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Späte Suche nach dem hilfsbereiten Autofahrer

Nach der Grenzöffnung Späte Suche nach dem hilfsbereiten Autofahrer

Seit 20 Jahren möchte sich Diana Oesterheld bei einem hilfsbereiten Autofahrer bedanken. Er hat die gebürtige Thüringerin und ihren Bruder am Abend des 10. November 1989 von Göttingen nach Bad Sooden-Allendorf gefahren.

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Hat der hilfsbereite Autofahrer hier getankt? Diana Oesterheld weiß es nicht mehr genau.

Quelle: Jan Vetter

„Wir waren damals so hilflos“, erinnert sich Diana Oesterheld (37) an jenen Novemberabend. Am Vortag war die innerdeutsche Grenze gefallen. Tausende Ostdeutsche fuhren in den Westen. Auch Oesterhelds Bruder, damals 17 Jahre alt, hielt nichts mehr im heimatlichen Leinefelde.  Gemeinsam mit seiner Schwester, die tagsüber noch gearbeitet hatte, fuhr er nachmittags mit dem Bus zum Grenzübergang Teistungen. 

Dort stauten sich die Trabis und Wartburgs in einer endlosen Schlange. Ein ostdeutsches Paar nahm die Geschwister bis Göttingen mit. An einer Telefonzelle in der Nähe einer Aral-Tankstelle stiegen sie aus. Wo genau das war, weiß Oesterheld nicht mehr. Sie vermutet, dass es die Tankstelle an der Reinhäuser Landstraße gewesen ist. „Wir wollten bei unseren Verwandten in Bad Sooden-Allendorf anrufen“, erzählt sie.

Freundlicher Kombifahrer

Zur Überraschung der Geschwister stand die hessische Stadt nicht im Telefonbuch. Mittlerweile war es dunkel geworden. Ein Autofahrer sah die ratlosen Jugendlichen, sprach die beiden an und fuhr sie dann kurzentschlossen zur Tante in den Werra-Meißner-Kreis. Wie der Mann aussah, kann Oesterheld nicht mehr genau sagen. Er war gut 1,80 Meter groß und weder auffällig dick noch dünn. Ob er einen Bart hatte oder eine Brille trug, weiß Oesterheld nicht mehr. Auch die Automarke hat sie sich nicht gemerkt. Sie weiß allerdings noch, dass es ein Kombi war. Der Mann erzählte von seinem Hund. 

In Bad Sooden-Allendorf schrieb der hilfsbereite Autofahrer seinen Namen und seine Telefonnummer auf und fuhr davon. Die Tante rief am nächsten Tag an, bedankte sich und warf den Zettel dann weg. 1996 ist sie gestorben. In all den Jahren dachte Oesterheld oft an jenen Abend zurück. Gerne würde sie sich noch einmal persönlich bedanken. Es ärgert sie, dass der Mann vielleicht denken könnte: „Die haben sich nie wieder gemeldet.“ 

Die Leinefelderin schloss in der DDR noch ihre Ausbildung zur Facharbeiterin für Schreibtechnik in der VEB Baumwollspinnerei ab. Im Oktober 1990 bekam sie eine Stelle als kaufmännische Angestellte in einem Witzenhäuser Möbelgeschäft, wo sie bis heute tätig ist. Sie hat zwischenzeitlich geheiratet und zwei Kinder. 

Diana Oesterheld ist über das Tageblatt unter der Telefonnummer 0551/901-766 zu erreichen. 

Von Michael Caspar

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