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Sonderausstellung im Städtischen Museum

Göttinger Stadtgeschichte des 16. Jahrhunderts Sonderausstellung im Städtischen Museum

Ein Jahr lang haben sich die Mitarbeiter des Städtischen Museums Göttingen zusammen mit vielen Kooperationspartnern dem Thema Reformation gewidmet. Ab Sonntag, 9. April, gibt nun die Sonderausstellung "1529 - Aufruhr und Umbruch" auf 400 Quadratmetern Einblicke in dieses Kapitel der Stadtgeschichte.

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Quelle: Hinzmann

Eröffnung

Göttingen. Die Ausstellung wird erstmals Sonntag, 9. April, von 11 bis 17 Uhr im Städtischen Museum, Ritterplan 7-8 zu sehen sein.

Es ist der 24. August im Jahre 1529. Eine Prozession schlängelt sich durch die Straßen Göttingens. Gottes Hilfe soll die Bewohner der Stadt vor der tödlichen Seuche, die "Englischer Schweiß" genannt wird, bewahren. So hat es der Rat beschlossen. Plötzlich auf Höhe der Pauliner Kirche kommt es zum Tumult: Eine Gruppe Gläubiger um die Handwerkergilde der Neuen Wollenweber stimmt ein Kirchenlied Martin Luthers (1483-1546) in deutscher Sprache an. Der Geistliche, der noch versucht, mit lauter Orgel dagegen anzuspielen, wird übertönt. Die Refomation ist für jedermann deutlich hörbar in Göttingen angekommen - zwölf Jahre nach der Veröffentlichung der Thesen Luthers.

Die Ausstellung zur Reformation wurde im Städtischen Museum eröffnet.

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Stadt nie besucht

"Das ist keine Luther-Ausstellung", erklärt Ernst Böhme, Leiter des Städtischen Museums am Donnerstag während der Präsentation der Ausstellung. Der Reformator habe die Stadt nie besucht. Hier gehe es vielmehr um ein Stück Stadtgeschichte. Besucher sollen ihre Stadt im 16. Jahrhundert kennenlernen, ergänzt Kuratorin Andrea Rechenberg. In Zusammenarbeit mit über 30 Partnern habe man viele Exponate zusammentragen und multimedial ins rechte Licht setzen können. Darunter 60 Objekte, die noch nie ausgestellt waren.

Eines davon ist ein kleines Heftchen, das recht unscheinbar in einer Vitrine liegt. "Christiliche Ordeninge der Stadt Göttingen" mit einem Vorwort Luthers ordnet ein Jahr nach der eskalierten Prozession die Kirchenlandschaft neu und gibt die Auflösung der Klöster bekannt. Zuvor hatte am 3. November 1529 der Rat der Stadt in einem Vertrag die Umsetzung des neuen Glaubens festgelegt.

App und Audiostationen

Erstmals wurde für eine Ausstellung des Städtischen Museums eine App entwickelt. Die Quiz-App Minerva Quiz Tours steht als kostenlosen Download zur Verfügung und wendet sich vorrangig an junge Besucher. Zusätzlich bieten eigens aufgebaute Audiostationen nähere Informationen zu den Exponaten. Zu hören sind Experteninterviews mit den an der Ausstellungsvorbereitung beteiligten Wissenschaftlern. Diese werden außerdem live bei einer Vortragsreihe, die am 23. April, jeweils um 15 Uhr startet, zu hören sein.

"Wie in vielen Gegenden wirkte die Reformation auch in Göttingen als Brandbeschleuniger für vorhandene Konflikte", erklärt Böhme. Und so änderten sich die politischen Verhältnisse in den folgenden Jahren in Göttingen deutlich. An Stelle der mächtigen Geschlechter der Großkaufleute drängten die Handwerksgilden in den Rat einer Stadt, die zu damaliger Zeit bereits 4000 Einwohner, fünf Kirchen, drei Klöster, zwei Kapellen und drei Spitäler hat. Diese Entwicklungen zeichnet die Ausstellung "1529 - Aufruhr und Umbruch" ebenso nach, wie beispielsweise die sprachliche Entwicklungen oder die Bildungsbedingungen in Göttingen.

"Wir haben es genossen, mal wieder richtig in die Stadtgeschichte einzusteigen", sagt Rechenberg am Donnerstag vor Journalisten. Sie beschreibt die Arbeit als sehr aufwändig, die Informationsvielfalt sei groß gewesen. Zustimmend fügt Böhme an: "Die Zeit ist uns so fern, dass man eigentlich alles erklären muss." Anders als bei Sonderausstellungen der vergangenen acht Jahre sei man dabei nicht auf die Fläche von 60 Quadratmetern im Erdgeschoss begrenzt gewesen. Die Dauerausstellung zur Kirchenkunst im Obergeschoss wurde in die Sonderausstellung integriert.

Damit Besucher die Menge an Informationen auch in kleineren Happen konsumieren können, bietet das Museum besondere Vergünstigungen. Wer nicht alles mit einer Besichtigung schafft, kann zum halben Preis wiederkommen. Die dritte Wiederholung ist sogar konstenlos.Die Ausstellung wird ab Sonntag, 9. April, im Städtischen Museum, Ritterplan 7-8 zu sehen sein. Geöffnet ist bis zum 31. Dezember dienstags bis freitags 10-17, sonnabends und sonntags 11 bis 17 Uhr. Weitere Informationen unter museum-goettingen.de

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