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Seelsorge-Notdienst für Gefangene der JVA Rosdorf

Untersuchungs- und Abschiebehäftlinge besonders gefährdet Seelsorge-Notdienst für Gefangene der JVA Rosdorf

Den zweiten Selbstmordfall in der JVA Rosdorf innerhalb von drei Wochen sollte Anlass sein, gerade für Insassen in Untersuchungs- und Auslieferungshaft einen speziellen seelsorgerischen Dienst einzurichten. Das sagt Thomas Harms, ehemaliger Gefängnisseelsorger in Rosdorf.

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Quelle: Naupold/dpa (Symbolfoto)

Göttingen. Gerade dort säßen Menschen ein, welche die Haft als „völlig wesensfremd“ erlebten. Bei einer solchen akuten Krise sei eine Auffangmöglichkeit besonders wichtig. Harms verweist auf ein entsprechendes Projekt der Wissenschaftlerin und ehemaligen Hochsicherheitsgefängnis-Direktorin Katharina Bennefeld-Kersten.

Danach steht Gefangenen nachts eine Telefonseelsorge zur Verfügung. Weil die Seelsorger im Gegensatz zum Justizvollzugs-Personal zu voller Verschwiegenheit verpflichtet sind, seien offenere und tiefergehende Gespräche möglich. Auch kurze Gespräche könnten dazu dienen, das Isolationsgefühl des Gefangenen in seiner Zelle aufzubrechen.

Mit den beiden Rosdorfer Fällen habe es in diesem Jahr in niedersächsischen Gefängnissen bislang vier Selbstmorde von Häftlingen gegeben, sagt Alexander Wiemerslage, Sprecher des niedersächsischen Justizministeriums. 2014 waren es zwei, 2013 fünf, 2012 ebenfalls fünf, 2011 sieben und 2010 sechs Fälle.

Suizide von Gefangenen seien in der Vergangenheit in einem Forschungs- und Präventionsprogrammes vom niedersächsischen Kriminologischen Dienst untersucht worden. Daraus seien Maßnahmen und Standards zur Suizidprävention abgeleitet worden. Auch die Erfahrungen der Telefonseelsorge für Untersuchungsgefangene in Aufnahmeabteilungen und die inhaltliche Gestaltung der Aus- und Fortbildung der Justizvollzugsbediensteten spiele dabei eine Rolle.

Wenn bei suizidgefährdeten Häftlingen trotz Kriseninterventionsgespräche weiterhin eine latente Gefahr für Leben oder Gesundheit angenommen werden müsse, erklärt Wiemerslage, „kann unter Berücksichtigung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit zunächst eine gemeinschaftliche Unterbringung angezeigt sein“. Im Einzelfall könne auch eine Beobachtung bei Nacht angeordnet werden.

hein

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