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Sonnenfinsternis in Südniedersachsen für 139,58 Minuten

Seltenes Phänomen Sonnenfinsternis in Südniedersachsen für 139,58 Minuten

Zwei Minuten und 47 Sekunden dauert die Totalität zwischen Island und Skandinavien: Am Freitag, 20. März, kommt es zu einer Sonnenfinsternis, die auch in Südniedersachsen für die Dauer von 139,58 Minuten für teilweise Dunkelheit sorgen wird. Astrophysiker Axel Wittmann hat die in Göttingen beobachtbare Sonnenfinsterns berechnet und erklärt, warum diese so besonders ist. Ob die Wolken einen Blick auf die Sonne zulassen, steht noch in den Sternen. Sicher ist, ohne eine Schutzbrille ist das Beobachten gefährlich.

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Quelle: Pleul/dpa

Göttingen. Sonnenfinsternisse sind selten, totale Verdunkelungen der Sonne noch seltener: Die partielle Sonnenfinsternis am Freitag hat etwas, was nur jede 239. dieser Konstellationen von Erde und Mond zu bieten hat. „Das Besondere an dieser

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Finsternis ist, dass Sonnenfinsternisse, die genau am Tag des Frühlingsanfangs stattfinden, extrem selten sind: Von den insgesamt 7170 Sonnenfinsternissen, die in der Zeit vom Jahr 0 bis zum Jahr 3000 stattgefunden haben beziehungsweise noch stattfinden werden, finden nur 101 innerhalb von 2 Grad um den Frühlingspunkt statt, und von diesen sind nur 30 total“, erklärt Astrophysiker Axel Wittmann, ehemaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Astrophysik der Universität Göttingen. Im Mittel ist  nur jede 239. Sonnenfinsternis im Frühlingspunkt und (irgendwo auf der Welt) total. Und somit wird nächste Woche ein besonderes Himmelsschauspiel zu erleben sein.

Nach Angaben von Wittmann  läuft bei einer Sonnenfinsternis der Mond vor der Sonnenscheibe vorbei und wirft aus 357900 km Entfernung vom Erdmittelpunkt seinen Schatten auf die Erde. In einem Streifen des nördlichen Atlantik nahe Spitzbergen verläuft die Sonnenfinsternis als totale Finsternis mit einer Totalitätsdauer von knapp 3 Minuten.

In Göttingen ist die Sonnenfinsternis nur als partielle Finsternis beobachtbar: Sie beginnt um 9.34 Uhr, erreicht mit einer Bedeckung: von 75,78  Prozent der Fläche der Sonnenscheibe um 10.42 Uhr ihre größte Phase und endet um 11.53 Uhr. Die für den Ort der Historischen Sternwarte in Göttingen von Wittmann, der auch Vorsitzender der Göttinger Gauß-Gesellschaft ist, berechnete Dauer der Finsternis beträgt 139,58 Minuten.

Nur alle 375 Jahre eine totale Sonnenfinsternis

Im dem sich gegen den Horizont drehenden, nur im Süden parallel zum Horizont verlaufenden Äquatorsystem verläuft die Bahnbewegung des Mondes unter einem Winkel 23 Grad gegen den Himmelsäquator, und im System des Beobachters um 4 Grad gegen die Horizontebene geneigt von rechts nach links über die Sonnenscheibe. Die von Wittmann angefertigte Himmelsansicht zeigt den  Moment der größten Bedeckung in Göttingen um 10.42 Uhr. „Die Sterne sind echt, aber der Himmelshelligkeit wegen natürlich nicht sichtbar“, erläutert der Astronom. Sollte das Wetter mit einem wolkenlosen Himmel mitspielen, warnt Wittmann davor, „die Finsternis mit ungeschützten Augen oder gar durch ein Fernglas zu beobachten“.

Und sollte es mit dem freien Blick auf die Sonne nicht klappen, ist die nächste von Mitteleuropa aus beobachtbare partielle Sonnenfinsternis  am 10. Juni 2021 zu erwarten. Nur alle 375 Jahre findet an jedem gegebenen Ort auf der Erde eine totale Sonnenfinsternis statt. „In Bezug auf ganze Länder hängt die Häufigkeit von deren Größe und Lage ab: Die letzte in Deutschland sichtbare totale Sonnenfinsternis war am 11. August 1999, die nächste wird am 7. Oktober 2135 stattfinden: Dann wird die totale Phase im Stadtgebiet von Hamburg um 8.32 Uhr beobachtbar sein“, erklärt  Wittmann, der mit seiner 27-seitigen astronomischen Rechnung die Hamburger Dunkelheit in 120 Jahren auf die Minute vorhersagt.

Von Angela Brünjes

In 120 Jahren kann die Nachwelt eine totale Sonnenfinsternis erleben. Für Mathe-Fans:

 

Keine Sonnenfinsternis ohne Schutzbrille

Göttingen. Keine Sonnenfinsternis ohne Schutzbrille. Denn: „Die UV-Strahlung kann die Hornhaut des Auges, ähnlich wie bei einem Sonnenbrand,  verbrennen. Nur wenige Sekunden reichen beim direkten Blick in die Sonne aus, um eine Reizung hervorzurufen, die sich zu einer Entzündung ausbauen kann“, sagt Meik Dittmann, Augenoptikermeister bei Brillen Nieger in Göttingen.

Zwar gibt es in seinem Geschäft keine Brillen zu kaufen – der Großhändler sei bereits ausverkauft – ein ungeschützter Blick in die Sonne sollte seinem Rat nach aber unter allen Umständen vermieden werden. Eine Sonnenfinsternis-Brille besteht aus einer Schutzfolie mit einer speziellen Silberbeschichtung und einem großen lichtundurchlässigen Papprahmen.

„Im Gegensatz zu einer normalen Sonnenbrille reflektiert die spezielle Schutzfolie der Sonnenfinsternis-Brille die schädlichen UV-Strahlen. Auch eine Sonnenbrille mit einer modischen Verspiegelung kann die Funktion einer Sonnenfinsternis-Brille nicht ersetzen“, so der Fachmann.

Noch einige „Vorhalter“ für die Sonnenfinsternis hat das Geschäft Look-and-See in der Kurzen Geismarstraße auf Lager. „Die erfüllen optisch den gleichen Zweck wie eine Brille, müssen aber gehalten werden“, sagt Mitarbeiterin Kira Marx.

Eine Mitarbeiterin von Fiel­mann in der Weender Straße berichtet, dass die für die Optiker-Kette gelieferten Brillen nicht der Norm entsprochen hätten und daher an den Her­stel­ler zurückgingen. Deshalb gibt es auch hier keine Brillen, so wie in vielen anderen Optiker-Geschäften.

Ebenfalls Vorhalte-Mo­delle, und davon rund 100 Stücke, hat Optik-Frentzen an der Han­noverschen Straße auf La­ger. Ebenso wie bei Look-and-See werden die Brillen gratis aus­ge­ge­ben. Die Filialen Sehenswert, Jüden­straße, und Au­gen­optik am Theater, Theater­platz, kön­nen laut eigenen Angaben Schutz­brillen bestellen und diese in­nerhalb weniger Tage liefern.

Sattler Optik in Duderstadt, an der Mark­tstraße hat 15 Brillen be­stellt, die voraussichtlich  am Sonn­abend, 14. März, geliefert wer­den. Aufgrund ver­mehr­ter Anfragen bestellt auch das Team von „Berndt die Optik“ in Hann. Mün­den, Lange Straße,  meh­rere Pappbrillen, die voraus­sicht­lich ab Dienstag, 17. März, dort er­hält­lich sind.

bib/bl

 
Wolkenlücken möglich

Göttingen /Offenbach. Wettervorhersagen mit einer Woche Vorlauf sind selten präzise. Auch mit Blick auf den Tag der Sonnenfinsternis am Freitag, 20. März, ist das der Fall. „Wir haben zur Zeit nur ein Modell vorliegen, und zwar das mittelfristige Vorhersagemodell aus Redding“, sagt Meteorologe Simon Trippler vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach.

Demnach gibt es eine Chance auf klaren Himmel, aber eine bislang noch sehr unsichere. Vorhergesagt ist eine „teils geringe, teils wechselnde Bewölkung“, so Trippler. Bei der derzeitigen Wetterlage aber sei eine Vorhersage über den kommenden Mittwoch hinaus „sehr unsicher“. Der Trend zeige nur, dass Wolkenlücken möglich sind. „Das kann aber noch in alle Richtungen gehen“.

Bei der Temperatur, so DWD-Presssprecher Uwe Kirsche, könne man schon einmal eine Woche voraus schauen, „bei Wolken trauen wir uns das nicht“.

 
Sonderführung mit Blick durchs Teleskop

Die Zeiten variieren: Auf dem Nordcampus beginnt am Freitag, 20. März, die partielle Sonnenfinsternis um 9.33 Uhr und damit eine Minute früher als am Standort der historischen Sternwarte an der Geismar Landstraße. Im Institut für Astrophysik der Universität Göttingen, Friedrich Hund-Platz 1, ist die Plattform des Instituts von 9.30 bis 12 Uhr geöffnet.

Bei klarem Himmel können alle Interessierten die Sonnenfinsternis dort mit Spezialbrillen und Spezialteleskopen des Instituts gefahrlos verfolgen. Außerdem erläutern Mitarbeiter des Instituts in einem Kurzvortrag, wie Sonnen- und Mondfinsternisse entstehen.

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