Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 10 ° Sprühregen

Navigation:
Stammer erhält Obermayer-Award

Schatzmeisterin des Jüdischen Zentrums geehrt Stammer erhält Obermayer-Award

Für ihr jahrelanges Engagement für das jüdische Gemeindeleben in Göttingen wird Brigitta Stammer mit dem deutsch-jüdischen Geschichtspreis der US-amerikanischen Obermayer-Stiftung ausgezeichnet.

Stammer wirkt seit 1996 als Schatzmeisterin des Fördervereins Jüdisches Zentrum Göttingen und war in dieser Eigenschaft entscheidend an der Umsetzung der Synagoge von Bodenfelde nach Göttingen beteiligt.
Die Auszeichnungen der Stiftung werden jedes Jahr an nicht-jüdische Deutsche vergeben, „die ehrenamtlich herausragende Beiträge zur Dokumentation und zum Erhalt jüdischer Geschichte und Kultur, des jüdischen Erbes und/oder der Überreste lokaler deutscher Gemeinden geleistet haben“. Die Ehrung wird am 24. Januar in Berlin überreicht. Stammer ist eine von fünf Preisträgern. 2005 wurde unter anderem der Stolperstein-Künstler Gunter Demnig ausgezeichnet.

Die Versetzung der Synagoge von Bodenfelde nach Göttingen, heißt es zur Begründung, sei „eine unglaubliche Reise, die ohne Brigitta Stammer nicht möglich gewesen wäre, denn sie trug federführend dazu bei, dass mehrere hunderttausend Euro an privaten Spenden für das Projekt gesammelt wurden“. Die Geschäftsführerin eines Göttinger Unternehmens, die 1949 in Hamburg geboren wurde und seit 30 Jahren in Göttingen lebt, wollte, dass die neu entstandene jüdische Gemeinde in Göttingen wieder ein Dach über dem Kopf, eine eigene Synagoge, bekommt und in die Stadt integriert wird.

Stammers Interesse an der jüdischen Geschichte wurde während ihrer Schulzeit durch einen jüdischen Lehrer geweckt, der ihr das Buch „Der jüdische Witz“ der polnisch-jüdischen Schriftstellerin Salcia Landmann nahebrachte. Die Lektüre dieses Buches machte Stammer nachdenklich und sie fragte sich, was wohl aus Deutschland geworden wäre, wenn die Nationalsozialisten nicht an die Macht gekommen wären. Als sie die verfallene und zuletzt als Schuppen genutzte Synagoge in Bodenfelde sah, war sie überzeugt, dass dies nicht sein dürfe. Sie sammelte nicht nur Spenden, sondern überwachte auch den Abbau und den Aufbau in Göttingen. Im November 2008, 70 Jahre nach der Zerstörung der großen Göttinger Synagoge in der Pogromnacht im November 1938, wurde die Synagoge schließlich zum zweiten Mal eingeweiht.

Stammer versteht den Preis nicht als persönliche Auszeichnung, sondern als Ehrung für den gesamten Förderverein. Das Team sei wichtig, betont sie. Und sie arbeitet schon weiter am nächsten Ziel: dem jüdischen Gemeindezentrum in der Angerstraße.

Von Jörn Barke

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Bilder der Woche vom 9. bis 15. September 2017