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Silvester in Göttingen: Chaos am Markt und gute Partys

Ein Schwerverletzter Silvester in Göttingen: Chaos am Markt und gute Partys

Krachende Böller, knallende Sektkorken und Leuchtraketen in allen Farben. Laut und fröhlich haben die Göttinger in der Silvesternacht das neue Jahr begrüßt und auf vielen Partys laut weiter gefeiert – oder ganz besinnlich im kleinen Kreis.

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Trotz Verbot wurde am Gänseliesel viel Feuerwerk gezündet.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Schwere Unfälle gab es nur wenige. Im Göttinger Klinikum wird seit Mittwochnacht ein Patient behandelt, der durch einen explodierenden Böller den größten Teil einer Hand verloren hat.

Darüber hinaus registrierten   Krankenhäuser, Feuerwehr und Polizei zwar viele Einsätze – aber „alles im Rahmen des typischen Silvesterwahnsinns“, fasste ein Arzt die Neujahrsnacht zusammen. In den Notfallstationen mussten vor allem Verletzungen durch alkoholbedingte Stürze und Schlägereien behandelt werden. „Aber erstaunlich wenig Verletzungen durch Raketen“, so die Assistenzärztin Naomi Sieben in der Unfallchirurgie des Weender Krankenhauses. 

Chaotische Zustände herrschten allerdings in den ersten Stunden des neuen Jahres in der Göttinger Innenstadt. Am Liesel-Markt bestimmte ohrenbetäubender Lärm gewaltiger, nicht zugelassener Kanonenschläge die Szene. Immer wieder schossen vorwiegend junge Männer gezielt Raketen und Böller auf Menschengruppen. Am Kornmarkt zerbrach die Fensterscheibe eines Handy-Ladens.

„Das ist nur schrecklich, das macht mir Angst“

Feuerwehrleute konnten den Brand schnell löschen, dabei wurden aber auch sie mit Raketen und Knallkörpern beworfen – unter Applaus der Umstehenden. „Wir werden sicher intern darüber sprechen, wie wir künftig mit solchen Einsätzen umgehen“, sagte später der Wachdienstleiter der Göttinger Berufsfeuerwehr,  Thorsten Rath.

„Das ist nur schrecklich, das macht mir Angst“, klagte am Rand des Marktes Petra Krage. Die Weenderin wollte mit ihrem Partner Kali Fahan und  anderen Göttingern am Liesel fröhlich auf das neue Jahr anstoßen und das Feuerwerk über dem Rathaus genießen – „so wie früher“.

Den Böller-Werfern stellte sich niemand entgegen, obwohl Feuerwerk in der Innenstadt verboten ist. Stadtverwaltung und Polizei hatten schon vorher eingeräumt, dass sie aus personellen Gründen nicht kontrollieren könnten.

Viel Glück im neuen Jahr 2015 wünschen Ihnen Verlag und Redaktion des Göttinger Tageblatts!

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„Einfach wunderschön“

Friedlicher ließen nur wenige Meter entfernt viele ältere Göttinger das Jahr ausklingen: beim Silvesternacht-Konzert in der Johanniskirche mit Opernmelodien aus der Kirchenorgel. „Einfach wunderschön“,  schwärmte anschließend Anneliese Ruther. „Jetzt schau ich mir noch das Feuerwerk von meinem Balkon an“, verriet die 83-Jährige, „und dann soll 2015 so schön werden wie 2014“.

Zur gleichen Zeit feierten die Studenten Isabelle und Kira Silvester im Irish Pub – mit buntem Papierhütchen auf dem Kopf und Livemusik von Chris Crises. „Super Musik, tolle Stimmung“, freute sich Kira. Ob sie später weiter durch die Stadt ziehen werden, ließ sie offen.

Beim Älterenabend im Monro‘s Park wären sie nicht mehr rein gekommen – ausverkauft. Mehr als 450 Gäste ab etwa 40 Jahren tanzten und feierten zur Musik querbeet aus ihrer Zeit ins neue Jahr. „Verdammt warm hier, aber super – eine perfekte Silvesterparty“, bilanzierte Gast Franky Meyer, bevor er noch einen Mitternachts-Rollmops vom Tablett fischte.

Ruhestörung, brennende Container und Prügeleien 

„Erwartungsgemäß hoch, viel zu tun, aber im normalen Rahmen für eine Silvesternacht.“ Das ist die General-Einschätzung aller Polizei- und Feuerwehrsprecher über ihre Einsätze zum Jahreswechsel. Das heißt unter anderem: 89 Meldungen bei der Polizei aus dem Landkreis inklusive Kernstadt alleine zwischen 0 und 7 Uhr am Neujahrsmorgen.

Darunter viele Beschwerden wegen lauter Feuerwerkskörper, sagt Kriminalhauptkommissar Uwe Hagemann. „Aber auch jede Menge Streitereien und kleinere Prügeleien.“ Darüber hinaus habe es mehrere Brände an Wertstoffcontainern und Mülltonnen gegeben.

Außerdem zwei zerstörte Fensterscheiben einer Autowerkstatt in Maschmühlenweg durch Silvesterraketen mit einem Schaden in Höhe von 3000 Euro und der Feuerwehreinsatz in einem Handy-Geschäft am Göttinger Markt.

Die Northeimer Polizei registrierte in der Silvesternacht  zehn Beschwerden über Böller-Werfer und wegen Ruhestörung. Mehrfach hätten Beamte Rettungsdienste bei der Versorgung „volltrunkener Personen“ unterstützen müssen, so ein Polizeisprecher. In Nörten-Hardenberg sei ein zehnjähriger Junge durch  einen geworfenen Böller am Oberschenkel verletzt worden.

Silvester-Feiern 2014 im Landkreis Göttingen. © Hinzmann

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„Deutliche ruhiger“

Und in Moringen sei ein Streit eskaliert, nachdem Jugendliche Feuerwerkskörper gegen ein Haus geworfen hatten. Der Hausbesitzer habe darauf einen der Jugendlichen mit einer Taschenlampe auf den Kopf geschlagen. Er musste in einem Krankenhaus behandelt werden, so der Polizeisprecher.

„Bis in den Neujahrstag hinein gut beschäftigt“ waren auch die Feuerwehren. Sechs Mülltonnenbrände zählte der Wachdienstleiter der Göttinger Berufsfeuerwehr, Thorsten Rath, von 23 Uhr bis zum Morgen alleine in Göttingen. Darüber hinaus habe es neben mehrere technischen Hilfeleistungen einen Containerbrand, einen mutmaßlichen Zimmerbrand und den Einsatz am Markt gegeben.

„Deutliche ruhiger“ war es laut Rath im Umland: ein Containerbrand im Gimte, eine brennende Abfalltonne in Hann. Münden und einen Containerbrand in Duderstadt.

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