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Skaterpark und Anbau an S-Arena gefährdet?

Göttingen Skaterpark und Anbau an S-Arena gefährdet?

Es ist paradox: Weil die Stadt Göttingen aus Landessicht nicht mehr als arm gilt, sind ihr geplanter Sportpark mit Parkour-Anlage und ein Anbau an ihre Sport-Arena gefährdet. Der Bund wollte das Projekt mit gut zwei Millionen Euro fördern - aus einem Topf für arme Kommunen. Jetzt könnte sich der Zuschuss halbieren.

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Quelle: Hinzmann/Archiv

Die Freude war groß, als Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) und Kämmerer Hans-Peter Suermann am Montag verkündeten, dass die Stadt jetzt offiziell aus dem Armenstatus heraus ist. Vor fünf Jahren hatte das Land Niedersachsen der finanzschwachen Stadt kräftig unter die Arme gegriffen und alle Schulden bis dato übernommen. Zugleich hatte sich Göttingen in einem Zukunftsvertrag mit zehnjähriger Laufzeit zu höchster Sparsamkeit verpflichtet. Damit galt die Stadt als „dauerhaft nicht leistungsfähig“ - sprich: arm. Inzwischen hat sich ihre Lage gebessert, und überraschend hat das Land Anfang der Woche offiziell festgestellt, dass sie wieder dauerhaft leistungsfähig ist.

Inzwischen zeichnet sich aber ab, dass diese frohe Botschaft auch negative Folgen haben könnte. Es gibt Projekte, die mit Landes- und Bundeszuschüssen gefördert werden sollen. Voraussetzung: bestätigte Armut. Jetzt fürchten städtischen Finanzexperten und Politiker, dass noch nicht bewilligte Projekte nicht mehr oder mit geringeren Beträgen bezuschusst werden. Dann müsste die Stadt die ausbleibende Summe selbst tragen oder das Projekt stoppen. „Da hat das Land uns mit der neuen Einstufung vielleicht einen Bärendienst erwiesen“, sagte CDU-Ratsher Hans Otto Arnold. Er fürchtet, dass gute, aber teure Projekte jetzt im rat neu bewertet werden müssen – und dabei konkurrieren könnten.  

Zurzeit versucht die Verwaltung zu ermitteln, welche Projekte betroffen sind. Das könnte auf den geplanten Sportpark mit Erweiterung der S-Arena auf dem Schützenplatz zutreffen, räumte Suermann im Finanzausschuss des Rates ein. Die Göttinger Sport und Freizeit GmbH (GöSF) will dort neben einer Skater-Anlage einen großen Parkour- und Bike-Park anlegen. Zugleich will die GöSF an die S-Arena anbauen und damit den vorhandenen Mehrzweckraum vergrößern. Damit soll auch das Gesamtareal aufgewertet werden. 2,27 Millionen Euro sind dafür veranschlagt, 90 Prozent davon sollen aus dem Bundeprogramm zur „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ kommen – also 2,04 Millionen Euro. Zu 90 Prozent werden aber nur arme Kommunen unterstützt, andere bekommen 45 Prozent. Trifft das jetzt auf Göttingen zu, müsste die GöSF zusätzlich 860000 Euro auftreiben.

Umstritten ist, ob der Sportpark-Antrag als bewilligt gilt oder nicht. Formal werde der Antrag erst in Kürze gestellt, sagte der Leiter der Kämmerei, Burkhard Fuchs. „Wir sind in engen Abstimmungsgesprächen mit dem Bundesbauministerium und arbeiten erst einmal weiter wie bisher“, ergänzte GöSF-Chef Alexander Frey. Der SPD-Bundesabgeordnete Thomas Oppermann geht davon aus, dass Sportpark sowie Arena-Erweiterung abgesichert sind – inklusive hoher Förderung. Der Haushaltsausschuss des Bundestages habe den Beschluss dazu bereits im vergangenen Dezember gefällt. Maßgeblich für die Höhe der Fördersumme dürfte der Zeitpunkt dieses Beschlusses sein – auf Basis der bisherigen Finanzlage der Stadt. Er habe am Freitag aber auch den Staatssekretär Werner Gartzer im Bundesfinanzministerium gebeten, die Sachlage zu prüfen. Oppermann hatte den Sondertopf für Sportstättenförderung im vergangenen Jahr mit initiiert und für Göttingen geworben.

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