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Sepp Blattergold in der Knast-Kneipe

Begeistertes Publikum beim Göttinger Theaterfestival Sepp Blattergold in der Knast-Kneipe

Korrupte Funktionäre und fiese Praktiken auf einem Hühner-Masthof: Das haben mehr als 100 begeisterte Zuschauer beim „6. Theaterfestival von Menschen mit und ohne Behinderung“ im restlos ausverkauften Gemeindesaal der Evangelisch-Reformierten Kirche an der Karspüle zu sehen bekommen.

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„Profis könnten das nicht besser“, sagte eine Zuschauerin, die wie die meisten anderen auch von der Spielfreude der Schauspieler und Schauspielerinnen angesteckt wurde.

Quelle: CH

Göttingen . Wie sich die Häftlinge Sepp Blattergold (gespielt von Kai Kallinich), Christoph Däumeling (Maik Siepler) und Stefan Effenzwerg (Eckhard Graf) in ihrer Beschäftigungstherapie in der Knastkneipe von Ulfi Hoeness (Ulf Pause) die Zeit mit Filz vertreiben; und wie die böse „Miesenhof“-Besitzerin Cindy Broilerstein (Lisa Steinert) den Spitzenkoch Paul Combuse (Cathi Holzhausen) engagiert, damit dieser aus Gammelfleisch Hammelfleisch macht: Das und noch viel mehr erlebte das Publikum bei den Aufführungen der Stücke „Fifa Korruptika“ der Harz-Weser-Werkstätten Holzminden und „Die Zauberkröte“ der Selbsthilfe Körperbehinderter Göttingen. Wie auch in den vergangenen Jahren spielten körperlich, seelisch und Nichtbehinderte gemeinsam.

„Profis könnten das nicht besser“, sagte eine Zuschauerin, die wie die meisten anderen auch von der Spielfreude der Schauspieler und Schauspielerinnen angesteckt wurde, rhythmisch mitklatschte und immer wieder in schallendes Gelächter ausbrach. „Genau das wollen wir erreichen“, sagte Regisseur Tobias Wojcik, aus dessen Feder die beiden Stücke stammen. „Wir wollen die Leute zum Lachen bringen – allerdings nicht mit Banalitäten, sondern mit scharfer Satire. Politisch korrekt sind wir nicht.“   

Und so wurden Geiz und Gier der Fifa angeprangert, aber auch, wie Angela Merkel (Bianca Kohrs) angeblich die Fußball-Europameisterschaft instrumentalisiert (wobei EM auf der Bühne für „Exodus Migranten“ stand). Auch Mesut Asyl (Silke Schrader) und Ursula Sonderlein (Svenja Wyrwoll) spielten eine gewichtige Rolle in dem Stück, an dessen Ende Donald Trampeltier (Karsten Behmer) neuer Präsident der Fifa wurde. Ein Happyend gab es dagegen auf dem Miesenhof, wo das arme Hühnchen (Antonia Lenzen) zwar sein Leben ausgackerte und in den Geflügel-Himmel kam, das Hängebauchschwein Ping Fleud (Heide Fridrich) und die Kuh Frida  Kuhlo (Renate Hillebrandt) die fiese Cindy Broilerstein mit Hilfe der Zauberkröte (Lena Hugo) jedoch schließlich zur Aufgabe zwingen konnten. Am Ende sangen alle Schauspieler zur Melodie von „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“ „Wir haben jetzt ´ne selbstbestimmte Farm“ – das Gute hatte gesiegt, und die Zuschauer dankten dem Ensemble mit lang anhaltendem Applaus.

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