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Blinder König verlässt Stadt "ohne Tamtam"

Stadtführung zum Thema "Die Preußen kommen!" Blinder König verlässt Stadt "ohne Tamtam"

Hannoversch oder preußisch? Diese Frage hat Göttingen vor 150 Jahren tief gespalten. Das haben am Sonntag, 3. Juli, die rund 25 Teilnehmer einer ausverkauften Stadtführung zum Thema "Die Preußen kommen! Göttingen im Schicksalsjahr 1866" erfahren.

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Stadtführung zum Thema "Die Preußen kommen! Göttingen im Schicksalsjahr 1866"

Quelle: Christina Hinzmann

Göttingen. Die Krone über dem Portal der Sparkasse an der Weender Straße zeugt noch heute vom ehemaligen Hotel "zur Krone", in dem der hannoversche König Georg V. Im Juni 1866 residierte.

Stadtführerin Gudrun Keindorf: "Drei Tage lang lagerten 18000 Mann in und um Göttingen"

Nachdem Preußen dem Königreich Hannover am 15. Juni 1866 den Krieg erklärt hatte, rückten die Arme in Hannover ein, der König zog sich nach Süden zurück. "Drei Tage lang lagerten 18000 Mann in und um Göttingen", erklärte Stadtführerin Gudrun Keindorf. Viele Göttinger schlossen sich in den folgenden  Tagen dem König an, Studenten meldeten sich zum Sanitätsdienst oder an die Waffen. "Eine Welle der Begeisterung trug den König durch Göttingen." Der blinde König, so Keindorf, wollte nicht, dass sein Volk seine Behinderung bemerkte. Meistens habe ihn seine Frau Marie geführt. Sie aber war in Hannover zurück geblieben.

Hannoversch oder preußisch? Diese Frage hat Göttingen vor 150 Jahren tief gespalten. Das haben am Sonntag, 3. Juli, die rund 25 Teilnehmer einer ausverkauften Stadtführung zum Thema "Die Preußen kommen! Göttingen im Schicksalsjahr 1866" erfahren.

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"Als Georg Göttingen zu Pferd verließ, war eine seidene Führleine zum Pferd seines Adjutanten zu sehen", sagte die Führerin. Georg und seine Truppen verließen Göttingen am 21. Juni "ohne großes Tamtam" über die Reinhäuser Landstraße  und Reinhausen in Richtung Thüringen. Dort kam es zur entscheidenden Schlacht bei Langensalza. "Als die letzten Hannoveraner noch über die Reinhäuser Landstraße zogen, rückten bereits die ersten Preußen von Norden her durch das Weender Tor ein", so Keindorf.

Preußen werden, im Gegensatz zu den hannoverschen Truppen, als "gut sortiert" beschrieben

In der Goethealle  5 wohnte  die Familie Schwerdtfeger. In dem Tagebuch der Familie sei zu lesen, wie es in diesen Tagen in der Stadt zuging. Die Preußen werden, im Gegensatz zu den hannoverschen Truppen als "gut sortiert" beschrieben. Das welfische Heer ließen bei seinem schnellen Abzug jede Menge Material, wie Waffen, Decken und Stoffballen, zurück. Dieses,so steht es in den Aufzeichnung, wurde von den Preußen an die Göttinger verkauft. Zuvor verköstigten Schwerdtfegers noch 120 Mann mit Reis und Fleisch aus einem Waschkessel.

Keindorf führt ihre Gäste weiter durch die Stadt, die damals einen "Riss durch alle Generationen" erlebte. Als die Stadt preußisch wurde, bleiben viele Einwohner den Welfen treu, andere wiederum wurden Anhänger der Preußen. Die Weinhandlung Bremer, so erfahren es die Teilnehmer, sei beispielsweise als  nationalliberal vermerkt. "Die Nachbarn aber waren den Welfen treu".

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