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Sitz-Demo am Max-Planck-Gymnasium Göttingen

Protest gegen Boykott der Lehrer Sitz-Demo am Max-Planck-Gymnasium Göttingen

Lange haben sie es hingenommen, jetzt protestieren immer mehr Schüler gegen den Klassenfahrten-Boykott der Lehrer in Niedersachsen. Mit einer mehrstündigen Sitz-Blockade im Foyer und Treppenhaus ihrer Schule forderten am Freitagvormittag Schüler am Göttinger Max-Planck-Gymnasium (MPG) ihre Lehrer auf, wieder Klassenfahrten zu begleiten.

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Mit einer Sitz-Demonstration im Max-Planck-Gymnasium kämpfen Schüler um ihre Klassen- und Kursfahrten.

Quelle: Schubert

Göttingen. Eine 8. Klasse am Hainberg-Gymnasium (HG) ärgert sich zudem in einem Brief an das Tageblatt, dass der Boykott von den Lehrern ihrer Schule härter umgesetzt werde als in anderen Schulen und sogar Austausch-Fahrten ausfallen. Auch in den Schulkonferenzen protestieren zunehmend Eltern gegen den Klassenfahrt-Boykott.

„Wir sind nicht Eure Geiseln“ steht auf einem der vielen Plakate, und immer wieder skandieren die meist älteren Schüler: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Fahrten klaut.“ Sie sitzen auf wärmenden Stoffbahnen, die sie extra ausgelegt haben. Die Stimmung schwankt zwischen Happening und Wut.

Und die richte sich eigentlich gar nicht gegen die Lehrer, sondern viel eher gegen die niedersächsische Landesregierung, erklärt Tinja Baljhas von der Schülervertretung (SV). Mit der Entscheidung, dass Gymnasiallehrer seit Beginn des Schuljahres eine Unterrichtsstunde pro Woche mehr geben müssen und allen Lehrern zugesagte Alterszeitermäßigungen genommen wurden, seien die Lehrer in den Boykott gedrängt worden.

Dennoch sei es unfair, „dass wir Schüler darunter leiden müssen“, ergänzen die SV-Mitglieder Friederike Feindt und Antonia Schwiedernoch. Was sie zusätzlich ärgert: Der Boykott werde an anderen Schulen von einzelnen Lehrern unterlaufen.

Bildung leidet

Schon vor der Umsetzung im Sommer hatten die Lehrer an mehr als der Hälfte der 265 Gymnasien in Niedersachsen ihren Klassenfahrtenboykott angekündigt und darauf verwiesen, dass Fahrten freiwillige Überstunden sind und oft von ihnen selbst bezahlt werden müssten. Seit Sommer machen sie Ernst. I

n Südniedersachsen beteiligen sich alle Gymnasien – mit unterschiedlicher Ausprägung. Am MPG und an den meisten anderen Gymnasien sind nur Klassen- und Kursfahrten betroffen. Austausche, Kennenlern-Fahrten in den fünften Klassen und unterrichtsbezogene Projektfahrten sind ausgenommen. Am HG boykottieren die Lehrer auch Austauschfahrten – zum Beispiel nach Spanien.

Aber „gerade weil das HG eine Unesco-Projektschule ist, findet ein Großteil der Schüler- und Elternschaft das nicht gut“, protestiert eine 8. Klasse in einem Brief an das Tageblatt. Das gehe zu weit, „weil so auch unsere Bildung darunter leidet“.

Auch darüber hinaus seien Fahrten wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung und das soziale Miteinander in den Klassen, ergänzen die MPG-Schüler am Freitag während ihres Sitzstreiks. Schulleiter Wolfgang Schimpf hat Verständnis für die Aktion: Das sei eine Form der Demokratiewahrnehmung, auf die auch Schüler ein Recht hätten.

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