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Stadtrat legt Überflutungsgebiete für Leine im Göttinger Stadtgebiet fest

Überschwemmung nur im Norden und Süden Stadtrat legt Überflutungsgebiete für Leine im Göttinger Stadtgebiet fest

Die neu ausgewiesenen Überschwemmungsgebiete für die Leine im Göttinger Stadtgebiet sind beschlossene Sache. Einstimmig sprach sich der Rat der Stadt in seiner Dezember-Sitzung für die nicht unumstrittene Verordnung aus.

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Nur mit Booten befahrbar ist der Rosdorfer Weg am 4. Juni 1981.

Quelle: Johannes Poets

Göttingen. Laut niedersächsischem Wassergesetz müssen diejenigen Gewässer oder Gewässerabschnitte, bei denen durch Hochwasser nicht nur geringfügige Schäden entstanden oder zu erwarten sind, formal ausgewiesen werden.

Als Überschwemmungsgebiete gelten solche Gebiete, in denen ein Hochwasser statistisch einmal in 100 Jahren zu erwarten ist. Mit dem Beschluss des Göttinger Stadtrates sind dies jetzt größere Feldflächen nördlich des früheren Autobahnzubringers bis zur Stadtgrenze, die vorwiegend östlich der Leine liegen. Im Süden gibt es eine größere Überschwemmungsfläche südlich des Flüthewehrs. Auch dies sind Felder östlich der Leine. Zwischen diesen beiden großen Flächen ist das Überschwemmungsgebiet auf das eingedämmte Leinebett beschränkt.

Damit gelten die gesetzlichen Schutzvorschriften auch für diese Überschwemmungsgebiete. Wichtigster Punkt: Dort dürfen keine neuen Baugebiete ausgewiesen werden – es sei denn, für Häfen und Werften. Außerdem ist „die Errichtung von Mauern, Wällen oder ähnlichen Anlagen quer zur Fließrichtung des Wassers bei Überschwemmungen“ untersagt. Außerdem darf Grünland nicht in Ackerland umgewandelt werden.

Allerdings gibt es eine Reihe von Ausnahmen. Bauten, die beim Inkrafttreten dieser Verordnung rechtmäßig vorhanden sind, bleiben weiter zugelassen. „Ausnahmsweise“ können die Behörden die Ausweisung neuer Baugebiete zulassen, „wenn keine anderen Möglichkeiten der Siedlungsentwicklung bestehen oder geschaffen werden können“ oder „das neu auszuweisende Gebiet unmittelbar an ein bestehendes Baugebiet angrenzt“.

Neue Baugebiete sind zudem zulässig, wenn der Hochwasserabfluss, der Wasserstand und die Hochwasserrückhaltung nicht beeinträchtigt werden. Etwaige Beeinträchtigungen durch Einzelmaßnahmen müssen ausgeglichen werden.

Fluten in der Stadt

Die bisherige Ausweisung von Überschwemmungsgebieten stammt aus dem Jahr 1910. Sie wurde nach dem verheerenden Hochwasser im Februar 1909 erlassen.

Damals hatte nach heftigen Schneefällen plötzlich Tauwetter eingesetzt. In Weende überschwemmte die Lutter einen Teil des Dorfes. In Göttingen ergoss sich die Leine in die Stadt, die innerhalb weniger Stunden überflutet wurde. Rosdorfer Weg, Wiesen- und Bürgerstraße, Neustadt, Waageplatz, Goetheallee, Anger-, Garten- und Groner-Tor-Straße, aber auch der Bahnhofsvorplatz wurden teilweise meterhoch überspült.

Schulen mussten geschlossen werden. Pioniere aus Münden fahren mit Booten durch die überfluteten Straßen und brachten den Einwohnern frisches Wasser, Lebensmittel und Heizmaterial. Die ein Jahr später erlassene Verordnung sah noch Überschwemmungsgebiete nördlich der Groner Landstraße und südlich des Rosdorfer Wegs vor, die durch die neue Verordnung wegfallen.

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Von Redakteur Matthias Heinzel

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