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Warnung vor „Islamischem Staat 2.0“

Christoph Reuter in Göttingen Warnung vor „Islamischem Staat 2.0“

Die gefährlichste Terrororganisation der Welt ist zurzeit der sogenannte Islamische Staat, meint Spiegel-Korrespondent Christoph Reuter. Die Organisation verdanke ihre Stärke ehemaligen Geheimdienstoffizieren des irakischen Diktators Saddam Hussein, erklärte der Journalist in Göttingen.

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Göttingen. „Nachdem die Amerikaner 2003 Saddam Hussein gestürzt hatten, lösten sie als erstes die Geheimdienste auf, entließen alle Soldaten, Polizisten und Karrierebeamten.“ Das berichtete der Islamwissenschaftler bei einer von Christian Röther moderierten Veranstaltung der grünen Stiftung "Leben und Umwelt" in der Alten Mensa vor 130 Zuhörern. Amerika habe sich so 400.000 in das alte System verstrickte, aber andererseits gut ausgebildete und fähige Menschen zu Feinden gemacht.

Einige dieser verbitterten Saddam-Anhänger, fand Reuter bei seinen Recherchen heraus, hätten sich den antiamerikanischen Dschihadisten von Al-Qaida angeschlossen. Die Islamisten seien zunächst misstrauisch gewesen, schließlich habe Saddam sie verfolgen lassen. Auch sei die religiöse Motivation der ehemaligen Saddam-Anhänger schwach. Sie hätten sich dann aber als „solide und umsichtig“ planende „Ingenieure des Terrors“ den Islamisten unentbehrlich gemacht.

„Weil die Geheimdienstoffiziere gewohnt waren, konspirativ zu arbeiten, wurden sie im Gegensatz zu den unvorsichtigeren Ideologen seltener von den Amerikanern gefasst“, führte Reuter aus. So hätten sie 2010 die Führung in der Organisation übernommen, die sich mittlerweile Islamischer Staat genannt habe. Der IS setze Terror und dessen mediale Inszenierung strategisch ein, um Kontrolle über ein Gebiet zu erlangen. Systematisch infiltriere die Gruppe eine Region, spioniere die Mächtigen aus, mache sich diese durch Bestechung, Erpressung oder Einschüchterung gefügig. Wer aufbegehre, werde gezielt ermordet. So habe der IS die Stadt Mossul mit ihren zwei Millionen Einwohnern übernommen.

„2012 breitete sich der IS in den sunnitischen, nicht mehr vom Assad-Regime kontrollierten Gebieten Syriens aus“, beobachtete der Korrespondent seinerzeit vor Ort. Als Kämpfer habe die Organisation auschließlich ausländische Dschihadisten rekrutiert. Derzeit sei der IS in der Defensive. Die Menschen in den befreiten Gebieten weinten ihm und seinen Geheimdienstmethoden keine Tränen nach. Andererseits sei die Zahl verbitterter Sunniten stark gestiegen. Sie würden sowohl vom Assad-Regime, als auch von den Schiiten im Irak „massiv diskriminiert“. Das sei die Basis für einen „Islamischen Staat 2.0“, warnte Reuter.

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