Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Stadt Göttingen droht mit Böller-Verbot in der City

Ausschreitungen Stadt Göttingen droht mit Böller-Verbot in der City

Die Stadt Göttingen droht mit einem kompletten Böller-Verbot in der Innenstadt. Hintergrund sind Vorfälle in der Silvester-Nacht 2014/2015, als unter anderem Feuerwehrleute mit Raketen und Knallkörpern beworfen worden waren – unter Applaus der Umstehenden.

Voriger Artikel
Flüchtlingshilfe in rechtlichen Fragen
Nächster Artikel
Holzhütte in Internationalen Gärten in Göttingen brennt
Quelle: Vetter

Göttingen. In der Stadt Göttingen darf im Umkreis von 200 Metern von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie Fachwerkhäusern kein Feuerwerk abgebrannt werden. „Für Produkte, die mit der Hand geworfen werden, reicht ein Abstand von 25 bis 30 Metern“, erklärt Verwaltungssprecher Detlef Johannson. Das bedeutet, dass Raketen oder Böller-Batterien im Innenstadtbereich, also innerhalb der Wallanlagen, ohnehin nicht gezündet werden dürfen. Nun steht aber ein generelles Böller-Verbot im Raum.

In der Vergangenheit habe die Verwaltung immer wieder auf den verantwortungsvollen Umgang mit Silvesterfeuerwerk hingewiesen, sagt Johannson. Daran hätten sich die Leute auch meist gehalten, weswegen man das Böllern in der Innenstadt zumindest geduldet habe. Bei den Vorfällen am Alten Rathaus in der jüngsten Silvesternacht seien aber eindeutig Grenzen überschritten worden. Die Stadt werde es nicht mehr hinnehmen, „dass zum Beispiel Feuerwehrbeamte im Einsatz in gefährliche Situationen kommen, weil grob fahrlässig mit Silvesterfeuerwerk am Markt umgegangen wird. Wiederholen sich Vorkommnisse wie 2014, wird das Anlass für ein völliges Böller-Verbot in der Innenstadt sein“, betont Johannson.

Ein komplettes Böller-Verbot, wie es wegen Brandgefahr in Northeim, Hann. Münden und Duderstadt gilt, müsste zuvor vom Göttinger Rat beschlossen werden. Dieses dürfte allerdings schwer durchzusetzen sein. Verwaltung und Polizei hatten schon im vergangenen Jahr eingeräumt, dass sie aus personellen Gründen kaum kontrollieren könnten. Die Polizeiinspektion Göttingen habe aber bereits signalisiert, dass sie bei einem generellen Böller-Verbot im nächsten Jahr die Verwaltung nach Kräften unterstützen werde, sagt Johannson.

Kommentar von Andreas Fuhrmann

Ein generelles Böller-Verbot in der Göttinger Innenstadt. Das klingt nach hartem Durchgreifen. Mit Verboten allein wird sich an den chaotischen Zuständen, die in der Silvesternacht regelmäßig in der City herrschen, aber nichts ändern.
Dafür fehlen Ordnungsamt und Polizei schlichtweg das Personal. Schon das jetzt geltende Verbot, Raketen oder Böller-Batterien im Innenstadtbereich abzubrennen, ist eine Farce. „Das ist nicht kontrollierbar“, sagte Verwaltungssprecher Detlef Johannson im vergangenen Jahr. Ähnlich argumentierte die Polizei. Was aber bringen Verbote, wenn ohnehin niemand kontrollieren kann, ob sie eingehalten werden?

Besser wäre es, sich die Stadt Hann. Münden zum Vorbild zu nehmen. Die Verwaltung stellt dort jedes Jahr zur Jahreswende einen Feuerwerk-Abbrennplatz auf dem Tanzwerder in der Nähe des Wesersteins zur Verfügung. Das habe sich bewährt, erklärte das Mündener Ordnungsamt. In der Fachwerkstadt gebe es seitdem weniger Probleme. Dergleichen wäre in Göttingen zum Beispiel auf dem Schützenplatz denkbar.

Eines muss allerdings überall gelten, ob in der Innenstadt oder auf einem Platz: Wer Böller oder Raketen auf andere Menschen oder Gebäude feuert, muss bestraft werden. Personalmangel hin oder her.

Weil sich jedes Jahr kurz vor oder am Silvestertag zahlreiche Brände und Unfälle wegen unsachgemäßen oder leichtfertigen Umgangs mit pyrotechnischen Produkten ereignen, hat die Stadtverwaltung Göttingen noch einmal auf die einschlägigen Bestimmungen des Sprengstoffgesetzes und der Verordnung aufmerksam gemacht. Feuerwerksartikel werden generell nach zwei Kategorien  - bislang nach Klassen –unterschieden

Pyrotechnische Gegenstände der Kategorie 1 (auch erkennbar an „F1“) und Klasse I (auch erkennbar an „PI“) sind beispielsweise Knallerbsen, Knallbonbons, Tischfeuerwerke, Wunderkerzen und Partyknaller. Zur Kategorie 2 (auch erkennbar an „F2“) beziehungsweise zur Klasse II (auch erkennbar an „PII“) zählen Raketen, Batterien, Knallkörper, Sonnenräder oder China-Böller.

Pyrotechnische Gegenstände der Kategorie 2 und der Klasse II, also „Hochfeuerwerk mit eigenem Antrieb“,  darf nur in der Zeit vom 29. bis zum 31. Dezember verkauft und lediglich am 31. Dezember ab 0 Uhr bis zum 1. Januar um 24 Uhr, nur im Freien und dort nicht in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie Reet- und Fachwerkhäusern abgebrannt werden. Unmittelbare Nähe bedeutet einen Mindestabstand von 200 Metern. Für Produkte, die mit der Hand geworfen werden, reicht ein Abstand von 25 bis 30 Metern.

Raketen oder sogenannte Batterien dürfen demnach  im Innenstadtbereich – also innerhalb der Wallanlagen -  nach der bestehenden Rechtslage nicht abgebrannt werden. Zuwiderhandlungen stellen eine Ordnungswidrigkeit dar.  Für den Umgang mit pyrotechnischen Produkten der Kategorie / Klasse 1 gilt ein Mindestalter von zwölf, für die Kategorie / Klasse 2 von 18 Jahren.

Tipps
Folgende Tipps für einen unfallfreien Silvesterabend und Neujahrstag mit dem dringenden Appell der Stadtverwaltung für einen verantwortungsbewussten, vorsichtigen und rücksichtsvollen Umgang mit allen Feuerwerkskörpern:
  • An die Hinweise in der beiliegenden oder aufgedruckten Gebrauchsanweisung soll man sich unbedingt halten.
  • Im betrunkenen Zustand oder unter Drogeneinfluss keine pyrotechnischen Gegenstände zünden!
  • Keine „Feuerwerkskörper“ in Personengruppen oder in offene Fenster, Türen oder Briefkästen werfen!
  • Beim Zünden des Silvesterfeuerwerks andere pyrotechnische Produkte nicht offen herumliegen lassen und auch nicht direkt am Körper tragen!
  • Silvesterfeuerwerk nicht vom Balkon aus zünden oder von oben herunterwerfen. Raketen mit Führungsstab nie in den Boden stecken!
  • Die Flugrichtung der pyrotechnischen Gegenstände so wählen, dass sie nicht in Häuser oder in leicht brennbare Materialien niedergehen können. Dabei sind auch die Windrichtung und -stärke zu beachten!
  • Nach dem Anzünden gleich auf Abstand gehen, schon gar nicht den Feuerwerkskörper in der Hand behalten!
  • „Blindgänger“ auf keinen Fall nochmals zünden; stattdessen Hinweise der Gebrauchsanweisung
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Schauspieler-Casting im Göttinger „Kauf Park“