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Sinti und Roma feiern ausgelassen ihre Kultur

Protest gegen Abschiebung Sinti und Roma feiern ausgelassen ihre Kultur

Mit einem Kulturfestival in Göttingen endete das Bundesjugendtreffen Terne („junge“) Sinti und Roma, das vom 10. bis 13. September in Duderstadt stattfand.

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Reigentanz auf dem Wochenmarkt: Der Saxophonist des Orchester Global Izi spielt auf. Noch sind die Männer unter sich.

Quelle: Heller

Balkan-Beat-Rhythmen hallen über den Wochenmarkt. Junge Sinti und Roma tanzen in einem Reigen vor der Bühne, auf der das Orchester Global Izi spielt. 120 junge Menschen aus Deutschland waren nach Südniedersachsen gekommen – doppelt so viele wie beim ersten solchen Treffen 2009 in Berlin. Hinzu kamen weitere 36 Jugendliche aus Bulgarien, Polen, Tschechien und Ungarn vom Projekt „Roma im Rampenlicht, im Fadenkreuz und unter der Lupe“.

„Wir möchten die Ausgrenzung überwinden und unsere Kultur präsentieren“, erklärt Kenan Emini vom Roma Center Göttingen, der das Treffen gemeinsam mit dem Verein Amaro Drom („Unser Weg“) organisiert hat. „Wir kommen an“, meint Emini zufrieden und schaut in die Runde. 200 Menschen haben sich versammelt. Einige Zuschauer, Angehörige der Mehrheitsgesellschaft, werden von den jungen Tänzern in den Reigen hineingezogen und mühen sich, die richtigen Schritte zu machen.

Der Saxophonspieler, der für seine langen Soli viel Applaus bekommt, steigt von der Bühne. Einer der Roma-Tänzer bindet ihm die blau-grüne Fahne der Volksgruppe mit dem roten Wagenrad um den Kopf. Die Stimmung ist ausgelassen. Dann hat eine Theatergruppe ihren Auftritt. Das Stück handelt von einer Gruppe Männer, die alle hinter einer jungen Frau im bunten Paillettenkleid her sind. Es kommt zu einer Auseinandersetzung. Fäuste werden geschwungen. Die Mutter schreitet ein und lässt die Männer Karten ziehen. Nach einem Blick aufs Blatt jagt sie einen nach dem anderen davon. Es bleibt der jüngste und hübscheste Roma übrig, was wohl im Interesse der Braut liegt. Die Hochzeit der beiden wird lebhaft gefeiert. Echte Banknoten fliegen durch die Luft.

Mittlerweile haben Roma-Künstler aus Polen ihre Werke in einem Zelt aufgebaut. Veranstalter Emini ergreift das Wort. Der gebürtige Kosovo-Roma spricht sich gegen die Abschiebung seiner Landsleute aus. Das Treffen wurde unter anderem von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ gefördert.

Von Michael Caspar

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