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Mehr Glücksspiel- und Internetsüchtige

Rundt besucht Göttinger Drogenberatung Mehr Glücksspiel- und Internetsüchtige

„Wir sind erheblich unter Druck“, erklärte Fachstellenleiterin Sieglinde Bulla vom Drogenberatungszentrum Göttingen. Ihr Appell richtete sich beim gemeinsamen Gespräch an die Niedersächsische Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD). Dabei ging es um Informationen, aber auch um Geld.

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Im Gespräch: Siglinde Bulla, Gabriele Andretta und Cornelia Rundt (von links).

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Die Ministerin besuchte am Montag mit der Landtagsabgeorneten Gabriele Andretta (SPD), Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) und Landrat Bernhard Reuter (SPD) die Einrichtung. Die Personalkosten müssten an die Tarifverträge der Länder angepasst werden, erklärte Jörg Mannigel, Geschäftsführer des Diakonieverbandes. Der Verband trägt 25 Prozent der Kosten des Drogenberatungszentrums. Wenn nichts geschehe, habe die Beratungsstelle Probleme, in die Zukunft zu gehen und müsse sich von einigen Angeboten verabschieden, sagte Mannigel.

Zusammen soll nach Lösungen gesucht werden: „Wir sind gemeinsam hier, um Ansatzpunkte zu finden“, sagte Gabriele Andretta. Rundt betonte, dass die Landesregierung während der vergangenen Jahre versucht habe, in vielen sozialen Bereichen die Zuwendungen zu steigern. „Wir reden nicht über Kürzungen, sondern über weitere Steigerungen“, erklärte die Ministerin.

Auf der Suche nach Synergieeffekten informierten die Drogenberater die Politiker und sprachen dabei auch neue Herausforderungen an. Eine sei es, Drogenabhängigen altersentsprechende Angebote zu bieten, weil die Abhängigen immer älter würden. Eine neue Herausforderung seien auch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge: Es sei nicht einfach, sie zu erreichen und in den Beratungsbereich hineinzubekommen, sagte Bulla. Dafür gebe es kein einheitliches Konzept und große Unterschiede zwischen den Nationalitäten.

Außerdem habe die Sucht in den Bereichen Glücksspiel und Internet stark zugenommen und sich seit 2008 verfünffacht. Besonders betroffen sei die Gruppe der 25- bis 35-Jährigen, überwiegend „auffällig viele Menschen mit Migrationshintergrund“, erklärte Uta Dörmann, die bei der Drogenberatung für diesen Bereich zuständig ist.

Obwohl laut Rundt präventive Mittel erhöht worden sind, habe dies für die Basisarbeit wenig Auswirkungen. Das Geld gehe vor allem an Krankenkassen und medizinische Einrichtungen und nicht an die Beratungsstelle. „Die Medizin behält die Leute gern im eigenen System“, erklärte Bulla. Das Göttinger Drogenberatungszentrum habe mehrere Kostenträger, doch Mannigel warnte: „Selbst die Absicherung auf vielen Schultern schafft irgendwann den Dreisatz nicht mehr.“

Göttinger Drogenberatungszentrum

Das Drogenberatungszentrum berät und behandelt Suchtkranke, Suchtgefährdete und deren Angehörige. Dazu arbeitet ein multidisziplinäres Team in aufeinander bezogenen Fachdiensten. Unter dem Motto „Sucht kann jeden treffen“ beraten und helfen die Mitarbeiter bei den Themen Alkohol und Medikamente, Drogen, Glücksspiel und Spielsucht. Breit aufgestellt ist das Beratungszentrum auch bei der Suchtprävention und bietet außerdem Programme zur Rückfallvorbeugung und zur Selbstkontrolle an. Das Drogenberatungszentrum in der Mauerstraße 3 b ist unter Telefon 0551/45033 zu erreichen, die Beratungs- und Behandlungsstelle in der Schillerstraße unter Telefon 05 51 / 7 20 51 und die Beratungs- und Behandlungsstelle in Hann. Münden in der Ziegelstraße 16 unter Telefon 0 55 41 / 98 19 20.

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