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Statt in Festanlage in Pleitebank investiert

Streit um Anleihe vor Gericht Statt in Festanlage in Pleitebank investiert

Wer sich ohne Zeugen von seiner Bank eine Anleihe verkaufen lässt, hat vor Gericht schlechte Karten. Das musste jetzt eine Göttinger Rentnerin erfahren.

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Finanz-Messe in Hannover: Im Beratungsgespräch sollten Anleger auf der Hut sein, warnen Verbraucherschützer.

Quelle: Surrey

Heide R. hatte im Mai 2005 bei ihrer langjährigen Hausbank eine Anleihe gezeichnet, die ihr in den ersten Jahren jeweils sieben Prozent Zinsen garantierte und danach einen variablen Zins versprach. Was sie nicht wusste: Dieser Zins orientierte sich nicht am allgemeinen Zinsniveau, sondern bemaß sich nach dem Verhältnis eines Termingeld-Zinssatzes zum Euro mit der Folge, dass die Rendite auf Null sinken konnte was denn auch prompt geschah. Dass nach den ersten drei Jahren die Anlage gekündigt werden konnte, stimmte auch nicht, obwohl genau das auf dem Kaufbeleg vermerkt war. Die Wahrheit: Kündigen konnte allein die Bank.

Zurzeit wird die Anleihe der früher einmal seriösen Depfa-Bank nur für ein Zehntel des Nominalwertes gehandelt. Heide R. klagte auf Schadensersatz: Ihr, die eigentlich eine Festzinsanlage hatte erwerben wollen, sei ein spekulatives Papier einer konkursgefährdeten Bank angedreht worden. Über die Risiken der von der Bank empfohlenen Anleihe sei sie von ihrem Berater nicht aufgeklärt worden, erklärte sie zu Verhandlungsbeginn. Sie habe erwartet, interessengerecht beraten zu werden, nicht aber, „dass ,interessengerecht‘ ausschließlich die Interessen der Bank“ bedeutete. Der Vertreter der beklagten Bank wies die Vorwürfe zurück. Auf einen Vergleich wolle sich die Bank nicht mehr einlassen, nachdem die Klägerin an die Öffentlichkeit gegangen sei.

Viel Hoffnung machte das Gericht der um ihr Geld gebrachten Rentnerin nicht: Sie müsse beweisen, dass sie falsch beraten wurde, und ohne Zeugen sei dies schwierig. Der Richter machte zudem deutlich, dass er sich erst einmal mit den Details der komplexen Anlage vertraut mache müsse.

Tipps für gute Beratung

Nach wie vor sind Anlageberatungen bei Banken vielfach mangelhaft. Zu diesem Schluss kommt die Stiftung Warentest, nachdem sie die Beratungsleistungen einer Reihe von Banken unter die Lupe genommen hat. Nach diesem Ergebnis hat die Verbraucherzentrale einen Leitfaden zum Thema „Sichere Geldanlagen“ herausgegeben.

Das Faltblatt zeigt, wie man die schlimmsten Fehler und Fallen bei der Geldanlage vermeidet. Einige wichtige Aspekte sollten beachtet werden, erklärt Verbraucherberaterin Jutta Heuer: „So sollte die persönliche Lebenssituation berücksichtigt, die eigene Risikobereitschaft festgelegt und Klarheit darüber gewonnen werden, für welches Anlageziel Geld gespart werden soll.“ Das Faltblatt erklärt, welche Geldanlagen als sicher gelten und liefert Informationen zu Einlagensicherungssystemen wie gesetzliche Einlagensicherung, freiwillige Sicherungssysteme und Staatsgarantie.

Der Leitfaden ist kostenlos bei der Verbraucherberatung Göttingen (Papendiek 24-26, Mo und Do 10-18 Uhr, Di 10-14 Uhr) erhältlich oder kann im Internet unter www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de/FlyerGeldanlage heruntergeladen werden.

Von Matthias Heinzel

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