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Spiel nicht mit den Karten, sondern mit den Gegnern

Göttinger Vereinigung „Pokeras“ Spiel nicht mit den Karten, sondern mit den Gegnern

In der Weender Festhalle wurde geblufft und taktiert: Die Spielvereinigung Pokeras organisierte ein Pokerturnier mit rund 250 Personen.

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Chip-Stapel in der Weender Festhalle: Die besten Spieler pokern bis in die Nacht.

Quelle: Heller

Die Fenster der Weender Festhalle sind mit Tüchern verdunkelt. Abgeschirmt von der Nachmittags-sonne sitzen dort rund 250 Spieler – jeweils zu acht nehmen sie an einem der 30 Tische Platz. Manche haben auch im Düsteren ihre Sonnenbrillen auf. Andere versuchen stoisch zu verbergen, was in ihnen vorgeht. Denn: Es wird gepokert. Und eine wichtige Regel des Kartenspiels lautet: Man spielt nicht mit seinen Karten, sondern mit seinen Gegnern. 

Auf der großen Leinwand über der Bühne wird ein Countdown projiziert. Vorgegeben wird, wann an den Tischen erhöht wird. Nach ein paar Erhöhungen ist die Luft stickig, der Teppich dunstet alte Reste aus. „Ich geh gleich mit einem Ventilator durch die Halle“, sagt der Organisator Uwe Hildebrandt und lacht. Mit der Pokeras-Spielvereinigung Göttingen organisiert er seit Ende 2007 Turniere – anfangs mit 35 Teilnehmern. 2009 sieht das anders aus. Hildebrandt: „In Göttingen gibt es sonst pokermäßig nicht viel.“

Er trägt ein T-Shirt mit dem Emblem seiner Vereinigung: eine goldene Krone. „Online-Poker ist zwar schön, aber seinem Gegner in die Augen sehen zu können, ist doch faszinierender.“ Reich werden können die Spieler nicht. Der Gewinner erhält einen vergoldeten 500-Euro-Schein und das obligatorische „bracelet“, ein hartvergoldetes Armband mit Gravur. Das wird von anderen Pokerspielern mit einer gewissen Ehrfurcht betrachtet. 

„Texas Hold‘em“ heißt die Variante, die beim Turnier gespielt wird. Jeder Teilnehmer bekommt ein Startguthaben von 2500 Chips. Durch Taktieren, Bluffen und etwas Glück können die Chips vermehrt und die Gegner aus dem Turnier geworfen werden. In der Pause unterhalten sich die Spieler engagiert mit speziellem Vokabular über ihre Spiele. „Die anderen haben slow gespielt“, erklärt Gerrit Uhwald. Im Flop musste er mit seinem „small-stack“ „all-in“ gehen. „Und dann hatte der andere ein Drilling mit sieben.“ Kevin Harms sitzt neben ihm und schaut verwundert. „Das ist schon krass“, sagt Harms, „mit einem Top-Pair all-in zu gehen…“

Nur wenige Frauen

Nur die letzten beiden Teilnehmer am Tisch kommen in die nächste Runde. Sonja Lettich gehörte in der ersten Runde zu den Gewinnern. Nach vier Stunden Dauerkonzentration im Hallendunkel sind ihre Augen müde und die zehn Minuten Pause bis zur nächsten Runde viel zu kurz. „Männer können Frauen schlecht durchschauen“, sagt sie. Beim Turnier spielen nur sehr wenige Frauen mit: „Man hat quasi den Joker.“ „Profi?“ Sie lacht. „Ich pokere in Casinos und war auch schon mal in der Endrunde.“ Aber sich selbst Profi zu nennen, damit habe sie Schwierigkeiten. „Viele hier spielen auch in Casinos. An meinem Tisch saß noch einer.“ Um 23.15 Uhr ist das Turnier zu Ende, und der Sieger steht nach mehr als acht Stunden fest: Alexander Wilting zieht das Armband sofort an.

Von Florian Heinz

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