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Sportfischer starten am Grefenburg-See die Saison

Gewässer Sportfischer starten am Grefenburg-See die Saison

Rund 20 Angler haben sich um den kleinen See auf dem Berg Grefenburg bei Barterode versammelt. Sie starten in die neue Saison.

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Warten auf einen guten Fang: Heiko Artmann auf der Grefenburg. Der Sportfischer angelt etwa einmal die Woche.

Quelle: Heller

Der Weg gibt keinen Hinweis auf das Ziel oben auf der Grefenburg. Es geht durch den Wald immer weiter bergauf, bis man auf ein grünes Metalltor trifft. Erst wenn man dieses passiert hat und einige Schritte an moosbewachsenen Stämmen vorbei gegangen ist, öffnet sich der Blick auf den kleinen See oben auf der Grefenburg.

Die scharfen Abbruchkanten am Seerand verweisen darauf, dass hier früher Basalt abgebaut wurde. Auf den ersten Blick erinnert heute nichts mehr an den ehemaligen Steinbruch, der bis 1960 auf der Grefenburg bestand. Nach dem Ende des Basaltwerks ließ man den Bruch durch eine Quelle, auf die man gestoßen war, volllaufen. Heute ist der etwa 100 mal 200 Meter große See bis zu elf Meter tief – und ein idyllisches Fleckchen im Wald.

Doch nicht immer war es hier so still wie jetzt, da 20 Männer der Sportfischergemeinschaft Barterode rund um den See angeln und vielleicht mal ein paar Sätze über das Dorfleben austauschen. Bis in die neunziger Jahre hinein wurde das Gewässer ausgiebig als Badesee genutzt, auch von Göttinger Studenten. Auf die vielen Badegäste, die es damals gab, sind die Fischer gar nicht gut zu sprechen. Das Gewässer sei kurz vor dem Umkippen gewesen, und es habe haufenweise Müll gegeben. Der stellvertretende Vorsitzende Heiko Artmann verweist zudem darauf, dass das Baden in dem See aufgrund der Abbruchkanten und plötzlich auftretender eiskalter Strömungen auch gefährlich sei.

Der Verein zäunte das Gelände allmählich ein und sperrte die Badegäste aus. Seitdem habe sich die Natur wieder erholt, auch durch die Pflege- und Hegearbeiten des Vereins. So habe man etwa 500 Büsche und Bäume gesetzt, berichtet der Vorsitzende Eckhard Cohrs. Zudem beschneide man Büsche und Bäume, schaffe künstliche Inseln für Enten und Rahmenbedingungen für Schilfwuchs. 

Es gibt laut Cohrs rund um den See unter anderem Wildschweine, Rehwild, eine seltene Farnart, einen Dachsbestand, Ameisenhügel und Wilderdbeeren. Auch Eisvögel seien schon gesichtet worden.  An manchen Stellen ragen Baumwurzeln ins Wasser. Das Idyll hat im Sommer aber auch seine Tücken – es gibt viele Bremsen und Zecken. Manche Mitglieder verbringen auch die Nächte am See. Michael Rausch, der in Barterode ein Angelgeschäft betreibt, sagt von sich, dass er auf 30 bis 40 Nächte im Jahr am See kommt. Bestimmte Fische bissen nur nachts oder zumindest wesentlich besser, erläutert er. Für dringende Fälle gibt es in der Nähe des Sees ein Plumpsklo aus Holz. Auch ein kleiner Bauwagen steht am Rand des Sees. An einem Steg liegt ein kleines Ruderboot.

Flache Klinge auf den Kopf

Cohrs und Artmann angeln etwa einmal die Woche, aber nicht nur im Grefenburg-See, sondern auch an der Weser. 52 Mitglieder hat die Sportfischergemeinschaft Barterode laut Cohrs derzeit, darunter acht Jugendliche. Frauen sind allerdings in dem seit 35 Jahren bestehenden Verein derzeit überhaupt nicht vertreten. Die Sportfischer haben das Gelände über einen Jagdpächter von der Forstgenossenschaft gepachtet. Während Cohrs die Vereinsstruktur erläutert, wiegt nebenan am Tisch ein Fischer eine durchsichtige Tüte mit zwei blutigen Fischen darin.

Da der See nicht durch ein Fließgewässer gespeist wird, können keine Fische zuwandern. Der Besatz ist durch die Sportfischer eingebracht worden oder durch Fischlaich an den Füßen von Wasservögeln. Laut Cohrs gibt es im See Zander, Hechte, Aale, Karpfen, Schleien, Weißfische und Forellen.

Bei Cohrs hängt noch ein Fisch an der Angel. „Kommt mal einer mit’m Kescher?“, ruft er hinüber zu seinen Kollegen, die schon zum Grillen übergegangen sind. Cohrs zieht die zappelnde Forelle raus, ein Vereinkollege hält den Kescher unter den Fisch. Er wird auf den Rasen geworfen, Cohrs zieht ein größeres Messer und schlägt die nur noch schwach zappelnde Forelle mit der flachen Klinge auf den Kopf – zur Betäubung. Dann sticht er in die Unterseite des Fisches, der durch einen Herzstich getötet werden soll. Blut fließt aus dem Fisch heraus. Es sei wichtig, dass dies fachgerecht erfolge, meint Cohrs, der von Beruf Schlachter ist.

Nach einem gemeinsamen Grillen – es gibt Bratwurst, nicht Fisch – ziehen die Fischer allmählich ab. Der See ist wieder sich selbst überlassen.

                                                                                                                                                     Von Jörn Barke

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