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Sicherheitsmontur ist Pflicht

Gefährliche Waldarbeit Sicherheitsmontur ist Pflicht

Das Heizen mit Holz liegt im Trend. Immer mehr Hausbesitzer setzen auf nachwachsende Resourcen – und auf Holz als einzigen oder ergänzenden Brennstoff. Wer im Wald selbst zu Axt und Motorsäge greift, sollte das Thema Sicherheit besonders ernst nehmen.

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Helm, Ohrenschützer, Handschuhe und Schnittschutzhose: Mit der Motorsäge arbeitet Frank Deppe nur in voller Montur.

Quelle: Hinzmann

Waldarbeit ist gefährlich“, bilanzieren die Niedersächsischen Landesforsten das Unfallgeschehen im Wald. Zwar bezieht sich die Zahl von 82 Unfällen 2008 auf die eigene Mitarbeiterschaft, doch auch private Holzwerber müssen sich mit dem Thema Sicherheit beschäftigen. „Unachtsamkeit auch nur für den Bruchteil einer Sekunde kann bei Routinesituationen zu schweren Unfällen führen“, sagt ein Experte für Arbeitssicherheit bei den Landesforsten.

„Zu den häufigsten Unfallursachen zählen Stürze, unter Spannung stehendes Holz und Äste von oben“, berichtet Henning Freiesleben, Leiter der Revierförsterei Sattenhausen im Niedersächsischen Forstamt Reinhausen. Für ihn Grund genug, nicht nur bei den eigenen Kollegen, sondern auch bei privaten Holzwerbern auf Schutzkleidung und risikobewusstes Verhalten zu achten.

Mehr Feuerstätten

Heizen mit Holz schützt das Klima, wenn es nichterneuerbare Energieträger wie Kohle, Öl oder Gas ersetzt, sagen die Niedersächsischen Landesforsten. Geerntet werden in den Landesforsten jährlich rund zwei Millionen Festmeter (gleich Kubikmeter) Holz, 2,4 Millionen wachsen nach. Die Zahl der privaten Holzöfen im Landkreis Göttingen nimmt laut Feuerstättenzählung im Auftrag des Niedersächsischen Landwirtschaftministeriums jährlich um rund 1000 zu. 2008 waren fast 36 000 Scheitholz-Einzelöfen registriert.

Rund 200 Adressen von Holzkäufern hat Freiesleben in seiner Kartei, „aus der ganzen Region Göttingen und einige sogar aus Thüringen“. Viele davon schlagen ihr Brennmaterial selbst. „Eine Zeitlang war es unmodern, mit Holz zu heizen. Aber vor etwa drei Jahren gab es einen Boom“, erzählt der Revierleiter. Wegen der hohen Nachfrage vor allem durch Käufer, die nicht selbst zur Säge greifen, seien die Preise seither gestiegen.

An Kosten um fünf Mark je Raummeter (ein mal ein Meter lose gestapeltes Holz, ein Raummeter gleich 0,7 Festmeter) selbst geschlagenen Holzes erinnert sich Frank Deppe. Das war vor 20 Jahren, als er seinen Kaminofen kaufte. „Jetzt liegen wir bei rund 20 Euro“. Trotzdem geht der 47-Jährige alljährlich mit Joachim Rentz in den Wald bei Sattenhausen, um von der Forstverwaltung besonders gekennzeichnete Bäume für den Eigenbedarf zu fällen und feuergerecht zu zerkleinern: „Wenn ich zuheize, brauche ich nur 1500 Liter Heizöl im Jahr“, erzählt Deppe. Das Holz sei immer noch günstiger. 15 bis 20 Raummeter erfordere es, ein Haus zu heizen, erklärt Freiesleben. 20 Euro kostet das selbst aufbereitete Brennholz je Raummeter, 40 Euro das von der Forstverwaltung geschlagene und bereitgestellte Industrieholz.

Sparsamkeit ist nur ein Faktor für die schweißtreibenden Arbeitseinsätze: „Ich arbeite gern an der frischen Luft“, sagt Deppe, Disponent bei den Göttinger Entsorgungsbetrieben. „Das ist zwar eine Schinderei, aber belohnt werden wir durch die wohlige Wärme“, ergänzt Rentz. Trotz seines Schichtdienstes als Galvaniktechniker möchte er nicht darauf verzichten, in jedem Winter an Wochenenden in den Wald zu ziehen. Ein drittes Motiv der Selbstwerber glaubt Freiesleben zu kennen: „Ein bisschen Verrücktheit ist wohl auch dabei“, sagt er augenzwinkernd mit Blick auf die bei bitterer Kälte Holz hackenden und ächzenden Sattenhäuser.

Bei altgedienten Kunden wie Rentz und Deppe macht sich der Förster keine Sorgen um das Thema Sicherheit: Schutzhelm, Ohrenschützer gegen Sägelärm, Arbeitshandschuhe, Schuhwerk mit Stahlkappen, Jacken mit leuchtenden Signal-applikationen und eine Schnittschutzhose gehören zu ihrer Ausstattung. „Die hat sich schon oft bewährt“, sagt Deppe und zeigt an den Schnitten im Stoff, warum sich die Anschaffung der Spezialhose bezahlt gemacht hat. Ernsthafte Verletzungen habe bislang keiner davongetragen, „nur ein paar blaue Flecke“, betont Rentz.

Bei neuen Werbern achtet Förster Freiesleben auf die mitgebrachte Ausrüstung, wenn er ihnen im Sattenhäuser Forst Bäume oder die Kronen bereits gefällter Stämme zuweist. Zudem sichert sich die Forstverwaltung schriftlich ab: Jeder Selbstwerber muss eine sogenannte Haftungserklärung unterzeichnen, wenn er die Genehmigung für den Holzeinsatz einholt. „Mir sind die Gefahren bei der Waldarbeit bekannt, und ich bin darüber informiert, welche Verhaltensregeln bei meinem speziellen Selbstwerbereinsatz zu beachten sind“, heißt es darin.

Von Katharina Klocke

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