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Stadtwächter haben von Tuten und Blasen Ahnung

Stadtführung Stadtwächter haben von Tuten und Blasen Ahnung

Dass man etwas nicht nur an die große, sondern auch an die kleine Glocke hängen kann, der Stadtwächter im Mittelalter von Tuten und Blasen eine Menge Ahnung hatte und der Haussegen an Göttingens Häusern auch heute nicht schief hängt, das erfuhren am Sonntag 20 Teilnehmer einer Stadtführung, die „dem geflügelten Wort“ auf der Spur war. Helga Klischat-Pauer führte die Gruppe vom Alten Rathaus vorbei an der Pauliner-Kirche und dem Leinekanal bis zum Börner-Viertel durch 14 Stationen. Anhand der Göttinger Geschichte erklärte sie die Bedeutung von Sprichwörtern.

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„Dem geflügelten Wort“ auf der Spur: Helga Klischat-Pauer (links) beginnt ihre Stadtführung im Alten Rathaus.

Quelle: Heller

Im Alten Rathaus erfuhren die Besucher, dass Gerichtsakten im Mittelalter bis zur Verhandlung auf Bänken aufbewahrt wurden. „Irgendwann stapelten sich die Akten und wurden somit auf die lange Bank geschoben.“ 

Vor dem Rathaus in der Gerichtsnische für niedere Gerichtsbarkeit erfuhren die Teilnehmer dann, dass etwas an die große Glocke gehängt wurde, wenn der Stadt Gefahr drohte. „Dann wurden die Kirchenglocken geläutet, und alle Einwohner der Stadt mussten vor den Balkon kommen und sich berichten lassen, was passiert war“, sagte Klischat-Pauer. Die kleine Glocke kam hingegen in ländlichen Gegenden zum Einsatz, wenn der Gemeindediener umherzog und über Neuigkeiten berichtete.

Im Mittelalter wurde ein Streit in Göttingen vor allem in der heutigen Kornmarktpassage vom Zaun gebrochen. „Der Marktplatz war früher umzäunt und Waffen waren verboten. Wenn die Händler sich nicht einig wurden, brachen sie Stücke vom Zaun ab, um sich durchzusetzen.“ 

Schlitzohr verliert Ansehen

Gewalt stand auch auf der Tagesordnung, wenn Handwerker ihre Arbeit nicht vertrauenswürdig verrichtet hatten. „Dann wurden sie zum Schlitzohr, indem ihnen ihr Zunfthänger vom linken Ohr gerissen wurde. Ihr Ansehen war damit dahin.“ Ansehen hatten auch die Stadtwächter, denn diese wussten immer genau, was in der Umgebung vor sich geht. „Und weil sie mit einem Blasinstrument vor Gefahren warnten, hatten sie von Tuten und Blasen eine Menge Ahnung“, so Klischat-Pauer.

Am Börner Haus, das zur Stadt hin prachtvoll verziert war, zum Innenhof allerdings schlicht gestaltet, erklärte die Stadtführerin, dass viele Fachwerkhäuser einen Segen über der Eingangstür hatten. „Wenn dieser nun aufgrund von Absenkungen im Boden irgendwann schief hing, begann ein Streit zwischen den Hausherren, wer von ihnen sich nicht richtig um das Anwesen gekümmert habe.“ Der Segen am Börner Haus ist allerdings heute noch gerade.

                                                                                                                                Von abs

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