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Spielsüchtiger überfällt Spielhalle

Vor Gericht Spielsüchtiger überfällt Spielhalle

Bei der Entschuldigung weinen beide – das Opfer, das immer noch in stationärer Therapie ist, und der Täter, dem es „unendlich leid“ tue, was er getan habe. Aber „der Spieldruck“ sei „so groß“ gewesen.

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Quelle: dpa

Katlenburg/Göttingen. Deshalb habe er „keinen anderen Ausweg gesehen“, als die Spielothek zu überfallen, um mit dem erbeuteten Geld in anderen Spielhallen weiter seiner Sucht nachgehen zu können.

Seit Mittwoch, 29. August, steht der 37 Jahre alte Schwabe in Göttingen vor Gericht. Er ist voll geständig. Am 15. März dieses Jahres hat der gelernte Konditor, der lange als Fernfahrer unterwegs war, in Katlenburg-Lindau mit einer täuschend echt aussehenden Softair-Pistole eine 55 Jahre alte Spielhallenaufsicht überfallen, hat Geld gefordert, soll ihr laut Anklage gedroht haben, „ich knall dich ab“, dabei mit der Waffe auf ihr Knie gezielt haben, bis die Frau aus der Kasse 200 Euro und nach weiterer Drohung aus dem Safe weitere 850 Euro holte und ihm aushändigte.

Das alles gesteht der 37-Jährige freimütig. Nur mit „ich knall dich ab“ will er nicht gedroht haben, sondern lediglich damit, ihr ins Bein zu schießen. Er gibt gar zu, nicht 1050, sondern 1250 Euro erbeutet zu haben. Und er räumt alle weiteren vorgeworfenen Straftaten ein: die Unterschlagung eines BMW, den er eigentlich nur zur Probe hatte fahren sollen, und den vielfachen Tankbetrug in ganz Deutschland. Acht, zehn, vielleicht sogar zwölf Fälle seien es – angeklagt sind lediglich zwei.

Schon lange spielsüchtig

Der Mann von der schwäbischen Alb ist schon lange spielsüchtig. Als er als Fernfahrer entlassen wurde, weil er immer wieder während seiner Touren in Spielhallen einkehrte, begab er sich in Therapie. Eine 16-wöchige Spielsuchttherapie, sagt er, habe er „an Land gezogen“. Doch als er wieder zu Hause war und das Jobcenter von ihm forderte, er möge Hartz IV beantragen, wurde er sofort rückfällig. Er besorgte sich einen zum Verkauf stehenden BMW, gab vor, ihn kaufen und probefahren zu wollen, verschwand damit und fuhr immer, wenn der Tank leer war, bei Tankstellen vor, tankte voll und verschwand ohne Bezahlung.

Am Tattag war er in Northeim, hatte fast all sein Geld verspielt, fuhr nach Katlenburg, trank für 50 Cent einen Kaffee und warf dort seinen letzten Euro in den Automaten. Nachdem er auch diesen verloren hatte, griff er zur Pistole und erpresste jene 1250 Euro, die er schon wenige Tage später wieder verspielt hatte. Die Kaffeetasse allerdings wurde ihm zum Verhängnis. Seine DNA haftete daran. Und als er erfuhr, dass die Polizei ihn schon suchte, stellte er sich freiwillig. Der Prozess wird fortgesetzt.

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Vier Jahre Haft

Er muss wegen schwerer räuberischer Erpressung und Betruges für vier Jahre hinter Gefängnismauern. Vorher nutzte der 37 Jahre alte Schwabe in seinen letzten Worten vor Gericht die Chance und appellierte an den Gesetzgeber, Spielsucht als Krankheit ernst zu nehmen und gesetzlich etwas gegen immer mehr Spielstätten zu unternehmen.

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