Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Staatsanwaltschaft Göttingen klagt Mitglieder der "Nigeria-Connection" an

Falsche Schwüre des falschen Generals Staatsanwaltschaft Göttingen klagt Mitglieder der "Nigeria-Connection" an

Wegen einer modernen Variante des Heiratsschwindels müssen sich demnächst mehrere mutmaßliche Mitglieder der sogenannten „Nigeria Connection“ vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft Göttingen hat drei Männer aus Nigeria und Sierra Leone wegen gewerbsmäßigen Betruges in sieben Fällen angeklagt.

Voriger Artikel
Naturschützer aus Göttingen sorgen sich um die Feldlerche am GVZ
Nächster Artikel
Neue Naherholungsflächen am Kiessee in Göttingen
Quelle: dpa/Symbolbild

Göttingen. Die 36, 40 und 44 Jahre alten Männer sollen dem bandenmäßig organisierten Netzwerk geholfen haben, gezielt Kontakte zu deutschen Internet-Nutzern anzubahnen, um diesen dann hohe Geldbeträge abzuluchsen. Eines ihrer Opfer war eine alleinstehende Frau aus Göttingen, die einem vermeintlichen Verehrer mehr als 240 000 Euro zukommen ließ.

Die 59-Jährige war der Betrugsmasche „Love Scam“ (Liebesbetrug) aufgesessen. Im Frühjahr 2012 war sie über eine Partnerschaftsbörse im Internet von einem Mann kontaktiert worden, der sich als kanadischer General ausgab, der in Afghanistan Polizisten ausbildete. Sie fühlte sich geschmeichelt, dass sich ein hochrangiger kanadischer Militär für eine alleinstehende Frau in Göttingen interessierte. Es entwickelte sich eine intensive Online-Kommunikation, die den Charakter einer virtuellen Liebesbeziehung annahm.

Humanitäre Projekte und markierte Scheine

Ihr Internet-Partner berichtete ihr dann von einem humanitären Projekt in Afghanistan, für das ihm der US-Geheimdienst sehr viel Geld zur Verfügung gestellt habe. Da der Geheimdienst die Scheine mit Farbe markiert habe, könne er das Geld jedoch nicht in Umlauf bringen. Die Farbmarkierungen ließen sich nur mit speziellen Chemikalien beseitigen, die sehr selten und sehr teuer seien, so dass er auf finanzielle Unterstützung angewiesen sei.

Ohne ihren angeblichen Verehrer je kennengelernt zu haben, transferierte die Göttingerin mehrfach hohe Summen auf Auslandskonten und reiste nach Berlin und Dublin, wo sie Boten des angeblichen Generals weitere Geldbeträge übergab. Nach einigen Monaten wurde sie jedoch misstrauisch und informierte die Polizei. Diese nahm bei einem weiteren Treffen am Frankfurter Flughafen einen 40-jährigen Nigerianer fest.

Der Festgenommene habe offenbar als sogenannter Läufer fungiert, der von einem ebenfalls verhafteten 44-jährigen Nigerianer aus Düren dirigiert worden sei, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Göttingen, Frank Michael Laue. Im Zuge ihrer Ermittlungen stießen die Fahnder der Zentralstelle für Computerkriminalität und des Fachkommissariats „Cybercrime“ der Polizei Göttingen auch noch auf einen Mann aus Sierra Leone.

Geldwäsche und diverse Flugtickets

Der 36-Jährige wurde bei einer fingierten Geldübergabe in einem Restaurant in Hannover festgenommen, wo er von einem Geschäftsmann aus Ostfriesland 125 000 Euro in Empfang nehmen wollte. Zuvor hatte ein angeblich auf einer Ölplattform im Golf von Mexiko tätiger Arzt über das Internet Kontakt zu dem ostfriesischen Geschäftsmann aufgenommen und diesem angeboten, sich mit zwei Millionen US-Dollar an dessen Unternehmen zu beteiligen.

Auch hier wurde die Geschichte von den angeblich verunreinigten Geldscheinen aufgetischt: Um in den Genuss der Millionen-Investition zu kommen, sollte sich der ostfriesische Unternehmer finanziell an der „Geldwäsche“ beteiligen.      Auch beim Landeskriminalamt kennt man dieses Problem. Bei diesen Betrugsdelikten gebe es eine sehr hohe Dunkelziffer, sagte eine Sprecherin. Offenbar verzichteten viele Geschädigte aus Scham darauf, Anzeige zu erstatten.

Von Heidi Niemann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Der Wochenrückblick vom 3. bis 9. Dezember 2016