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"Mit 20 fand ich Parteien spießig"

Spitzenkandidaten der Grünen stellen sich dem Nachwuchs "Mit 20 fand ich Parteien spießig"

Bis die Grüne Parteibasis demnächst über das Spitzenkandidaten-Duo für die Bundestagswahl entscheidet, reisen die Aspiranten derzeit von Redeschlacht zu Redeschlacht. In Göttingen haben sie sich am Freitag beim Bundeskongress der Grünen Jugend den Fragen des Parteinachwuchses gestellt.

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Cem Özdemir mit Anton Hofreiter, Moritz Heuberger (Grüne Jugend), Jamila Schäfer (Grüne Jugend) sowie Katrin Göring-Eckhardt und Robert Habeck auf dem Podium.

Quelle: Heller

Göttingen. Zu Beginn des "KandidatInnenchecks" mussten die Bewerber für die Spitzenkandidatur menschliches preisgeben: Während sich der Bundesvorsitzende Cem Özdemir kaum daran erinnern konnte, wie er mit 20 dachte, rief Robert Habeck es direkt heraus: "Damals fand ich Parteien spießig", berichtete der heutige Umweltminister aus Schleswig-Holsstein - und trotzte damit den rund 300 engagierten Jungpolitikern einiges Gelächter ab.

Tiefschürfender war der Eindruck, den Katrin Göring-Eckhardt hinterließ: Für die heutige Fraktionsvorsitzende war die Umweltkatastrophe von Tschernobyl das politische Erweckungserlebnis. Es folgte jahrelanges Engagement in Umwelt- und Bürgerrechtsbewegungen der DDR - trotz "Diktatur und Unfreiheit".

Die Brücke zur Gegenwart schlug Anton Hofreiter, ebenfalls Fraktionsvorsitzender: Der Bayer wurde bei den Anti-Atomprotesten in Wackersdorf politisch sozialisiert und schilderte: "Für einen 15-Jährigen war es etwas besonderes, zu sehen wie erwachsene Bayerinnen die Steine für die Antifa heranschleppten". "Wer hätte sich vorstellen können, dass wir daraus eine so breite Bewegung wie heute machen?" fragte er das ohnehin vom Aktivismus begeisterte Publikum. Und wurde mit tosendem Applaus belohnt.

Streitthema Gerechtigkeit

Gleiches gelang ihm beim Kernthema des Kongresses, der sozialen Gerechtigkeit: Zu Özdemirs Plädoyer für Bildungsgerechtigkeit und Aufstiegschancen ging er auf Distanz: "Auch der Maurer, der sich gegen ein Studium entschieden hat, hat verdammt nochmal ein gutes Leben verdient", sagte er - und punktete erneut. Daran änderte auch Göring-Eckhardts selbstkritische Haltung zur Agenda 2010 nichts. Diese hatte sie seinerzeit selbst mit durchgesetzt.

Radikaler trat vor allem Habeck auf: Er, als einziger mit Kaputzenpullover statt Jackett, wurde grundsätzlicher, sprach von "quasi-feudalen Zeiten" und prangerte zu niedrige Vermögens- und Erbschaftssteuern an. Der Zuspruch der großteils sehr links eingestellten Grünen Jugend war ihm sicher.

Keine "nationalistische Scheißpolitik"

Auf anderer Ebene sorgten sowohl "Fundis" als auch "Realos", wie man sie bei den Grünen nennt, für eine Enttäuschung beim Parteinachwuchs: Keiner der möglichen Spitzenkandidaten wollte eine Schwarz-Grüne Koalition auf Bundesebene ausschließen.

Doch Hofreiter machte mit Blick auf die CSU klar: "Wir werden nicht bereit sein, eine nationalistische oder rassistische Scheißpolitik mitzutragen." "Das will ich auch hoffen", entgegnete ihm Jamila Schäfer lakonisch - womit die Bundessprecherin der Grünen Jugend den größten Applaus des Abends einfuhr.

Von Christoph Höland

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