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Seit 40 Jahren „Keiner soll einsam sein“

Schnelle Hilfe für Menschen in Not Seit 40 Jahren „Keiner soll einsam sein“

Ein plötzlicher Schicksalsschlag kann jeden treffen: Menschen werden dauerhaft krank, verlieren ihre Arbeitsstelle, müssen sich um kranke Angehörige kümmern. Um ihnen in der Vorweihnachtszeit ein wenig Unterstützung zukommen zu lassen, wurde vor mehr als 40 Jahren die Tageblatt-Hilfsaktion „Keiner soll einsam sein“ gegründet. Seitdem engagieren sich Südniedersachsen für Südniedersachsen – sie helfen denen, die Hilfe brauchen. Doch wer hatte die Idee zu der Aktion? Wie hat sie sich seitdem entwickelt? Und welche Aktionen stehen in diesem Jahr an? Ein Überblick.

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Tageblatt-Weihnachtshilfe „Keiner soll einsam sein“: Offener Heiligabend in der Stadthalle.

Quelle: Heller

Göttingen. Seit mehr als 40 Jahren gibt es die Tageblatt-Weihnachtshilfe „Keiner soll einsam sein“. Was Anfang der 70er-Jahre begann, wird auch in diesem Jahr wieder organisiert. Doch wie kam es dazu?

1973 wurde im Tageblatt vieles anders. Seitdem gehört das Göttinger Verlagshaus nicht nur zur Madsack Mediengruppe. Mit dem neuen Geschäftsführer Bernd Dedecke stand damals auch eine Neuerung ins Haus, die nicht nur die Zeitung, sondern die ganze Stadt verändern sollte: die Wohltätigkeitsaktion „Keiner soll einsam sein“.

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Auf Dedeckes Initiative wollte das Tageblatt nicht nur journalistische, sondern auch soziale Verantwortung in Göttingen und der Region übernehmen. Dafür sammelte das GT zunächst Weihnachtsgeschenke von Mitarbeitern und Lesern, die dann an Bedürftige verteilt wurden. Obwohl die Aktion gut angenommen wurde, wurde sie ihrem Namen nicht gleich gerecht. Denn viele Empfänger der Päckchen waren am Heiligen Abend zwar um liebe Geschenke reicher, aber immer noch allein. Eine Neuerung musste her.

Seit Ende der 70er-Jahre wird daher die Stadthalle an Heiligabend gemietet, und alle Göttinger sind eingeladen, am 24. Dezember um 15.30 Uhr  dorthin zu einer öffentlichen Weihnachtsfeier zu kommen. Das Programm ist abwechslungsreich: Bei Kaffee und Kuchen beginnt die Weihnachtsandacht, danach ist Zeit für Gespräche bei musikalischer Begleitung. Und nach dem Abendessen und einer traditionellen Bescherung für Kinder klingt der Abend mit einer Zauberschau aus, bevor dann drei Sonderbusse alle Gäste kostenlos nach Hause bringen.

Wolfgang Stoffel, ehemaliger Prokurist beim Tageblatt und lange Jahre verantwortlich für die Aktion, erklärt, dass das Konzept von „Keiner soll einsam sein“ nicht nur aus Geschenken und Weihnachtsfeier besteht: „Neben den Spenden der GT-Leser sind traditionelle Benefizveranstaltungen entstanden, welche die Aktion unterstützen.“ Das Göttinger Symphonie-Orchester (GSO) habe mit seinem Benefizkonzert jedes Jahr im Dezember einen begeisterten Zuhörerkreis.

Die im wahrsten Wortsinne wohl prominenteste Veranstaltung geht aber nicht ins Ohr, sondern erst mal in den Magen: „Ein Zeichen für die guten Taten ist in jedem Jahr die traditionelle Erbsensuppe am Gänseliesel, bei der sich Prominente aus Stadt und Land in den Dienst der Aktion als freiwillige Suppenschöpfer stellen. Anfänglich wurde die schmackhafte Suppe in der Göttinger Zietenkaserne von den Soldaten gekocht, bis 1993 nach Schließung des Bundeswehrstandortes das Technische Hilfswerk Göttingen die Suppenzubereitung übernahm“, erinnert sich Stoffel. Seit 2014 kocht der Kreisverband Göttingen-Northeim des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) die Suppe.

Das so eingenommene Geld ist auch für die Hilfe in besonderen finanziellen Notlagen gedacht. Und zwar „in allen Fällen, in denen die Maschen des sozialen Netzes zu weit sind und Menschen in Not geraten“. Wenn in einem Krankheitsfall oder bei Einsamkeit keine Hilfe möglich scheint, könnten die Spenden der Weihnachtshilfe unbürokratisch helfen, so Stoffel. Jeder Spenden-Euro fließe vollständig dem guten Zweck zu und komme Göttingern zugute, die in Not geraten sind. Die Spenden kämen somit direkt vor Ort an. 

Von Jonas Rohde

Tageblatt-Weihnachtshilfe: Die Aktionen in diesem Jahr
Mit dem Erbsensuppen-Ausschank am Gänseliesel hat am 7. November die diesjährige Tageblatt-Weihnachtshilfe „Keiner soll einsam sein“ begonnen.

Eine Woche später wurde noch einmal Suppe im „Kauf Park“ für den guten Zweck ausgeschenkt. Viele bekannte Göttinger beteiligten sich wieder an der Aktion, indem sie die Suppe für einen guten Zweck ausschenkten.

Die Erbsensuppe wurde durch den Kreisverband Göttingen-Northeim des Deutschen Roten Kreuzes gekocht. Dafür haben mehrere Firmen Zutaten gespendet: Schinkenwürfel stammen von der Firma Tolle, Bauchfleischwürfel von der Firma Börner-Eisenacher und Gemüsezwiebeln vom Fruchthandel  Fandrey. Die Bäckerei Ruch spendete außerdem Brot.

Auch das Göttinger Symphonie-Orchester (GSO) unterstützt die Hilfsaktion schon seit vielen Jahren – und zwar mit dem, was die Musiker unter Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller am besten können: sinfonische Musik aus unterschiedlichen Epochen. Jedes Jahr geben die Musiker für die Tageblatt-Weihnachtshilfe „Keiner soll einsam sein“ ein Benefizkonzert.

Beginn ist in diesem Jahr am Freitag, 18. Dezember, um 20 Uhr in der Göttinger Stadthalle. Der Vorverkauf für das Benefizkonzert läuft.

Karten gibt es in den Tageblatt-Geschäftsstellen in Göttingen, Weender Straße 44, und Duderstadt, Auf der Spiegelbrücke 11.

Das Göttinger Kino Cinemaxx unterstützt die Tageblatt-Weihnachtshilfe. Jedes Jahr im Dezember versteigern die Mitarbeiter Filmplakate und -Aufsteller für den guten Zweck. Der Termin in diesem Jahr steht noch nicht fest, wird aber rechtzeitig bekanntgegeben.

Abschluss der Hilfsaktion ist die Feier am Heiligen Abend in der Stadthalle. Sie ist offen für alle Bürger der Stadt. Auch diejenigen, die sonst vielleicht allein wären, können dort ein paar Stunden lang gemeinsam mit anderen Bürgern Weihnachten feiern. Einlass in die Stadthalle ist am 24. Dezember um 15.30 Uhr.

Nach der Eröffnung und einer Weihnachtsandacht gibt es Kaffee und Kuchen. Klaus Faber spielt dazu auf dem Klavier. Um 18 Uhr gibt es Abendessen, danach einen „Showact“. Um 19.30 endet die Veranstaltung.

 

Von der Anteilnahme gerührt

Margot Zielhardt vom Diakonieverband Göttingen engagiert sich schon seit Jahren für die Tageblatt-Weihnachtshilfe. Sie betreut die Menschen, die durch Schicksalsschläge in Not geraten sind. Das Tageblatt stellt jedes Jahr in der Weihnachtszeit in loser Folge einige von ihnen vor. Zielhardt als Vermittlerin weiß am besten, was die Hilfsaktion den Betroffenen bringt.

Die meisten Bürger wüssten gar nicht, wie es einigen ihrer Mitmenschen geht, sagt Zielhardt. Das werde ihnen erst bewusst, wenn sie über deren Schicksale im Tageblatt lesen. „Die meisten dieser Leute haben Schwierigkeiten, die man schon mit etwas Geld lösen kann“, sagt Zielhardt. Bereits 100 Euro würden den meisten Betroffenen helfen.

„Die Hilfsaktion bedeutet daher eine echte Hilfestellung und zugleich eine Sensibilisierung der Gesellschaft.“ Die Menschen, denen auf diesem Weg geholfen werde, hätten „ein Gefühl, dass sie aufgewertet sind. Sie sind von der Anteilnahme sehr gerührt.“

Außerdem seien durch die Weihnachtshilfe echte Beziehungen zwischen Helfern und Menschen in Not entstanden. Das sorge für Nachhaltigkeit. So hätten Polizisten schon mal das Auto eines Betroffenen repariert, andere kümmerten sich auch noch nach Jahren um einen lieben Menschen. „Die Aktion bewegt im Kleinen wie im Großen“, sagt Zielhardt. Und das sei auch in Zukunft sehr wichtig. Denn, so Zielhardt: „Man muss zeigen, dass es auch in unserer Gesellschaft Menschen gibt, um die man sich kümmern muss.“

afu

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