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St. Paulus: Proben für das Krippenspiel am Weihnachtstag

„Weg aus der Glitzer- und Geschenkewelt“ St. Paulus: Proben für das Krippenspiel am Weihnachtstag

Superintendent  Friedrich Selter war früher mal ein Sterndeuter und Dechant Wigbert Schwarze der Engel Gabriel – jedenfalls in den Krippenspielen, bei denen sie  als Kind mitgewirkt haben. In der Region werden Hunderte von Kindern auch in diesem Jahr wieder in den Gottesdiensten  zu Weihnachten das
Geschehen zu Bethlehem nachspielen,  wie es sich laut Bibel vor rund 2000 Jahren zugetragen haben soll: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem  Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.“

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Probe für das Krippenspiel in der Kirche St. Paulus: Die drei Weisen versuchen, mit dem Fernrohr am Himmel etwas Neues zu entdecken.

Quelle: Heller

Göttingen. In der katholischen Kirche St. Paulus und im Gemeindehaus herrscht ein großes Gewusel.

Hier werden Kostüme angepasst, dort wird musiziert und wieder woanders noch an der Bühne geschraubt. Denn hier laufen die Proben für eines der umfangreichsten Weihnachtskrippenspiele im Raum Göttingen.

30 Kinder und rund ein Dutzend Musiker wirkten an der Aufführung mit, erklärt Mariann Ege. Sieben Seiten lang ist das Manuskript für das Krippenspiel, mehrere Lieder sind einzustudieren, sechs Proben sind in der Adventszeit angesetzt. Das Spiel soll eine halbe Stunde dauern und wird im Gottesdienst zu Heiligabend um 16 Uhr aufgeführt. Bei diesem Aufwand ist es nicht verwunderlich, dass Ege das Krippenspiel nicht allein betreut.

Es gibt ein ganzes Vorbereitungsteam aus Ehrenamtlichen. Michael Schulz baut die Bühne, an der er schon seit dem Sommer tüftelt. Nicole Salditt kümmert sich um den musikalischen Part, Andrea Mosterac und Ulrike Schulz helfen bei der Betreuung der Kinder, und Pfarrsekretärin  Carola Kleinjohann hilft bei der Logistik. Die Kostüme sind von Gemeindemitgliedern genäht.

„Es gibt jedes Jahr einen anderen Text“

1999 sei sie mit den Krippenspielen in St. Paulus angefangen, erzählt Ege, die die Texte selbst schreibt, dabei teilweise aber auch auf Vorlagen zurückgreift: „Es gibt jedes Jahr einen anderen Text.“ Im Lauf der Zeit sei das Projekt gewachsen. Immer mehr Kinder hätten danach gefragt, ob sie mitmachen könnten.

„Es ist wichtig, dass die Kinder dieses Erlebnis haben“, sagt Ege. Es gehe nicht darum, ein Theaterstück aufzuführen, sondern die Kinder durch die Adventszeit hindurch zu Heiligabend hinzuführen – „auch ein bisschen weg aus der Glitzer- und Geschenkewelt“.

Stattdessen stehe das freudige Ereignis im Mittelpunkt, an das am Heiligabend erinnert werde: die Geburt von Jesus Christus, dem Sohn Gottes, auf den sich das Christentum beruft. Es sei wichtig, dass Kinder dieses Wissen hätten, damit sie später als Erwachsene eigenständige Entscheidungen zum Glauben treffen könnten, meint Ege, die in der Kinder- und Jugendarbeit von St. Paulus aktiv ist.

Im Gemeindehaus singen die Kinder mit Salditt gerade das Lied „Die Nacht war wie die andern Nächte“. Die Musiker kommen teilweise erst bei den letzten Proben dazu, denn es sind Studenten darunter, die aus der Paulusgemeinde stammen, mittlerweile aber in anderen Städten wohnen.

„Ich glaube, ich habe ihn gefunden“

Zu den Musikern gehört auch der zwölfjährige Christoph mit seinem Alt-Saxophon. Er ist zum wiederholten Mal beim Krippenspiel dabei. Früher hat er einen König gespielt, nun ist er bei den Musikern. Es sei schön, diejenigen wiederzutreffen, mit denen er beim letzten Mal gespielt habe, meint er. Mit vielen zusammenzuwirken, „macht richtig Spaß“.

Sein Lieblingslied ist übrigens ein ganz traditionelles: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“. Auch für den zwölfjährigen Henrik, der Klavier spielt und früher mal ein Hirte war, ist das Gemeinschaftserlebnis wichtig. In der Kirche wird unterdessen erstmals in Kostümen geprobt.

Die drei Weisen aus dem Morgenland lümmeln sich an einem Fernrohr herum. Sie wollen einen Stern finden, aber es gibt nichts zu sehen. Doch dann sagt einer der drei: „Ich glaube, ich habe ihn gefunden.“ Und damit beginnt eine große Geschichte.

„Weihnachten ohne Krippenspiel geht gar nicht“

Welche Arten von Krippenspielen gibt es im evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Göttingen?
In den Gemeinden des Kirchenkreises gibt es zu Weihnachten mehr als 50 Krippenspiele, manchmal sogar zwei in einer Gemeinde.

Wer kann mitmachen?
Die Krippenspiele werden häufig mit Konfirmandengruppen einstudiert. Wo es regelmäßige Kindergottesdienste gibt, wird oft auch dort das Krippenspiel geprobt. Oftmals werden die Krippenspiele durch musikalische Einlagen bereichert. Das sind mal Kinderchöre, mal sind es Musikensembles, manchmal auch der Kirchenchor.

Warum sind Krippenspiele in den Weihnachtgottesdiensten so wichtig? Was soll mit ihnen gezeigt werden?
Weihnachten ohne Krippenspiel geht gar nicht. Krippenspiele sind deswegen so wichtig, weil die Weihnachtsgeschichte immer wieder neu erzählt werden will. Bei den Aufführungen können schon die ganz kleinen Kinder mitbekommen, welche Freude die Geburt Jesu bei den Menschen ausgelöst hat, obwohl er in armen Verhältnissen zur Welt kam und die einfachen Hirten die ersten waren, die zu ihm gekommen sind.

Haben Sie als Kind bei Krippenspielen mitgemacht? Wenn ja, in welcher Rolle?
Klar habe ich als Kind bei Krippenspielen mitgemacht. Ich erinnere mich daran, dass ich mal einen der drei Sterndeuter aus dem Morgenland gespielt habe. Das muss wohl in der Konfirmandenzeit gewesen sein. Mit einem riesigen „Fernrohr“ habe ich den Stern entdeckt und ihn allen gezeigt. Natürlich mussten wir alle viel Text auswendig lernen. Und darum war es ganz schön aufregend. Damals in den 70er-Jahren gehörte in ein Krippenspiel auch immer eine ordentliche Portion Gesellschaftskritik. In aktualisierten Fassungen der Weihnachtsgeschichte wurde dann die Friedensthematik oder das Problem der Armutsschere angesprochen. Solche Aktualisierungen halte ich auch heute für wichtig – nicht nur im Krippenspiel.

Steht bei Ihnen zu Hause eine Weihnachtskrippe?
Wir haben auch eine Krippe, die immer wieder unterm Weihnachtsbaum steht. Die haben unsere Töchter im Grundschulalter aus Ton geformt. Uns Eltern hat das damals sehr gerührt. Darum stellen wir sie auch heute immer noch auf, obwohl man nicht bei jeder Figur so richtig erkennen kann, wen sie darstellen soll. Aber wir wissen ja, was gemeint ist. Und das macht uns immer wieder froh.

 Das Interview führte Jörn Barke

In der Kleidung der Mutter

Welche Arten von Krippenspielen gibt es im katholischen Dekanat Göttingen?
In meiner Pfarrgemeinde St. Godehard gibt es in drei Kirchen jeweils um 16 Uhr Krippenfeiern: in St. Godehard in Göttingen, in Heinrich und Kunigunde in Grone und in St. Marien in Dransfeld. Das große Krippenspiel in St. Godehard wird wieder von Rebecca Jakob betreut. Auch in St. Paulus gibt es ein großes Krippenspiel mit mehr als 40 Beteiligten.

Wer kann mitmachen?
Alle Kinder, die gern möchten. Aber es ist immer gut, wenn die Kinder beziehungsweise ihre Eltern von den Betreuern des Krippenspiels persönlich angesprochen werden.

Warum sind Krippenspiele in den Weihnachtgottesdiensten so wichtig? Was soll mit ihnen gezeigt werden?
Sie zeigen die menschliche Nähe Gottes auf eindrucksvolle Weise und gehen zu Herzen.
Haben Sie als Kind bei Krippenspielen mitgemacht? Wenn ja, in welcher Rolle?
Ja, als Engel Gabriel - mit Kleidung meiner Mutter.
Steht bei Ihnen zu Hause eine Weihnachtskrippe?
Nur eine kleine Krippe, aber ich sehe ja jeden Tag mehrere Krippen in den Kirchen.

 Das Interview führte Jörn Barke

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