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Sechs Göttinger Projekte mit Leuchtturm-Charakter

Thema des Tages Sechs Göttinger Projekte mit Leuchtturm-Charakter

100 Millionen Euro sollen  über das Südniedersachsenprogramm in die Region fließen. Sechs große Projekte stehen dabei im Fokus. „Leuchttürme“, wie Göttingens Landrat Bernhard Reuter sagt. Es geht um schnelles Internet, Ausbildung und
Mobilität. Aber wie weit sind die Leuchtturm-Projekte gediehen? Ein Rundumblick.

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Quelle: EF

Göttingen. Musik, markige Worte, Medienrummel: Mit großem Eifer hat Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) Anfang Februar den offiziellen Startschuss für das Südniedersachsenprogramm gegeben. Bis zu 100 Millionen Euro sollen darüber bis 2020 in die Landkreise Göttingen, Northeim, Osterode, Holzminden, Goslar und in die Stadt Göttingen fließen. Die Hälfte davon als EU-Fördermittel, die andere muss aus kommunalen Kassen gegenfinanziert werden. Jetzt sollen den großen Worten Taten folgen – und zwar von den Entscheidern vor Ort. Klar ist: Es wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Im Fokus stehen große, kreisübergreifende, millionenschwere Projekte, oder wie der Göttinger Landrat Bernhard Reuter (SPD) sagt: „Leuchttürme“. Daran werde fieberhaft gearbeitet. Sechs dieser Leuchturm-Projekte sind nach Angaben von Reuter derzeit im Gespräch – und beim Gespräch soll es natürlich nicht bleiben.

  • Breitband : Ganz oben auf der Liste steht das Thema schnelles Internet. Im März soll es dazu einen Workshop geben, bei dem auch die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie der Landkreise vorgestellt werden. Das Ziel: So viele Haushalte wie möglich mit schnellem Internet versorgen. „Das bedeutet aber nicht, dass jedes Einzelgehöft angeschlossen wird, das ist unbezahlbar“, sagt Reuter. Eher gehe es um eine Abdeckung von 90 bis 95 Prozent der Haushalte. Dazu gibt es derzeit zwei Ideen: Entweder, die Landkreise bauen ein eigenes Netz auf und verpachten es. „Dafür müsste man sehr viel Geld in die Hand nehmen. Da stellt sich die Frage, ob sich das rechnet“, sagt Reuter. Die andere Möglichkeit: Den Netzausbau an ein Unternehmen wie Telekom oder Kabel Deutschland vergeben. Der Vorteil: geringere Kosten. Außerdem hätten die fünf Landkreise mit ihren etwa 500 000 Einwohnern ein hohes Gewicht, sagte Reuter. Das könne bei den Verhandlungen von Vorteil sein. Südniedersachsen soll gar als Modellregion für schnelles Internet etabliert werden. Darüber, welchen Weg man dabei gehen will, Ausbau oder Auschreibung, soll noch dieses Jahr entschieden werden.
  • Gesundheitscampus : In einem gemeinsamen Projekt planen Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim / Holzminden / Göttingen (HAWK) ein Ausbildungszentrum für medizinische Berufe. werden und Studiengänge beispielsweise im Bereich Pflege, Physiotherapie und Logopädie beinhalten. Es gebe einfach zu wenig Fachkräfte in der Region, vor allem in der Pflege, erklärt Reuter. Ein relativ detailliertes Konzept gibt es schon. Im März soll es bereits Gespräche zwischen UMG, HAWK, Projektbüro Südniedersachsen sowie Stadt und Landkreis Göttingen geben. „Dort wollen wir verabreden, in welche Richtung es gehen soll“, erklärt Reuter. Dann könne das Land schon dieses Jahr über eine Förderung entscheiden. Diese speise sich nicht nur aus dem Südniedersachsenprogramm, sondern müsse teilweise auch vom Wissenschaftsministerium kommen. Im Wintersemester 2016/2017 soll „das bundesweit einmalige Projekt“ (Weil) an den Start gehen. Könnte dieses Jahr schon bewilligt werden.
  • Innovationscampus : Ein Projekt, das die Südniedersachsenstiftung gemeinsam mit Hochschulen, anderen Organisationen und Partnern aus der regionalen Wirtschaft vorantreibt. „Eine Machbarkeitsstudie liegt bereits vor“, sagt Reuter. Im März soll es dazu weitere Gespräche geben. Die zentrale Frage dabei: „Wie kann man aus Forschung und Wissenschaft heraus starke Impulse in die regionale Wirtschaft senden?“ Ziel seien Unternehmensgründungen aus den Hochschulen heraus und Technologieberatung für kleine und mittlere Unternehmen. Kurzum: Mit dem Innovationscampus gebe es „eine riesige Chance, ein Silicon Valley light a la Niedersachsen zu erzeugen“. So jedenfalls hatte es Ottobock-Chef Hans Georg Näder kürzlich beschrieben. Könnte dieses Jahr schon bewilligt werden
  • Dorf-Moderatoren : Eine Idee aus dem Landkreis Göttingen, die bereits in Hemeln und Güntersen in die Tat umgesetzt wurde. Dorf-Moderatoren sind nach Angaben von Reuter „Kümmerer“ in den kleinen Orten, insbesondere dort, wo der demografische Wandel die größten Probleme bereitet. Ziel ist es, dass das Dorf lebenswert bleibt, dass junge Familien ihm nicht den Rücken zukehren, sondern besser noch angelockt werden.  Die „Kümmerer“ seien ehrenamtlich tätig und stellten keine Konkurrenz zu den Ortsbürgermeistern dar, betont Reuter. Sie könnten in jedem Dorf im neuen Landkreis Göttingen zum Einsatz kommen. „Das zuständige Landwirtschaftsministerium ist von dem Projekt überzeugt“, sagt Reuter. So sehr, dass es dieses aufs ganze Land ausdehnen wolle.
  • Mobilität im ländlichen Raum : Ziel ist das schnelle Erreichen des Oberzentrums Göttingen und anderer großer Orte auch ohne Auto. „Das ist extrem anspruchsvoll und kostet sehr viel Geld“, sagt Reuter. Busse dürften also nicht leer durch die Gegend fahren. Den öffentlichen Personennahverkehr müsse man mit der Elektromobilität verbinden. So könnten beispielsweise Buslinien verkürzt und an Bushaltestellen Aufladestationen für E-Bikes installiert werden. Auch Anrufsammeltaxis sind im Gespräch. „Wir müssen uns von der Illusion verabschieden, dass es in Zukunft noch viele Arbeitsplätze in den Dörfern gibt. Also müssen die Arbeitsplätze in den Städten gut erreichbar sein.“ Denn das Wohnen auf dem Land sei sehr attraktiv.
  • Sekundärrohstoffzentrum : Das „Sekundärrohstoffzentrum zum Recycling von Metallen seltener Erden“ im Harz könnte zu einem Projekt von europäischer Strahlkraft werden. Vier Partner aus dem Harz (Recyclex GmbH, H. C. Starck GmbH, TU Clausthal und CUTEC Institut GmbH) sind am größten Ressourcennetzwerks Europas beteiligt. Über das Sekundärrohstoffzentrum sollen neue Verfahren und Produkte für das Recycling und den Ersatz von Rohstoffen wie seltenen Erden und Erzen entwickelt werden. 350 neue industrielle Arbeitsplätze sollen entstehen. Könnte dieses Jahr schon bewilligt werden.
50 Ideen in der Schaltzentrale

Kommunen, Hochschulen, Unternehmen, Tourismusverbände: Mehr als 50 Projektideen sind mittlerweile beim Projektbüro Südniedersachsen eingegangen. Das erklärt die Leiterin des Büros in Göttingen, Ulrike Witt. Der öffentlichkeitswirksame Startschuss von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) für das Südniedersachsenprogramm habe seinen Teil dazu beigetragen. Allerdings passten einige der eingereichten Ideen nicht zum Programm. Da gebe es noch Erklärungsbedarf.

Das wurde in dieser Woche auch bei einer Informationsveranstaltung der Europa-Union in Göttingen mit Witt deutlich. In Bovenden gebe es ein Projekt zu Bürgerbussen. „Wäre das was, oder wäre das zu klein für Sie?“, wollte der Vorsitzende des Kreisverbandes Göttingen, Harm Adam, wissen. Es gehe eher um Projekte, die die Region insgesamt voranbringen sollen, sagte Witt. Einzelne Kommunen müssten sich eher um andere Fördermöglichkeiten bemühen. Wilhelm Gerhardy gab zu bedenken, dass die EU-Fördermittel in Höhe von 50 Millionen Euro nicht eben viel seien für fünf Landkreise und die Stadt Göttingen. „Wir wehren uns gegen die Gleichung Aufteilung nach Landkreis“, sagte Witt. Aber die Frage, ob das Geld ausreiche, sei natürlich berechtigt. Es sei eben das, „was derzeit möglich ist“.

Wie viele Projekte insgesamt mit der Fördersumme möglich wären, das komme ganz auf das Volumen der einzelnen Vorhaben an, sagt Witt. Es gebe aber bereits sechs große Leitprojekte. Am weitesten sei man bei Gesundheitscampus, Innovationscampus und Sekundärrohstoffzentrum. Anträge für diese drei könnten wahrscheinlich schon in diesem Jahr gestellt und möglicherweise auch bewilligt werden.

Als „regionale Entwicklungsagentur“ dient das Projektbüro Südniedersachsen als Dienstleister für die Region, also allen, die sich am Programm beteiligen wollen. Es soll beraten, Projekte anbahnen und Anträge zu einem positiven Ende führen. Es ist also die Schaltzentrale des Südniedersachsenprogramms.

Kontakt zum Projektbüro, Danziger Straße 40: 05 51 /5 07 41 13.

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