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„Sind wir denn Menschen zweiter Klasse?“

Suche nach Windradstandorten „Sind wir denn Menschen zweiter Klasse?“

Lange hören sie geduldig zu, stellen nur Fragen. Dann können sie ihre Wut nicht mehr unterdrücken: „Sind wir denn Menschen zweiter Klasse?“, fragt eine Frau. „Ich habe drei Kinder und Angst“. Und ihr Mitstreiter spricht aus, was er und seine Nachbarn aus Deppoldshausen fürchten, wenn Windflügel in ihrer Nähe Schatten werfen und brummen: „Für uns bedeutet das, dass wir da oben nicht mehr leben können.“

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Turbulente Diskussion: Windenergie boomt, aber in unmittelbarer Nähe fürchten Anwohner Lärm und andere Belastungen.

Quelle: Kunze

Göttingen. Die Deppoldshäuser sind wütend, denn auch ihre Anhöhe nordöstlich von Weende ist als möglicher Windradstandort im Gespräch. Weil sie in einer kleinen Außensiedlung wohnen, dürften dann sogar große Windmühlen dichter an ihren Häusern stehen als an sonstigen Wohnbereichen. Das hatte ihnen Göttingens Stadtplaner Hans-Dieter Ohlow im Bauausschuss des Rates gerade bestätigt: Zu normalen Wohnbauflächen gelte ein Abstand von 1000 Metern, zu Außensiedlungen, Kleingärten und Friedhöfen von 500 Metern, zu Straßen und Wäldern von 100 Metern.

Zahlen, die auch Politiker im Ausschusses schwer nachvollziehen können: Warum überhaupt ein Abstand zu Wäldern? Warum 500 Meter zu Friedhöfen – genau so viel wie zu Siedlungen? Gesetzliche Vorgaben sind das nicht, stellt Ohlow überraschend klar. Die Verwaltung berufe sich bisher neben harten Ausschlusskriterien für Windradstandorte wie Straßen zunächst auf landesweite Erfahrungswerte. Diese „weichen Ausschlusskriterien“ könnten allerdings von der Politik problemlos verändert werden.

Hintergrund der Debatte ist ein Teilflächennutzungsplan, den die Stadt vorbereitet. In ihm sollen wenige geeignete Flächen festgelegt werden, auf denen Windräder gebaut werden dürfen. Zurzeit ist das fast überall ohne große Einschränkungen möglich – auch dicht bei Deppoldshausen. Weil es im Zuge der Energiewende immer mehr Anfrage von Investoren gibt, wollen Verwaltung und Rat den Windmühlen-Wuchs kanalisieren. Eine totale Blockade sei dabei aber nicht zulässig, betont Ohlow. Der Windenergie müsse per Gesetz ein „substantieller Verbreitungsraum“ zur Verfügung gestellt werden. Forderung der CDU/FDP-Fraktion, die Abstände deutlich größer anzusetzen, seien daher kaum realisierbar: „Dann ginge im Stadtgebiet nichts mehr.“

Wo es am Ende der bis ins nächste Jahr reichenden Diskussion Windradstandorte geben wird, ist zurzeit völlig offen. Innerhalb von zwei Wochen sind durch neue Fakten aus zwölf jetzt zehn mögliche Standorte geworden. Und dass eine weitere Fläche bei Elliehausen auch kaum in Frage kommt, erfuhr selbst die Stadtverwaltung erst während der Ausschusssitzung. Dort unterhält der Göttinger Modellflugsportverein seit 40 Jahren seinen Flugplatz – auf eigenem Grund und mit festem Vereinshaus. „Dafür haben wir hart gearbeitet“, so ein Mitglied. Wenn dort Windräder drehen, „können wir unseren Flugbetrieb einstellen“.

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