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Dramatisches Eschensterben

Stadt lässt 100 Bäume fällen Dramatisches Eschensterben

Ein kleiner Pilz bedroht Eschen in Göttingen, die meisten befallenen Bäume sind nicht zu retten. Warum im kommenden Winter etwa 100 Eschen im bewohnten Stadtgebiet fallen müssen, haben Fachleute der Stadtverwaltung gemeinsam mit der Umweltschutzinitiative BUND auf dem Bartholomäus-Friedhof erklärt.

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Krank und ausgedünnt: Auf dem Bartholomäus-Friedhof sind viele Eschen befallen.

Quelle: Harald Wenzel

Göttingen. Es ist dramatisch, daraus machen Michael Menzel als Leiter des städtischen Fachdienstes Grünflächen und Baumexperte Henning Schwarze vom Göttinger Bauhof keinen Hehl. Von etwa 1600 als Einzelbäume erfassten Eschen am Straßen, in Parkanlagen und anderen öffentlichen Einrichtungen seien etwa vier Prozent mit dem Pilz befallen. Die vielen kranken Bäume in größeren Baumgruppen und im Stadtwald seien dabei nicht einbezogen.

„Wir müssen handeln, aber wir werden sehr moderat ran gehen“, versicherte Menzel am Montag den sieben interessierten Besuchern der BUND-Informationsveranstaltung auf dem als Denkmal geschützten Bartholomäus-Friedhof. Wenn aber in einer Parkanlage wie dieser etliche Bäume gefällt und zumindest stark beschnitten werden, „wird das hier und da schon prägend sein“, so Menzel.

Seit 2006 beobachte die Stadtverwaltung, dass an Eschen Triebe absterben, ergänzte Schwarze. In diesem Jahr seien die Schäden an vielen Bäumen im Wald, an der B27 in Weende, auf dem Bartholomäus-Friedhof und an vielen anderen Standorten allerdings massiv. Auslöser sei ein mikroskopisch kleiner Schlauchpilz aus Japan mit dem Namen „Falsches Weißes Stängelbecherchen“. Er gefährde alle Eschenarten, unabhängig von Alter und Größe. Blätter und Äste sterben ab - zunächst im Kronenbereich, bis der gesamte Baum betroffen ist.

Aber auch scheinbar vitale und grüne Äste der befallen Bäume brechen unvermittelt herunter, erklärte Schwarze auf die Nachfrage einer jungen Besucherin. Sie wollte wissen, warum nicht einfach nur kranke Äste herausgeschnitten werden, um die Bäume zu retten. „Das reicht einfach nicht“, ergänzte Menzel. Und gerade an Wegen und öffentlichen Flächen müsse die Verwaltung konsequent vorgehen, um niemanden durch abbrechende Äste zu gefährden. „Im Randbereich lassen wir die ein oder andere Esche auch schon mal stehen.“

Generell gingen Experten zurzeit davon aus, dass befallene Bäume nicht behandelt und gerettet werden können. Um gesunde Bäume zu schützen und zu retten, müssten stark befallene Eschen gefällt werden. Warum manche Eschen offenbar weniger anfällig sind, sei noch nicht erforscht. Alle Experten seien aber überzeugt, dass die Esche trotz des Pilzes nicht aussterben werde.

Die Eschen, die in den nächsten Monaten in Göttingen gefällt werden, wird die Stadtverwaltung in ihrer aktuellen Fällliste aufnehmen. Sie umfasst alle Bäume in der Stadt, die aus verschiedenen Gründen im nächsten Winter umgehauen werden - abgestimmt mit Göttinger Naturschutzverbänden. Mit der Liste und dem Eschensterben befasst sich am Dienstag, 27. September, auch der Umweltausschuss des Rates der Stadt: ab 16 Uhr im Neuen Rathaus.

Die wird sich auch Dieter Domeier anschauen, der am Montag schon als Besucher der Infoveranstaltung mehr erfahren wollte. „Ich beobachte als Ornithologe schon länger, dass viele Eschen sterben“, sagte er.

Das „Falsche Weiße Stängelbecherchen“: ist ein kleiner weißer becherförmiger Pilz aus der Unterabteilung der „Echten Schlauchpilze“. Hymenoscyphus fraxineus lebt nach Erklärungen in Fachaufsätzen auf Blattspindeln abgeworfener Eschenblätter. Seine Nebenfruchtform allerdings löst massives Eschensterben aus. Die Sporen verbreiten sich über den Luftweg. Das Eschentriebsterben ist zwar seit 1992 bekannt, aber erst 2006 - also 14 Jahre später - stellten Wissenschaftler fest, dass es eine Krankheit ist, die von einem Pilz verursacht wird. Der ursprüngliche Erreger stammt aus Ostasien. In Europa eingeschleppt wurde er vermutlich über Eschenblattstiele, die zufällig mit Waren transportiert wurden. Besonders bedroht sind Regionen, in denen die Esche stark vertreten ist - und das sind Auewälder und Bestände auf kalkhaltigen Böden.

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