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Festival von Menschen mit und ohne Behinderung

„Gibt es hier Kinder, süße Kinder?“ Festival von Menschen mit und ohne Behinderung

Von der Verführbarkeit der Bürger durch Populisten hat eines der Stücke des inklusiven Theaterfestivals erzählt. Vom Zusammenprall einer Clown-Selbsthilfegruppe mit neurotischen Models das zweite. Am Sonntag wurden die witzigen Werke im Gemeindesaal der reformierten Kirche in Göttingen uraufgeführt.

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„Gibt es hier Kinder, süße Kinder?“: Siebtes Göttinger Theaterfestival von Menschen mit und ohne Behinderung

Quelle: Heller

Göttingen.. Zum siebten Mal wurde das Göttinger Festival von Menschen mit und ohne Behinderung ausgerichtet - im vollbesetzten Gemeindesaal. In der ersten Reihe stand Rollstuhl neben Rollstuhl. Inszeniert hat die Stücke der Psychologe und Theaterpädagoge Tobias Wojcik, der selbst im Rollstuhl sitzt.

Politisch war das halbstündige Stück „Die Schlümpfe und der Rechtsruck“, das Wojcik zusammen der Theatergruppe "Boing!" der Harz-Weser-Werkstätten in Holzminden verfasst hat. Ganz entspannt ins Blaue hinein leben die kleinwüchsigen Schlümpfe und lassen die Joints kreisen. Doch dann sät der böse Gaga-Mehl (Kai Kallinich) Zwietracht. Über Gaga-Mails, soziale Schlumpfnetze und „Fakebook“ hetzt er sie gegen die Einschlumpfung in ihr kleines, blau-weißes Reich auf.

Den Merk-Schlumpf (Bianco Kohrs), der die Wutbürger mit einem „Wir schaffen das“ zu beruhigen versucht, zerquetschen sie in einer „Lügen-Presse“. Erschrocken von der eigenen Gewalttätigkeit wollen sie alles wieder gut machen. Doch dann fallen sie auf Nigel Verarsch (Silke Schrader) herein, der sie zum Ausstieg aus allem Schlechtem, zum Schlexit, verführt. Mit mehreren Tanzeinlagen (Sounds und Technik: Ulf Pause) hat Wojcik das Stück inszeniert, dessen Sprachwitz für einen Lacher nach dem anderen sorgte.

Ein Happy-End hat das einstündige Stück „Doch mit den Clowns kamen die Strähnen“. Stephan Heupst verfasste es gemeinsam mit der Theatergruppe "Schmetterlingseffekt" der Selbsthilfe Köperbehinderter Göttingen. Heupst schrieb auch die Texte zu den Hits, die die Schauspieler sangen. Zwei Handlungsstränge hat das Werk. Da ist die Selbsthilfegruppe „Clowns am Abgrund“. Unter den Schauspielern stach der beängstigende Horrorclown Es (Heide Frirdich) hervor. „Ich bin unterzuckert“, erklärte die Rollstuhlfahrerin, fuhr auf das Publikum zu und fragte: „Gibt es hier Kinder, süße Kinder?“

Die Models ließen sich von Fernsehstar Scheidi Dumm herumkommandieren, die von Antonia Lenzen mit aufgesetzter Heiterkeit gespielt wurde. Als „Mauerblümchen“ im FDJ-Hemd war Marco Woltermann zu sehen. Das Model mit der Brüllimie (Renate Hillebrandt), die ihre derben Wortspiele mit raumfüllender Kraft herausschrie, kam am Ende mit dem schwerhörigen Mundharmonika-Clown (Wolfgang Erbach) zusammen. „Du bist die einzige, die ich hören kann“, erklärte er. Das Publikum applaudierte lange.

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