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Schwimmkurs gegen Mitarbeit für Flüchtlinge in Göttingen-Weende

Vereinbarung getroffen Schwimmkurs gegen Mitarbeit für Flüchtlinge in Göttingen-Weende

Der Förderverein Freibad Weende hat mit sechs jungen Männern aus Eritrea eine Vereinbarung getroffen. Die Flüchtlinge bekommen Schwimmunterricht und helfen im Gegenzug bei Arbeiten im Freibad mit. Einer von ihnen ist Biniam Maekele.

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Gabi Zander mit Biniam Maekele im Schwimmerbecken des Weender Freibades.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. „Wir wollen sie ins Sozialleben integrieren“, sagt der Vereinsvorsitzende Eberhard Gramsch zu der Vereinbarung mit den sechs jungen Männern, die zusammen in der Hennebergstraße wohnten. Maekele ist zwischenzeitlich umgezogen. Peter Rosenthal, ebenfalls Mitglied im Förderverein, hat dem 22-Jährigen eine Wohnung angeboten – ein Stückchen neuen Heimat für den jungen Mann. Maekele hat seine Familie – Mutter, Vater und sieben Geschwister in Eritrea zurückgelassen, machte sich auf die Reise in eine erhoffte sichere Zukunft.

Zunächst sei er zu Fuß in Richtung Sudan gelaufen, dort habe er jemanden gesucht, der ihn mit dem Auto nach Libyen bringt. 1750 Dollar habe er dafür bezahlt. „Das war gefährlich“, sagt Maekele. Es ging „quer durch die Wüste, und wir hatten kaum Wasser“. Die selbe Summe habe er nocheinmal für die Überfahrt in einem kleinen Boot nach Italien bezahlt. 280 Leute seien an Bord gewesen. Nach 13 Stunden auf See und „viel Angst“ habe sie die italienische Küstenwache aufgenommen.

In Libyen hatte sich der junge Mann drei Monate lang aufgehalten. Eine schlimme Zeit, so hört man aus seinen Erzählungen heraus. Die Flüchtlinge seien geschlagen und mit Waffen bedroht worden. „Wir hatten auch nicht genug zu Essen, es gab nur Nudeln“, sagt er.  Von Oktober bis Dezember 2014 war der 22-Jährige im Lager Friedland, danach kam er nach Weende.

Erste Sprachkenntnisse lernte der junge Eritreer bei einem einwöchigen Kurs in Friedland. Inzwischen spricht er sehr gut Deutsch. Dazu trugen nicht nur der Unterricht im Haus der Kulturen und „deutsche Filme“ bei, sondern auch der Kontakt zu den Mitgliedern des Freibadfördervereins.

Gabi Zander ist eine von ihnen. Sie hat Maekele und den fünf anderen Flüchtlingen aus Eritrea Schwimmunterricht gegeben. Maekele sei dabei „sehr ehrgeizig“ gewesen, sagt sie. Dass die Gruppe als Gegenleistung für eine Freibadjahreskarte und den Schwimmkurs beim Saubermachen im Freibad mit anpackt, stört Maekele nicht. „Immer nur schlafen ist langweilig“, sagt er. „Hier trifft man Freunde und es ist eine Übung beim Sprechen“. Maekeles Arm- und Beintechnik seien noch nicht perfekt, und auch das Heruntertauchen koste ihn Überwindung, sagt Zander. Dennoch: er habe sich ans Wasser gewöhnt. Die Flüchtlinge hätten anfangs Angst gehabt, so Zander über ihre Schützlinge.

Die Idee, Flüchtlingen Schwimmunterricht zu geben, habe der Vorstand gehabt, nachdem am Rosdorfer Kiessee ein Flüchtling ertrunken sei. Vier von sechs Kursteilnehmern in Weende, darunter auch Maekele, haben nun ein Abzeichen. Zander hofft, „dass wir für den Winter eine Schwimmhalle bekommen“, um auch weiterhin Kurse für Flüchtlinge anbieten zu können.

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