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Seit neun Jahren kein Masern-Fall in Göttingen

Gesundheitsamt rät zur Impfung Seit neun Jahren kein Masern-Fall in Göttingen

Im Raum Göttingen hat es seit 2006 keinen einzigen Masern-Fall gegeben. Dennoch rät der Leiter des Gesundheitsamtes für Stadt und Landkreis Göttingen, Dr. Eckart Mayr, Kinder vorsorglich zweimal gegen Masern impfen zu lassen.

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Kleiner Pieks gegen gefährliche Virusinfektion: Masernschutzimpfung.

Quelle: AP

Göttingen. Die ansteckende Krankheit sei „sehr gefährlich“. Stadt und Gesundheitsamt raten auch, sich darüber hinaus gegen andere ansteckende Krankheiten zu wappnen.

Der Todesfall eines Kindes durch Masern und die rasant steigende Zahl an Masern erkrankter Menschen in Berlin hat viele aufgeschreckt – vor allem Eltern kleiner Kinder. Eine Masern-Welle in Südniedersachsen sehen die Mitarbeiter des Göttinger Gesundheitsamtes allerdings nicht. Ärzte seien verpflichtet, Masernpatienten zu melden. Den letzten Fall in Göttingen habe es 2006 gegeben, seitdem keinen mehr, so Mayr.

Damit das so bleibe, informiere die Stadt immer wieder auch bei Impfaktionen in Schulen über Schutzmöglichkeiten. In der Regel passiert das in den 6. Klassen, um zu kontrollieren, ob ausreichender Schutz besteht. Die „Ständige Impfkommission“ am Robert-Koch-Institut in Berlin (STIKO) empfehle für Schüler in diesem Alter folgende Impfungen: zweimal gegen Masern, Mumps und Röteln sowie dreimal gegen Hepatitis B.

Zudem sollte eine Auffrischimpfung gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Kinderlähmung erfolgen, sofern eine vollständig abgeschlossene Grundimmunisierung im Säuglingsalter und eine Diphtherie-Tetanus-Keuchhusten-Kinderlähmung-Auffrischimpfung vor der Einschulung erfolgt ist. Die Göttinger seien zwar nicht impfmüde, so Mayr, aber es gebe „durchaus Vorbehalte“ bei vielen - „die Impfquote könnte besser sein“.

Die Pressesprecherin des niedersächsischen Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Tanja Brunnert, hatte hingegen erst kürzlich festgestellt: „Die Impfbereitschaft in der Stadt Göttingen ist deutlich schlechter als in vielen anderen Teilen Niedersachsens.“

Weitere Informationen gibt es im Internet auf impfen-info.de
 
„Bester Schutz ist die Impfung“
Prof.  Helmut  Eiffert,  Infektiologe und  Immunologe am Institut für Medizinische Mikrobiologie der Universitätsmedizin Göttingen.
Prof. Helmut Eiffert, Infektiologe und Immunologe am Institut für Medizinische Mikrobiologie der Universitätsmedizin Göttingen.
Quelle:

Tageblatt: Was sind Masern?
Eiffert: Masern sind eine hochansteckende Virusinfektion, die nur beim Menschen vorkommt. Die Übertragung erfolgt durch das Einatmen von Speicheltröpfchen – durch Husten, Niesen– und Kontakt mit Sekreten aus Rachen und Nase. Fast alle – fast 100 Prozent –, die nicht geschützt sind, erkranken.

Wie gefährlich sind Masern?
Eine besondere Gefährdung ergibt sich durch eine allgemeine Immunschwäche, die etwa sechs Wochen anhält, die sich zum Beispiel äußert als bakterielle Infektionen wie Mittelohrentzündung, Bronchitis oder Lungenentzündung. Gefürchtet ist eine Entzündung des Gehirns, die in bis zu 1 Prozent der Patienten etwa eine Woche nach dem Hautausschlag auftreten kann. Für 10 bis 20 Prozent verläuft diese Komplikation tödlich, in 20-30 Prozent verbleiben dauerhafte neurologische Schäden. Eine extrem seltene Spätkomplikation tritt 6 bis 8 Jahre nach der Masernerkrankung auf und führt zu einer stets tödlichen chronischen Hirnentzündung.

Wie zeigen oder äußern sich Masern?
8 bis 10 Tage nach Kontakt mit infektiösen Sekreten kommt es zu Fieber, Schnupfen, Husten, Augenrötung, starke Rötung der Mundschleimhaut. Der typische Hautausschlag erscheint –  beginnt meist im Gesicht und hinter den Ohren– 4 bis 7 Tage nach den genann ten ersten allgemeinen Symptome und bleibt bis zu einer Woche bestehen. Das Fieber sinkt ab etwa einer Woche nach Krankheitsbeginn. Die Dauer der Ansteckungsfähigkeit besteht ab 3 bis 5 Tage vor bis etwa 4 Tage nach erscheinen der Hautmanifestation.

Wie schütze ich mich gegen Masern?
Der beste Schutz gegen eine Infektion ist die Impfung mit abgeschwächten Viren zusammen mit Röteln und Mumps, die ab einem Alter von etwa 9 Monaten zur Grundimmunisierung gehört und in der Regel im Alter von 15 bis 23 Monaten wiederholt wird. Wer die Erkrankung durchgemacht hat ist auch immun.

Wie oft behandeln Sie und ihre Kollegen Masern-Patienten?
Normal verlaufende Masern sind kein Grund, die Universitätsklinik aufzusuchen. Darum kümmert sich der Kinderarzt. In der UMG sehen wir einzelne Patienten mit meist schweren neurologischen Komplikationen. Eine Zunahme sehe ich momentan nicht.

Das Interview führte Ulrich Schubert

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