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Sinkende Nachfrage nach Schifffahrten in Hann. Münden

Rehbein-Linie will „Europa“ verkaufen Sinkende Nachfrage nach Schifffahrten in Hann. Münden

Was wäre Hann. Münden ohne ein touristisches Angebot rund um die drei Flüsse? In den vergangenen Jahren ist das Angebot an Schifffahrten von/nach Münden gesunken. Gerade einmal eine Reederei mit einem Schiff ist noch geblieben. Jetzt sucht die Rehbein-Linie einen Käufer für die „Europa“.

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Die Rehbein-Linie, die ab Hann. Münden Schifffahrten anbietet, will ihr einziges verbliebenes Fahrgastschiff „Europa“ verkaufen.

Quelle: EF

Hann. Münden. Aus Altersgründen, so Klaus-Dieter Rehbein, „Europa“-Kapitän und Ehemann von Reederin Anna-Elisabeth Rehbein, wollten sie das verbliebene Fahrgastschiff verkaufen. Aber sie würden großen Wert darauf legen, dass es in Hann. Münden weiterhin Schifffahrten gebe. „Das Schiff soll in der Region bleiben“, sagt Klaus-Dieter Rehbein. Immerhin sei die „Europa“ 1995 eigens für ihren Einsatz auf Fulda und Weser gebaut worden. Es handle sich um einen „extremen Flachgänger“, auf dem bis zu 285 Passagiere Platz haben.

Die Nachfrage nach Schifffahrten sei über die Jahre weniger geworden, so Rehbein. Inzwischen seien sie die einzigen, die noch fahren.

Einst hatte die Rehbein-Linie mit Sitz in Fuldatal bei Kassel sieben Schiffe. „Wer hat schon Zeit, unter der Woche mit dem Schiff unterwegs zu sein?“, fragt er und gibt selbst die Antwort: überwiegend Senioren. Familien kämen wochentags nur in den Ferien aufs Schiff. Hinzu komme, dass immer weniger Menschen bereit seien, beispielsweise für die Tour von Kassel nach Hann. Münden 17,90 Euro zu bezahlen. Das müsse er aber verlangen, damit die Kosten gedeckt seien.  Münden sei als Reiseziel „immer noch up to date“, betont Klaus-Dieter Rehbein. Lange Schiffstouren, etwa nach Bad Karlshafen oder Kassel, gebe es nur noch für Gruppen ab 50 Personen nach Voranmeldung.

Der „Europa“-Kapitän sendet allerdings ein optimistisches Signal an einen potenziellen Nachfolger: „Der Markt ist da.“ Rehbein: „Wir könnten jeden Abend eine große Partyfahrt machen, oder Hochzeitsgesellschaften mit 200 Personen“, aber das wollten sie aus Altersgründen nicht mehr.

Antje Jahn, Geschäftsführerin des Vereins Touristik Naturpark Münden, bestätigt den Rückgang der Fahrgastzahlen. Die Umsätze aus dem Verkauf der Schifffahrtstickets würden seit Jahren sinken. Die klassische Schifffahrt entspreche nicht mehr dem Erlebnisgedanken junger Menschen, so Jahns Einschätzung. Sie hofft, dass sich ein Investor für die Rehbein-Linie finde, denn „worst case“ sei, wenn es in der Drei-Flüsse-Stadt keinerlei Angebote auf dem Wasser mehr gäbe.

Daher müsse auch die Stadt alles dransetzen, um das Umfeld des Wesersteins attraktiver zu machen – für einen Investor wie auch für Kunden. Ein behindertengerechter Schiffsanleger sei eine der notwendigen Maßnahmen, so Jahn.

Schifffahrt in Münden

Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war jeder Mündener Schiffer sein eigener Unternehmer. Davon soll es zweitweise ein paar Dutzend gleichzeitig gegeben haben. In jüngerer Vergangenheit hatten die Linie Söllner, die Linie 2000 und auch die Oberweserdampfschifffahrt Schiffe, die in Münden anlegten.

Und natürlich die Rehbein-Linie, die es noch heute gibt. In der 44-jährigen Reedereigeschichte hat die Rehbein-Linie folgende besonderen Schiffe betrieben: den Raddamfer Brüder Grimm mit Grillschornsteinen und die „Deutschland“, auf der sich sogar eine Bundeskegelbahnanlage befand. Die „Deutschland“ wurde 2011 an die Saar verkauft.

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Von Redakteur Britta Eichner-Ramm

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