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Göttingen „salafistischer Brennpunkt“

Sicherheitsbehörden Göttingen „salafistischer Brennpunkt“

Seit dem Jahr 2015 gehen die Sicherheitsbehörden Niedersachsens davon aus, dass sich in der Stadt Göttingen ein salafistischer Brennpunkt gebildet hat. Die anderen Brennpunkte in Niedersachsen sind Braunschweig/Wolfsburg und Hildesheim, teilt die Göttinger Polizei mit.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen/Hannover. Ausgangspunkt in Göttingen sei die Anhängerschaft des früheren sogenannten „Kalifatstaat“ um Metin Kaplan, den sogenannten „Kalifen von Köln". Kaplan war Chef der radikalen islamischen Vereinigung Kalifatsstaat und wurde 2004 in die Türkei ausgewiesen, wo er zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurde. Dass die verbotene ehemalige Kaplan-Moschee im Untergrund weiterhin aktiv ist, will die Polizei nicht bestätigen.

Seit 2015, erklärt die Polizei, hätten sich in Göttingen Gruppierungen entwickelt, „die dem Neo-Salafismus zuzurechnen sind. Unter Hinzurechnung sympathisierenden Umfeldes dürfte diese Szene über eine Klientel im mittleren zweistelligen Bereich verfügen.“ Gemeinsamer Nenner sei die bedingungslose Bejahung der Ideen des Salafismus. Dazu zählt auch die Errichtung eines Kalifats als einziger glaubenskonformer Staats- und Gesellschaftsform.

„Aus dieser Szene“, erklärt die Polizei weiter, stammten „mindestens zwei Personen“, die 2015 in das Herrschaftsgebiet des Islamischen Staats (IS) ausgereist seien. Einen dritten Mann, der ebenfalls an Kampfhandlungen auf Seiten des IS teilnehme, ordnet die Polizei dieser Szene hingegen nicht zu.

Keine konkreten Hinweise auf Bedrohung

„Angehörige dieser Klientel“, meint die Polizei, radikalisierten sich „schnell und nachhaltig“. Aktive Missionierung sei „Bestandteil der Glaubenspraxis“. Die Polizeiinspektion Göttingen habe mehrere Strafverfahren eingeleitet. Teilweise existierten „bundesweite Verbindungen zu anderen Führungspersonen der neo-salafistischen Szene und Gefährdern.“ Konkrete Hinweise auf eine unmittelbare terroristische Bedrohung“ liegen der Polizeiinspektion Göttingen nicht vor.“

Den niedersächsischen Sicherheitsbehörden sind derzeit 74 Islamisten aus Niedersachsen bekannt, die in Richtung Syrien/Irak ausgereist sind. „Insgesamt“, so die Polizei, „hat der Salafismus in Niedersachsen weiterhin ungebremst Zulauf. Die Zahl der Anhänger ist von rund 400 Personen in 2014 auf aktuell etwa 520 Personen angewachsen, Tendenz weiter zunehmend. Zudem muss von einem nicht näher bezifferbaren Sympathisanten-Spektrum ausgegangen werden.“ Allerdings werde nur eine Minderheit der Salafisten als gewaltbereit und damit jihadistisch eingestuft.

Salafisten und Jihadisten

Salafisten streben die Unterwerfung ganzer Staaten und Gesellschaften unter die streng ausgelegten Dogmen des Islam an. Also: keine Menschen- und Bürgerrechte im westlichen Sinn, keine Meinungs- und Redefreiheit, keine Gleichberechtigung der Frau, Todesstrafe für die Abwendung vom Islam, grausame Körperstrafen auch für kleinere Vergehen und so weiter.

Jihadisten verfolgen die gleichen Ziele, wollen diese aber anders als die meisten Salafisten mit Gewalt durchsetzen, nicht durch Wahlen oder Überzeugungsarbeit. Beide Gruppen beziehen ihre ausschließliche Rechtfertigung aus den sogenannten heiligen Schriften des Islam, also des Korans, des Hadith (Sammlung von Taten und Aussprüchen des Propheten Mohammed) und der Sira (den frühen Biografien des Propheten).

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