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Alte Glocken schlagen zum letzten Mal

St. Albani Alte Glocken schlagen zum letzten Mal

Die drei Gussstahl-Glocken der Göttinger Kirche St. Albani läuten am Sonntag, 6. August, zum letzten Mal zum Gottesdienst. Bis zur Weihe der vier neuen, bereits gegossenen Glocken aus Bronze am Sonntag, 29. Oktober, bleibt die Kirche ohne Geläut. In dieser Zeit wird auch die Uhrzeit nicht angeschlagen.

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Außenansicht der Kirche und die Glocken im Turm

Quelle: Christina Hinzmann

Göttingen. „In der kommenden Woche wird der Turm eingerüstet“, kündigt Marianne Mühlenberg, die Vorsitzende des Kirchenvorstandes, an. Arbeiter würden das gotische Maßwerkfenster und einen Teil der Turmmauer herausnehmen. Ein Kran hebe die alten Glocken heraus. Die beiden großen Schlaginstrumente lasse die Gemeinde einschmelzen. Das kleine werde eventuell auf dem Kirchengelände aufgestellt.

„Handwerker bereiten dann den Glockenstuhl für die Aufnahme des neuen Geläuts vor“, sagt Mühlenberg. Die Gießerei Petit & Gebr. Edelbrock aus Gescher im Münsterland liefere die vier neuen Glocken am Mittwoch, 4. Oktober, an. Sie würden zunächst auf dem Platz vor dem alten Rathaus abgestellt. Dort könnten sich Interessierte die Schlaginstrumente anschauen.

„Künstler Peter Luban aus dem sächsischen Gößnitz hat sie gestaltet“, erzählt die Vorsitzende. Auf jeder Glocke stehe auf Latein einer der vier reformatorischen Grundsätze, die alle mit „Soli“ („Allein“) begännen: Allein durch den Glauben, Christus allein, Allein aus Gnade und Allein aufgrund der Schrift. So nähmen die Glocken Bezug auf das 500-jährige Reformationsjubiläum.

„Dazu gibt es auf jeder Glocke einen passenden Vers aus der Bibel und Bilder“, berichtet Mühlenberg. Auf der größten Glocke sei zum Beispiel die Albanikirche zu sehen. Die Christusglocke schmücke ein Phönix. Dieser Vogel verbrenne einer antiken Sage zufolge und erstehe aus seiner Asche neu. Das hätten die frühen Christen als Symbol der Auferstehung Jesu gedeutet. Auch ein Pelikan sei abgebildet.

„Am Mittwoch, 4. Oktober, gestaltet Pastor Martin Hauschild um 16 Uhr auf dem Platz vor dem Alten Rathaus eine Andacht“, sagt Mühlenberg. Anschließend werden die Glocken in die Obere Karspüle transportiert und unterhalb der Kirche abgestellt. Am nächsten Tag hebt sie ein Kran in den Turm. Handwerker schließen die Glocken und die erneuerte Elektrik an. Arbeiter werden dann die Mauer und das gotische Maßwerkfenster wieder einsetzen und das Gerüst abmontieren. Die Glockenweihe sei am Sonntag, 29. Oktober, um 15 Uhr angesetzt.

Die evangelische Kirchengemeinde hat seit Mitte 2013 für die Verwirklichung dieses Großprojekts 300.000 Euro gesammelt. Auch die Katholiken der benachbarten Paulusgemeinde beteiligten sich. Die Glocken kosten 150.000 Euro. Mit weiteren 150.000 Euro schlägt der Einbau und das neue Läutewerk zu Buche. Die größte der vier Bronzeglocken, die mehrere Jahrhunderte überdauern sollen, wiegt 3700 Kilogramm. Ein derart großes Instrument hat die Gießerei im Münsterland seit mehr als zehn Jahren nicht angefertigt. Die kleinste Glocke bringt 1000 Kilogramm auf die Waage. Beim Guss im April waren 80 Gemeindemitglieder aus Göttingen mit dabei. Neun Tonnen 1000 Grad Celsius heißer Bronze flossen in die Formen.

Im Mai läuteten die Glocken dann beim großen Festgottesdienst während des evangelischen Kirchentags auf den Elbwiesen der Lutherstadt Wittenberg. Die alten Glocken stammen aus dem Jahr 1951. Sie müssen aufgrund von Schäden ersetzt werden. Gussstahl ist weniger langlebig als Bronze.

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