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Spendenflut und Raumnot

Göttinger Tafel Spendenflut und Raumnot

Neue Räume für die Göttinger Tafel sind nicht in Sicht. Die Pläne der sozialen Einrichtung, die Räume des ehemaligen Plus-Marktes im Cheltenhamhaus in der Friedrichstraße zu kaufen, haben sich gestern zerschlagen. 

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Großspende von der Bäckerei Ruch: Herbert Flügge von der Tafel nimmt die Lebensmittel von Holger und Thosten Ruch entgegen.

Quelle: Vetter

Die aus rund 50 Mitgliedern bestehende Eigentümerversammlung lehnt einen Kauf der leerstehenden Räume durch die Tafel ab. „Die fünf Eigentümer der Räume waren mit dem Kauf einverstanden“, sagt Tafel-Schatzmeister Herbert Flügge.

Umso tiefer enttäuscht sei er nun über die Entscheidung der übrigen Eigentümer. Seit mehr als einem Jahr hatte die Tafel nach geeigneten Räumen – 350 bis 400 Quadratmeter plus 100 Quadratmeter Keller, möglichst innerhalb des Walls – gesucht. Der ehemalige Supermarkt sei nach einigen baulichen Veränderungen gut geeignet, erläutert Flügge.

Das gestrige Nein hatte sich bereits Ende April abgezeichnet. In einem Brief an die Eigentümer des Cheltenhamhauses schreibt der Beirat der Eigentümergemeinschaft, bestehend aus Steffen Stern, Dorothea Schlick und Thomas Schmidt, dass zu befürchten sei, dass sich nach Einzug der Tafel deren Besucher sowohl vor dem Haus als auch in der Passage aufhalten, „um Wartezeiten zu überbrücken und zum Kommunikationsaustausch“. „Ähnliche Probleme kennen wir aus vergangenen Jahren und sind froh, dass es unter großen Anstrengungen gelungen ist, die Passage wieder in einem sauberen, einwandfreien Zustand zu bringen“, heißt es in dem Brief.

Zudem hätten „eine Reihe der gewerblichen Eigentümer“ angekündigt, ihr Geschäft aufzugeben, da mit Umsatzeinbußen zu rechnen sei. Mieterkündigungen werden zudem befürchtet. Gewerbetreibende aus der Nachbarschaft sähen „drastisch“ sinkende Ladenmieten. Der Beirat betont in seinem Schreiben aber, dass er die Einrichtungen der Tafeln als „ganz wichtige, soziale Einrichtungen für bedürftige Menschen“ erachte. „Es muss uns aber auch um den Werterhalt und das Wohl der gesamten Eigentümergemeinschaft gehen, die in der Erwartung in eine Immobilie investiert hat, keine hohen Werteinbußen zu erleiden.“ Der Beirat und die Hausverwaltung waren gestern zu einer Stellungnahme zur Absage an die Tafel nicht zu erreichen.

Jetzt sollen es 7,3 Tonnen sein

Dabei hatte der gestrige Freitag zunächst mit einer guten Nachricht für die Göttinger Tafel begonnen: Mehr als 1,5 Tonnen haltbare Lebensmittel hat die Bäckerei Ruch zur laufenden Stadtwette (Tageblatt berichtete) beigesteuert. Damit sind rund vier Wochen vor dem Ende der Wette die 3,7 Tonnen erreicht. Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) hatte zum Bundestafeltreffen Mitte Juni gewettet, dass die Göttinger bis dahin diese Menge an Lebensmittel zugunsten der Tafel spenden. Meyer hat inzwischen reagiert, um privaten Initiativen jetzt nicht die Motivation zu nehmen: Er wettet nun, dass bis zum Treffen 7,3 Tonnen zusammenkommen. Die Spendenbereitschaft der Göttinger habe er offenbar unterschätzt.

Von Michael Brakemeier 

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