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Sanierung der Stockleffmühle stockt

Göttigen Sanierung der Stockleffmühle stockt

Die Zukunft der maroden Stockleffmühle am Leinekanal ist weiterhin ungewiss. Die Stadtverwaltung hat eine Bauvoranfrage der Städtischen Wohnungsbau für eine Umgestaltung zunächst einmal zurückgewiesen. Der Grund: mangelnde Berücksichtigung des Denkmalschutzes.

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Modell für eine mögliche Sanierung.

Quelle: r

Göttingen. Im Herbst vergangenen Jahres hatte die Gesellschaft Städtische Wohnungsbau die Bauvoranfrage gestellt, nachdem ein Unternehmen Interesse an der Nutzung der geschichtsträchtigen, aber stark sanierungsbedürftigen Göttinger Immobilie gezeigt hatte. Die Anfrage orientierte sich an einem im Herbst 2015 vorgelegten Gutachten, das als eine von zwei Möglichkeiten eine erhebliche Umgestaltung des auch Große Mühle genannten Baus vorgeschlagen hatte. Diese Variante unter dem Schlagwort „Erneuerung“ sieht die komplette Demontage des gesamten Dachstuhls nach voriger Kennzeichnung aller Originalhölzer vor. Alle historisch bedeutenden Bauteile sollen zur Wiederverwendung demontiert werden. Nur die historische Mühlenmauer, die Westwand zum Leinekanal und der aufwendig konstruierte Dachstuhl des Originalgebäudes sollen bleiben.

Nord, Ost- und Südwand aber sollen verschwinden, weil wegen ihres sehr schlechten Zustands nicht mehr zu retten, erklärt Wohnungsbau-Chefin Claudia Leuner-Haverich. Stattdessen soll ins Erdgeschoss ein Neubau mit luftiger Holz-Glas-Fassade eingezogen werden. Der sanierte historische Dachstuhl soll rekonstruiert und von einer durchsichtigen Dach- und Giebelflächen abgeschirmt werden. „So“, meint Leuner-Haverich, "kann die bemerkenswerte Dachstuhlkonstruktion von außen erlebbar gemacht werden."

Doch dabei habe die Stadtverwaltung nicht mitgespielt, erklärt die Wohnungsbau-Geschäftsführerin. Die Stadt favorisiere stattdessen die denkmalschutzorientierte Variante „Sanierung und Erweiterung“: Der bestehende Mühlenbau wird aufwendig saniert, eine Verstärkung durch eine Stahlkonstruktion trägt den Dachstuhl, der mit traditionellen Tonziegeln neu eingedeckt wird. Ein Anbau aus Holz und Glas erweitert das Mühlengebäude in Richtung Norden.

Bauzeit: 17 Monate

Doch diese Variante, sagt Leuner-Haverich, schränke die Nutzungsmöglichkeiten durch Interessenten zu stark ein. Außerdem sei die Lösung „Sanierung und Erweiterung“ zu teuer. In der Tat gibt es zwischen den beiden Sanierungsmodellen teils erhebliche Unterschiede bei Nutzfläche und Kosten. Während in der denkmalschutzorientierten Variante etwa 390 Quadratmeter zur Verfügung stehen, sind es bei der Variante „Erneuerung“ 450 Quadratmeter. „Sanierung und Erweiterung“ kostet 2,49 Millionen Euro (netto) bei einer Bauzeit von 17 Monaten. „Erneuerung“ kommt mit 2,28 Millionen und 14 Monaten Bauzeit aus. Beide Varianten sehen eine etwa 40 Quadratmeter große Terrasse vor.

Denkmalschutz spielt nicht unwesentliche Rolle

Mit der Zurückweisung der Pläne der Städtischen Wohnungsbau durch die Bauordnung der Stadtverwaltung ist das Ringen um die Zukunft der Stockleff-Mühle allerdings nicht vorbei. Im Gegenteil: Jetzt soll in Gesprächen zwischen beiden Seiten geklärt werden, wie sich ein Kompromiss finden lässt, bei dem auch der Nutzungsinteressent mitspiele, sagt Leuner-Haverich. „Solche Voranfragen haben ja das Ziel abzuklären, was geht und was nicht geht“, sagt Detlef Johannson zum jetzigen Stadt der Dinge. „Bei dem Objekt spielt bekanntlich der Denkmalschutz keine unwesentliche Rolle. Das macht das Projekt nicht ganz einfach.“

Die Stockleffmühle oder Große Mühle ist eines der bedeutendsten Gebäude der Stadt. Der Ursprungsbau stammt aus dem Jahr 1363, das heutige Mühlengebäude von 1595/96, wie Holzuntersuchungen belegt haben. Die Große Mühle besaß acht Mahlwerke und ein Schlagwerk. Die Wellenöffnungen sind heute noch an der Mühlenwand am Kanal zu sehen .

Kommentar

Zeit verschenkt

Der Zustand des für die Göttinger Baugeschichte sehr bedeutsamen Gebäudes „ist optisch wie baulich desaströs“, erklärt auch die Städtische Wohnungsbau GmbH. Das heißt: Es muss bald etwas geschehen, damit das geschichtsträchtige Gebäude nicht in sich zusammenfällt. Da stimmt es nachdenklich, dass die Bauordnungsbehörde der Stadt Göttingen sich erst jetzt mit den bereits seit Herbst 2015 vorliegenden zwei Varianten zur Rettung der Stockleffmühle auseinandersetzt. Die Abwägung, welche Variante genehmigungsfähig ist, hätte gleich nach Ausarbeitung der Machbarkeitsstudie vor knapp zwei Jahren geschehen können, was auch dem Nutzungsinteressenten hätte dabei helfen können, frühzeitig zu wissen, woran er ist und wie er weiter planen kann. So viele Bewerber für die Mühle gibt es nun auch wieder nicht.  hein

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