in der Leine

Die einen gingen eher zögerlich ins reichlich kühle Wasser, die anderen mit einer gewissen Entschlossenheit. Beim sechsten Leine-Badetag erfrischten sich mehr als 50 kleine und erwachsene Badegäste. Zahlreiche Schaulustige schauten vom Ufer zu

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Quelle: Heller

Göttingen. Ein lautes Platschen ist zu hören. Und alle Köpfe drehen sich neugierig zur Leine hin. Hat da etwa jemand das Anbaden vorgezogen? Lachend stellen die frühen Badetagbesucher fest, dass gerade ein großer Hund dabei ist, einen riesigen Holzstock aus dem Wasser zu holen.

Kurz darauf brandet wieder Lachen auf. Ein Mädchen mit einem Kescher in der Hand ist im Uferschlamm ausgerutscht und findet das Malheur offensichtlich gar nicht lustig.

Die Stimmung ist entspannt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat den sechsten Leine-Badetag am Westufer zwischen der Brücke am Schiefer Weg und der Eisenbahnbrücke organisiert. Aktionen für Kinder und Erwachsene rund um das Thema Wasser stehen auf dem Programm, unter anderem Führungen in den renaturierten Bereich der Leine.

Anliegen des Badetages, der alle zwei Jahre stattfindet, ist es, neben dem Badespaß auch auf renaturierungsbedürftige Abschnitte der Leine und anderer Fließgewässer in und um Göttingen aufmerksam machen.

Am schlammigen und reichlich müffelnden Ufer wird mit Keschern und Sieben nach Fischen und Kleinstlebewesen gesucht. Einige lebendige Funde wandern schließlich in Bechergläser mit Vergrößerungsgläsern zur eingehenden kurzen Betrachtung.

Leine-Badetag zwischen Schiefer Weg und Eisenbahnbrücke / Aktion des Bundes für Umwelt und Naturschutz

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Vor allem kleine Besucher interessieren sich für die Fauna der Leine, darunter winzige Bachflohkrebse und kleine Fische wie etwa die Groppe. So bleibt auch der Kinder-Maltisch beim Badetag verwaist. „Alles was krabbelt, ist natürlich spannender“, weiß BUND-Kreisgruppenkoordinatorin Ricarda Prüßner.

Zu entdecken gibt es in der Leine einiges. Vor allem im renaturierten Abschnitt zwischen ICE-Strecke und Godehardstraße ist die Wasserqualität inzwischen so gut, dass sich hier wieder zahlreiche Tiere, Pflanzen und Kleinstlebewesen wohlfühlen.

Das hat sich auch beim diesjährigen Geo-Tag des BUND in Göttingen und der Biologischen Schutzgemeinschaft Göttingen (BSG) gezeigt: Innerhalb von nur 1,5 Stunden konnten Naturfreunde und Experten 116 Pflanzen- und Tierarten nachweisen.

Einen Überblick wie es um die Renaturierung in verschiedenen Leine-Abschnitten aussieht, gibt Ralph Mederake, Vorstand der BUND-Kreisgruppe. Ehedem habe der Hochwasserschutz an erster Stelle gestanden und weniger der Gedanke, der kanalisierten Leine im Stadtgebiet nach und nach ein natürliches Bett zu geben.

So habe man einen Planfeststellungsbeschluss zum Hochwasserschutz und damit das Ausbaggern eines Flussabschnittes im Jahr 2000 verhindern können. Trotz des Erfolges fordere der BUND, dass die Renaturierung weitergehe. Im Blick sind dabei zwei Abschnitte, einer bis Höhe Hagenweg, ein weiterer zwischen Sandweg und Rosdorfer Weg.

Im Jahr 2000 habe ihre Fraktion im Kreistag einen Antrag auf naturnahe Entwicklung der Leine und Weende gestellt, berichtet Marianne Tönsmann-Rätzke, SPD-Mitglied im Ortsrat Weende und ehedem Kreistagsmitglied. „Erfreulich, dass die Leine erlebbar geworden ist.“

Dann ist Anbaden im etwa hüfthohen Wasser angesagt. Planschen, im Fluss stehen, sich in der Strömung treiben lassen oder dagegen anschwimmen. Drei DLRGler achten darauf, dass nichts passiert.

„Es ist kalt, buhhh“, ruft ein Mädchen aus dem Wasser. Auch Ulrike Oerter, die „um die Ecke“ wohnt, geht mit Sohn Paul baden. Die Vermüllung der Leine falle immer wieder auf, konstatiert sie. Und „eine neue Erfahrung“ beim Flussbaden macht auch Esther Lauer. „Es ist schade, dass die Leine keine Rolle im Stadtleben spielt“, bedauert die Göttingerin.

Von Karola Hoffmann

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