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Bewährungsstrafe für Physik-Student

Sex-Überfall bei Party Bewährungsstrafe für Physik-Student

Das Landgericht Göttingen hat am Donnerstag einen 24-jährigen wegen sexueller Nötigung und gefährlicher Körperverletzung zu einem Jahr und acht Monaten Gefängnis verurteilt. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass er im September 2015 bei einer Party nahe des Klinikums hinterrücks eine Studentin überfallen hatte.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Der Physik-Student aus Varel (Kreis Friesland) hatte die 28-Jährige gewürgt, zu Boden gerissen und gezwungen, sexuelle Handlungen zu erdulden. Erst als Zeugen hinzukamen, ließ er von ihr ab und rannte davon. Einem Zeugen gelang es, den Fliehenden zu stellen und bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten.

 

Die Richter setzten die Strafe zur Bewährung aus. Als Auflage muss der Student ein Therapie- und Beratungszentrum kontaktieren und sich gegebenenfalls einer ambulanten Therapie unterziehen. Außerdem darf er keinerlei Kontakt zum Opfer aufnehmen. Mit seinem Urteil blieb das Gericht unterhalb der Forderung der Staatsanwaltschaft, die eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren beantragt hatte. Die Verteidigung hatte auf eine niedrigere Strafe von 15 Monaten plädiert.

 

Es gebe keine begründeten Zweifel daran, dass der 24-Jährige der Täter gewesen sei, sagte der Vorsitzende Richter Ralf Günther. Der Angeklagte sei zur Tatzeit erheblich alkoholisiert und dadurch in seiner Steuerungsfähigkeit beeinträchtigt gewesen. Die damalige Untersuchung hatte einen Wert von 2,4 Promille ergeben. Nach Ansicht des Gerichts lässt sich die Tat nicht als minder schwerer Fall werten. Der Angeklagte habe erhebliche Gewalt angewandt und die 28-Jährige so massiv gewürgt, dass sie einer Ohnmacht nahe gewesen sei. Das Opfer hätte „durchaus zum Tode kommen können“, eine konkrete Lebensgefahr habe jedoch nicht bestanden. Die Studentin habe allerdings unter gravierenden psychischen Folgen zu leiden.

 

Der Physik-Student hatte erklärt, keinerlei Erinnerung an das Tatgeschehen zu haben. Die Kammer halte diese Erinnerungslücke für plausibel, sagte der Vorsitzende Richter. Als strafmildernd wertete das Gericht unter anderem, dass der Angeklagte im Wege des so genannten Adhäsionsverfahrens 10.000 Euro als Schadenswiedergutmachung an das Opfer gezahlt hat. Auch sein Schlusswort habe die Kammer sehr beeindruckt, sagte Günther. Nie zuvor in seiner langjährigen Tätigkeit als Richter habe er von einem Angeklagten die Worte „Ich schäme mich“ gehört. Der 24-Jährige habe glaubhaft Reue gezeigt.

 

Der Angeklagte hatte nach seiner Festnahme sechs Monate in Untersuchungshaft gesessen, vor zwei Wochen wurde er daraus entlassen. Er will jetzt sein Studium fortsetzen. pid-nie

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